Bitte warten...
Wird unser Essverhalten schon im Mutterleib geprägt?

Vorgeburtliche Prägung des Essverhaltens Mit Heißhunger geboren

Der Stoffwechsel von Schwangeren verändert die Hirnaktivität ihrer ungeborenen Babies. Wie gut unser Gehirn weiß, wann wir genug gegessen haben, wird also schon im Mutterleib geprägt. Das zeigt eine neue Studie der Uni Tübingen.

Unser Gehirn ist nicht nur die zentrale Schaltstelle für unsere Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle, es reguliert auch unseren Stoffwechsel. Zum Beispiel, indem es uns signalisiert ob wir hungrig oder satt sind. Volkskrankheiten wie Übergewicht und Diabetes beginnen damit sozusagen im Kopf.

Eine Entwicklung die ihren Ursprung möglicherweise wiederum im Bauch hat – und zwar im Babybauch. Wissenschaftler der Uni Tübingen konnten vor kurzem zeigen, dass der Stoffwechsel von Schwangeren die Hirnaktivität ihrer ungeborenen Babies verändert. Herausgefunden haben sie das mit Hilfe von Magnetenzephalographie, kurz MEG-Messungen.

Magnetfelder zeigen Gehirnaktivität

Franziska Schläger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für fetale Magnetenzephalographie in Tübingen und führt die Messungen der Hirnaktivität von Ungeborenen durch. Hubert Preißl, welcher das Zentrum leitet, erklärt, dass über die MEG die Magnetfelder gemessen werden, die im fetalen, also kindlichen, Gehirn entstehen.

Bauch einer Schwangeren

Wissenschaftler der Uni Tübingen konnten vor kurzem zeigen, dass der Stoffwechsel von Schwangeren die Hirnaktivität ihrer ungeborenen Babies verändert

Mithilfe solcher MEG-Messungen können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachten, wie die Hirnfunktionen des ungeborenen Kindes durch bestimmte Faktoren beeinflusst wird. Katazyna Linder leitet die Studie.

Sie möchte herausfinden ob sich schlechte Ernährungsgewohnheiten schon vor der Geburt bilden. Dazu untersucht sie, ob der Stoffwechsel der Mutter ein Faktor ist, der die Hirnfunktion des Kindes beeinflusst. Dabei interessiert sie sich insbesondere für den Einfluss des Insulins. Dem Hormon, das für unseren Zuckerstoffwechsel verantwortlich ist. Und Wirkung auf den Hypothalamus hat, was wiederum unsere Sättigungs- und Hungergefühle steuern kann.

Insulin und Empfindlichkeit darauf

Ein gesunder Insulinanstieg sorgt dafür, dass nach dem Essen der Zucker aus dem Blut entfernt und in den Zellen unseres Körpers verstoffwechselt wird. Die Hirnleistung steigt dabei kurzzeitig an. Durch eine dauerhafte Ausschüttung von Insulin verlieren Organe und Gehirn aber an Empfindlichkeit. So eine Insulinresistenz kann langfristig zu Übergewicht oder Diabetes führen.

Füße eines kleinen Babys nach der Geburt

Die Ergebnisse der Studie könnten sich langfristig auf Präventionsprogramme gegen Diabetes und Übergewicht auswirken

Für ihre Studie brauchen die Forscherinnen und Forscher viele werdende Mütter. Solche mit normaler Insulinempfindlichkeit und Schwangerschaftsdiabetikerinnen mit starker Insulinresistenz. Der Basis-Insulinspiegel wird bei niedrigem Blutzucker, also nüchtern, durch eine Blutentnahme festgestellt.

Nach der Messung auf nüchternen Magen muss der Blutzucker kontrolliert angekurbelt werden. Dazu darf man ein Glas Glukose-Lösung trinken. Nach einem Stündchen Pause zur Verdauung geht es zur nächsten MEG Messung.

Satt oder hungrig

Die Tonstimulation dient dazu den Einfluss des erhöhten Blutzuckers zu messen. Genau wie bei Erwachsenen erwarten die Wissenschaftler, dass sich auch die Hirnleistung der ungeborenen Kinder nach dem Essen kurzzeitig steigert. Wenn dem so ist, sollte das Gehirn auf die vorgespielten Töne im Vergleich zur ersten Messung etwas schneller reagieren.

Wie erwartet waren die Hirnantworten der Babys mit gesunden Müttern schneller als die der Diabetiker-Kinder. Ein Hinweis darauf, dass diese Babys nicht richtig lernen, satt und hungrig zu unterscheiden. Ergebnisse, die sich langfristig auf Präventionsprogramme gegen Diabetes und Übergewicht auswirken könnten.

Weitere Themen in SWR2