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Hans Jonas und die Ethik der Verantwortung

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Bereits 1979 erschien ein Buch, das Ziele der Fridays for Future-Bewegung vorwegnahm und bis heute hoch aktuell ist: „Das Prinzip Verantwortung“ des Philosophen Hans Jonas. Es ist in den frühen 1980er-Jahren ein Bestseller im deutschsprachigen Raum, dann ein Welterfolg.

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Der Autor trifft einen Nerv der Zeit. Millionen Menschen sind verunsichert durch bedingungslose Hochtechnisierung, atomare Bedrohung, sauren Regen, Waldsterben und Umweltverschmutzung.

Bedrückende Bilder zeigen im Sommer 1973 den Kohlenebel über dem Ruhrgebiet (Foto: Imago, imago images / Klaus Rose)
Bedrückende Bilder zeigen im Sommer 1973 den Kohlenebel über dem Ruhrgebiet Imago imago images / Klaus Rose

Kritik an Technik und Wirtschaft: Ausbeutung von Ressourcen

Hans Jonas kritisiert Wissenschaft, Technik und Industrie, die für vermeintlichen Fortschritt die Biosphäre zerstören. Und er attackiert die Wirtschaft, die Konsumträume weckt und dabei abkassiert. Würden die Ressourcen der Erde weiter so rücksichtslos ausgebeutet und die Natur zerstört, stehe die Zukunft der gesamten Menschheit auf dem Spiel. Darum müsse man nicht nur für das Hier und Jetzt Verantwortung übernehmen, sondern auch für die Zukunft.

Abgestorbene Wälder geben sowohl in den 1980ern als auch heute Anlass zur Sorge (Foto: Imago, imago stock&people)
Abgestorbene Wälder geben sowohl in den 1980ern als auch heute Anlass zur Sorge Imago imago stock&people

Hans Jonas wird als junger Mann Zionist und emigriert 1933

Hans Jonas wird 1903 in Mönchengladbach geboren und wächst in einer jüdischen Industriellenfamilie auf. Als junger Mann kritisiere er ihre Assimilation. Angesichts des wachsenden deutschen Antisemitismus um 1920 solle man sein Judentum öffentlich leben. Mit 18 wird er Zionist und wirbt für die Gründung eines Staates Israel auf palästinensischem Gebiet.

Jonas studiert unter anderem in Freiburg und Marburg Philosophie. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, emigriert er nach London und siedelt zwei Jahre später nach Palästina über. Eher ungewöhnlich für einen Philosophen dient er ab 1940 freiwillig als Soldat in der britischen Armee. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterrichtet Jonas Philosophie in Kanada und wird 1955 Professor in New York.

"Das Prinzip Verantwortung" revolutioniert die philosophische Ethik

Mit seinem Buch „Das Prinzip Verantwortung“ revolutioniert Jonas die philosophische Ethik in mehrfacher Hinsicht. Jahrhundertelang hatten naturwissenschaftliche Erkenntnisse kaum Bedeutung – für Jonas schon, weil man die moderne Welt sonst nicht verstehen könne. Er verfolgt wissenschaftliche Studien über verschiedenste Arten von Umweltzerstörung und erkennt, dass die Einzelbefunde zusammenhängen – mit der Folge, dass das globale Ökosystem sich dramatisch verändert.

Jonas fragt, ob wir nicht vom Ideal des permanenten Wachstums abrücken und bescheidener werden müssen – eine Überlegung, die auch in aktuellen Bewegungen wie Fridays for Future wieder diskutiert wird (Foto: Imago,  imago images/ZUMA Press)
Jonas fragt, ob wir nicht vom Ideal des permanenten Wachstums abrücken und bescheidener werden müssen – eine Überlegung, die auch in aktuellen Bewegungen wie Fridays for Future wieder diskutiert wird Imago imago images/ZUMA Press

Hans Jonas denkt zeitlich und räumlich weit voraus

Zuvor zielte Ethik auf die Handlungen zwischen Einzelpersonen ab, deren Folgen gleich oder in naher Zukunft sichtbar würden. Für Jonas muss Ethik nun auch kollektives Handeln bedenken, dessen Folgen vielleicht erst in ferner Zukunft spürbar werden. Dabei denkt er nicht nur in Jahren oder Jahrzehnten, sondern in viel längeren Zeiträumen. Was man heute tue, könne erst in hundert oder mehr Jahren Konsequenzen haben. Auch räumlich denkt er über die bisherige Ethik hinaus. So belaste etwa der viel zu hohe CO2-Ausstoß reicher westlicher Länder künftig auch Menschen der sogenannten „Dritten Welt“.

Der CO2-Ausstoß, der über Industrieanlagen, Verkehr und Haushaltsgeräte zur Verschmutzung der Umwelt beiträgt, ist ein Beispiel für kollektives Handeln. (Foto: Imago, imago/Seeliger)
Der CO2-Ausstoß, der über Industrieanlagen, Verkehr und Haushaltsgeräte zur Verschmutzung der Umwelt beiträgt, ist ein Beispiel für kollektives Handeln Imago imago/Seeliger

Furcht kann nach Jonas Erkenntnis und Handeln in Gang setzen

Jonas appelliert als Philosoph natürlich an die Vernunft der Menschen, doch überraschenderweise auch an ihre Furcht. Gäbe es gute und schlechte Prognosen für die Menschheit, entscheide er sich immer für die schlechten, denn Furcht könne Erkenntnis und Handeln in Gang setzen. Er formuliert eine allgemeine Losung, die an den berühmten „kategorischen Imperativ“ des Philosophen Immanuel Kant erinnert:

„Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden. Oder negativ ausgedrückt: Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung nicht zerstörerisch sind für die künftige Möglichkeit solchen Lebens.“

Ehrung und Wirken von Hans Jonas

Mit 84 Jahren erhält Hans Jonas den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In einem Interview betont er, dass die Probleme, die er im Buch zeige, noch lange nicht gelöst seien. Er habe sie theoretisch dargestellt, doch jetzt gehe es darum, sie praktisch anzugehen.

Hans Jonas stirbt am 5. Februar 1993 in New York. Seine Gedanken aus „Das Prinzip Verantwortung“ werden heute vor allem von der Klimaethik aufgenommen.

Zu seinem 100. Geburtstag wurde Hans Jonas 2003 mit einer Sondermarke der Deutschen Post geehrt. (Foto: Imago, imago/Schöning)
Zu seinem 100. Geburtstag wurde Hans Jonas 2003 mit einer Sondermarke der Deutschen Post geehrt. Imago imago/Schöning

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