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Ein guter Gesang ist für Heuschrecken überlebenswichtig

Musikalische Insekten Heuschrecken wählen Partner nach dem Gesang

Heuschrecken suchen sich ihren Partner danach aus, wer besonders gut singt. Schlechte Sänger haben keine Chance, der Gesang muss gefallen. Die Weibchen bestimmen und die Männchen sind dann ganz schnell raus aus dem großen Feld möglicher Sexualpartner. Das haben Forscher der Humboldt-Universität in Berlin herausgefunden.

Heuschrecken gelten bei Vögeln und manchen Menschen als echte Leckerbissen

Heuschrecken gelten bei Vögeln und manchen Menschen als echte Leckerbissen

Heuschrecken sind beliebt. Die kleinen grünen oder braunen Insekten, die so toll springen können, werden von Vögeln und Reptilien gejagt und auch Menschen essen sie. Das heißt, sie müssen sich anstrengen, um sich überhaupt zu vermehren, erzählt Professor Bernhard Ronacher, Biologe der Humboldt Uni Berlin. "Im Freiland werden Heuschrecken schnell wieder gefressen. Das heißt, sie haben ihrem Leben nur ein oder zwei mal die Chance sich zu verpaaren und dann Eier zu produzieren."

Artfremde Männchen unerwünscht

Hier haben sich zwei Heuschrecken durch akustische Signale gefunden

Zwei Heuschrecken haben sich durch akustische Signale gefunden

Die Partnersuche sollte also schnell und effektiv sein. 26.000 Arten von Heuschrecken gibt es, allein bei uns auf Wiesen finden sich einige hundert. Um dort erfolgreich miteinander zu kommunizieren und die Richtige zu finden, machen die Heuschrecken ihre typischen Geräusche, das Männchen streicht mit seinen Hinterbeinen über die Flügel.

"Diese Gesänge - wie wir sie nennen - sind artspezifisch; da unterscheiden sich also auch die verschiedenen Arten sehr stark. Und das ist für die Weibchen wichtig, dass sie auf jeden Fall vermeiden, sich mit einem artfremden Männchen zu verpaaren. Die Bastarde die daraus entstehen würden haben sehr viel schlechtere Lebenschancen. Da gehen viele Eier kaputt usw. Das heißt, wenn ein Weibchen sich mit einem artfremden Männchen einlassen würde, dann ist es sozusagen evolutionär weg vom Fenster."


Gezirpe aus dem Labor

Wie aber entscheidet sich das Heuschrecken-Weibchen für das richtige Männchen? Um das herauszufinden hat Professor Ronacher mit seinem Team Heuschrecken gefangen und auch gezüchtet und in eine Schallkammer gesetzt. Ein Computer spielte verschiedene Heuschreckengesänge vor. "Die Männchen produzieren verschiedene Gesänge. Die bestehen aus Untereinheiten von ungefähr 80 Millisekunden und sind insgesamt drei bis fünf Sekunden lang."

Musikalische Heuschrecken haben bessere Chancen beim anderen Geschlecht

Musikalische Heuschrecken haben bessere Chancen beim anderen Geschlecht


Die Forscher haben dann solche Gesänge nachgebildet und diesen "gute" und "schlechte" Elemente beigemischt. "Schlecht" sind in diesem Fall jene Komponenten, von denen bekannt ist, dass die Weibchen diese nicht so gerne haben.

Dem Anfang wohnt ein Zauber inne

Hier hat sich ein Heuschrecken-Paar gefunden

Hier hat sich ein Heuschrecken-Paar gefunden

Über Mikrofon wurde die Reaktion des Weibchens aufgenommen. Und das ist richtig wählerisch. Es hat sich herausgestellt, dass dass der Anfang eines Gesangs besonders wichtig für die Entscheidung eines Weibchens war. Die letzten zwei Sekunden waren hingegen viel weniger entscheidend für dessen Reaktion. Eigentlich waren die Forscher davon ausgegangen, dass alle Informationen, die dem Gesang zu entnehmen sind von den Weibchen auch ausgewertet werden.

Heuschrecken-Speeddating

Das Weibchen braucht also nur diesen Ton. Und schon weiß es: Partner oder nicht Partner. Ganz schönes Speeddating. Dabei hört das Heuschreckenweibchen weniger auf positive Eigenschaften, als auf die negativen Seiten. Wenn das Männchen viel Negatives im Gesang vermittelt, wird das Weibchen sich nicht für ihn entscheiden. Negativ heißt vor allem: er ist die falsche Art.

Das große Krabbeln: Heuschrecken-Schwarm

Das große Krabbeln: Heuschrecken-Schwarm

Es gibt Anzeichen dafür, dass z.B. bestimmte Gesangsmerkmale mit der Körpergröße oder einem gut funktionierenden Immunsystem des Männchens zusammenhängen. So kann ein Weibchen im Prinzip relativ viel Informationen über die Fitness des Partners dessen Gesang entnehmen.
Die Heuschrecke – nur wenige Gramm schwer und höchstens zentimetergroß. Und doch singen sie, hören sie und finden zielgenau den richtigen Partner. Schade, dass sich das System nicht auch auf den Menschen übertragen lässt.

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