Bitte warten...

Aus Stroh mach‘ Gold! Grüne Kohle in fünf Stunden

Das Material Kohle entsteht in einem Prozess von Millionen Jahren. Das ist das Gesetz der Natur. Nun heißt es, Naturgesetze können wir als Menschen nicht aushebeln. Es scheint aber doch zu gehen. Die Stadtwerke Halle gewinnen seit diesem Montag so genannte "Grüne Kohle" und zwar in wenigen Stunden. Pflanzen, die noch im Frühjahr auf den Feldern standen, werden dafür genutzt. Und das Beste: Der Brennwert dieser Kohle soll so gut sein, wie der von Braunkohle.

Totale eines Steinkohlen-Tagebaus in Kolumbien

Steinkohlenmine

Diese Wundertechnik ist eigentlich schon über 100 Jahre alt. Der Chemiker und Nobelpreisträger Friedrich Bergius entwickelte sie und veröffentliche 1913 ein Buch darüber. Damals interessierte es allerdings keinen. Hydrotermale Carbonisierung, heißt das Verfahren, kurz HTC.

Ernergierevolution

Strohballen

Hochwertige Brennstoffe aus Bioabfällen

Heute wird Biomasse zerkleinert, mit heißem Wasser vermischt, unter Druck auf 200 Grad erwärmt, so dass das Wasser flüssig bleibt. Und über einen Zeitraum von drei bis sechs Stunden wird dieses Gemisch in Kohleschlamm umgewandelt, aus dem dann das Wasser gefiltert wird.

Das Resultat ist trockene Kohle mit einem Brennwert wie Braunkohle. Nicht in mehreren Millionen Jahren ist sie entstanden, sondern in fünf bis sechs Stunden. Die Stadtwerke Halle sind von der Technik überzeugt und kauften eine Pilotanlage für 800 000 Euro. 40% davon zahlte der Bund.

Der Schnellkochtopf für Abfälle

Energiewende

Zeit für die Energiewende

Auf dem Gelände der Abfallwirtschaft in Halle in Sachsen Anhalt schaltet der sächsische Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Hermann Onko Aeikens, die Anlage ein. Dafür dreht er einen dicken roten Schalter. Hier würden endlich Kreisläufe geschlossen, sagt der Minister. Was im Frühjahr auf dem Feld gewachsen, ist ein halbes Jahr später schon Kohle. Aikens nennt es eine bahnbrechende Technik.

Abenteuer Pfälzer Höhenweg

Bergwerke bleiben den Touristen

Diese wird nun in den nächsten Monaten erprobt werden, um später zertifiziert werden zu können. Ein bis zwei Jahre könnten bis dahin noch vergehen, sagen Wissenschaftler vom deutschen Biomasseforschungszentrum, die das Projekt begleiten. Denn es gibt noch offene Fragen. Zum Beispiel welche Schadstoffe bei der Verbrennung emittieren. Und ob möglicherweise neue Gifte entstehen könnten oder nicht.

Von der Pflanze zur Kohle in einem Tag

Die Kohle sieht optisch dem sehr ähnlich, was man ins Verfahren eingebracht hat. Holzartige Produkte ergeben hinterher eine Holzstruktur. Werden Gräser verarbeitet, hat die Kohle danach eine Grasstruktur. Wie sie beim Kunden dann ankommt, ist offen. Pellets sind möglich oder auch Briketts.

Weitere Themen in SWR2