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Autonomes U-Boot des US-Militärs zur Aufspürung und Zerstörung feindlicher U-Boote (ACTUV)

Herrenlose Kriegsschiffe? Autonome Waffensysteme in der Marine

Autonome Angriffswaffen müssen geächtet werden - fordern Robotik-Experten. Derzeit wird in Genf darüber verhandelt. Neben "Killerdrohnen" geht es auch um marine Anwendungen. Sind autonome Kriegsschiffe oder gar U-Boote realistisch? Gábor Paál im Gespräch mit Collin S. L. Koh, Nanyang Technological University, Singapur.

Das Bild zeigt die marine U-Boot-Abwehrdrohne ACTUV, die die USA seit April 2016 an ihrer Westküste testen.

Wie "autonom" sind Marine-Schiffe heute schon?
Bei den autonomen Systemen, die es heute schon gibt, geht es nicht um tödliche Waffen. Autonome marine Systeme werden eher eingesetzt für Patrouillenfahrten, zur Überwachung von Schifffahrtswegen oder zur Minen-Suche. Indem diese Fahrzeuge ohne Besatzung auskommen, können sie viel länger am Stück auf See bleiben. Autonome Schiffe werden bis auf weiteres keine Kriegsschiffe ersetzen. Es ist unwahrscheinlich, dass wir in den nächsten 50 Jahren Kriegsschiffe haben werden, ohne jegliche menschliche Besatzung.

Der Navigationsplatz des modernen U-Bootes U-33

Bisher braucht man in Militärschiffen oder wie hier in einem U-Boot menschliches Personal.


Denn ein vollautonomes System müsste auch alle völkerrechtlichen Regeln sozusagen verinnerlicht haben und quasi die auswärtige Politik seines Heimatlandes einprogrammiert haben, um sie im konkreten Fall anzuwenden. Nur dann könnte man herkömmliche Kriegsschiffe durch autonome Systeme ersetzen. Das ist schwierig, und bis dahin braucht man menschliches Personal, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Deshalb müssen immer Menschen involviert sein. Das heißt, es werden immer höchstens halbautonome Systeme – eine Kombination aus autonomen Komponenten und Menschen.


Aus der Meeresforschung kennen wir längst Unterwasser-Roboter? Sind auch autonome Militär-U-Boote denkbar?
Man redet heute gerne über autonome U-Boote. Man muss hier unterscheiden. Es gibt unbemannte U-Boote – aber unbemannt bedeutet noch nicht gleich, dass sie auch autonom sind. Wir sind noch lange nicht an dem Punkt, wo man ein autonomes U-Boot bauen könnte, das in der Lage wäre, all die komplexen Aufgaben traditioneller U-Boote zu übernehmen. Also zum Beispiel Patrouillenfahrten über weite Strecken, die Überwachung von Meeresstraßen. Um zu autonomen Systemen zu kommen, ist ein radikaler Wandel nötig. Denn es wären Systeme, wo kein Mensch mehr das Kommando hat. Denn autonome U-Boote lassen sich nicht fernsteuern, sie haben keinen Satellitenkontakt. Einmal im Wasser hat man keine Kontrolle mehr über sie.

Russisches Atom-U-Boot

Russisches Atom-U-Boot (Archiv)


An der Meeresoberfläche ist das leichter, aber unter Wasser ist es sehr schwierig. Angenommen, wir haben es mit einem Kriegs-U-Boot zu tun. Wie kann man gewährleisten, dass es nicht die falschen Ziele attackiert? Oder dass es versehentlich in fremde Hoheitsgewässer eindringt?
Bei Schiffen werden wir eher mit autonomen Systemen rechnen können, bei U-Booten kaum.

Angenommen, irgendwann haben wir auf dem Meer solche autonomen bewaffneten Patroullienfahrzeuge – wären sie eine Gefahr für die zivile Schifffahrt?
Man denkt oft, das Meer ist ja eine riesengroße Fläche, da kommen die sich nicht in die Quere. Aber wenn man sich die Schiffswege auf einer Seekarte anschaut, sieht das schon ganz anders aus. Die konzentrieren sich nämlich auf ganz bestimmte Zonen in den Meeren. Und in Asien verschärft sich das Problem noch. Der Atlantik zwischen Europa und Amerika ist eine große offene Wasserfläche. Im asiatisch-pazifischen Raum, haben wir viele Inseln und Meeresstraßen, wo die Dichte an Schiffen heute schon sehr große ist. Je mehr Schiffe dort unterwegs sind, desto mehr wäre die Manövrierfähigkeit der Schiffe eingeschränkt. Jetzt nur mal angenommen, es entstünde eine Situation, ein autonomes Schiff meint, dort ein gegnerisches Objekt angreifen müssen. Dann besteht schon die Gefahr, dass ein anderes ziviles Schiff im Weg ist und getroffen wird.

Collin S. L. Koh

Collin S. L. Koh, Nanyang Technological University, Singapur.



Im asiatisch-pazifischen Raum – also im Raum China, Japan, Korea, Taiwan – gibt es eine Reihe latenter Konflikte. Wie wird diese technische Entwicklung sich auf diese Konflikte auswirken?
Hier müsste man erst mal klären: Wie viele dieser Länder haben wirklich ein Interesse, sich mit solchen Waffen auszurüsten. Es gibt eine Reihe Staaten dort, die schon ihre Schwierigkeiten damit haben, bemannte Systeme aufzubauen. Die Frage wird sein, ob die – in der Regel sehr konservativen Militärchefs dort – überhaupt bereit sind, Kontrolle an unbemannte oder gar autonome Systeme abzugeben.

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