"Monsanto ist mitverantwortlich" Das schlechte Image der Gentechnik

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Bayer übernimmt nun Monsanto für 66 Milliarden Dollar. Damit stellen sich auch Fragen zur Zukunft der Grünen Gentechnik. Ihr Image ist maßgeblich vom "Modell Monsanto" geprägt. Doch es könnte ein Auslaufmodell sein. Umweltschützer befürchten, dass damit eine Landwirtschaft gestärkt wird, die auf Gentechnik und Pestizide setzt. Doch es könnte auch anders kommen.

Rückblick: Vor zwanzig Jahren wurden in den USA die ersten gentechnisch veränderten Sojabohnen angepflanzt. Bald folgten Mais, Raps und Baumwolle. Den Markt der Grünen Gentechnik dominieren Pflanzen, die genetisch resistent gemacht werden gegen Glyphosat. Das Herbizid kann dann gespritzt werden, ohne dass es der Kulturpflanze schadet. Monsanto vertreibt das Saatgut gleich im Paket mit den dazugehörigen Herbiziden. Dieses Modell beherrscht inzwischen fast die komplette Mais- und Sojaproduktion in Nord- und Südamerika. Die Folgen sind bekannt: Riesige Monokulturen, ökologische Einöde, viel Glyphosat.

Gentechnik steigert Erträge

Neben der Herbizidtoleranz statten Gentechniker Pflanzen inzwischen auch zunehmend mit einer anderen Eigenschaft aus: Sie machen sie mit Hilfe eines Bakteriengens resistent gegen bestimmte Schadinsekten wie den Maiszünsler. Diese Pflanzen, vor allem der "Bt-Mais" und die "Bt-Baumwolle", sind also mit einer eigenen Abwehr ausgestattet. Sie benötigen somit – anders als die herbizidresistente Soja - weniger Pestizide. Auch hier handelt es sich um Monsanto-Produkte. Bt-Baumwolle kommt vor allem in Asien zu Einsatz. Nach den Untersuchungen des Göttinger Agrarökonomen Matin Qaim hilft sie tatsächlich, die Erträge zu steigern und Insektengifte zu reduzieren. Auch diese Entwicklung könnte Bayer veranlasst haben, Monsanto kaufen zu wollen: "Als Pflanzenschutzmittelhersteller erkennt Bayer, dass sich der Markt für seine Produkte eher verkleinern wird. Auch deshalb will Bayer in Biotechnologie investieren."

Doch wird sich die Grüne Gentechnik wirklich wandeln? Heike Moldenhauer vom BUND ist skeptisch: "So wie die Gentechnik ist, kann sie nicht mehr Herbizidresistenz und Insektenresistenz. Da ist seit zwanzig Jahren nichts Neues nachgekommen." Gentechnik sei eben komplizierter als gedacht. Matin Qaim widerspricht: Die Entwicklung von Pflanzen mit ganz anderen Merkmalen sei weit fortgeschritten: höhere Stickstoffeffizienz, Trockentoleranz, Hitzetoleranz. "Die Pflanzen sind noch nicht marktreif, sie könnten gerade für Afrika interessant sein.

Monsanto - die Cash cow?

FAZ-Redakteur Jan Grossarth wiederum weist auf die aktuelle Revolution in der Gentechnik hin: Neue Methoden wie Crispr/Cas erlauben genetische Eingriffe, die wesentlich präziser und billiger sind als das herkömmliche Einschleusen fremder Bakteriengene in das Erbgut einer Pflanze. Schon dadurch sei die Gentechnik im Stile Monsantos ein Auslaufmodell. "Völlig neue Spieler gehen in diese Märkte: Google investiert, die Bill-Gates-Stiftung gibt Geld, Start-Up-Unternehmen werden hier aktiv", meint Grossarth. Monsanto erscheine vor diesem Hintergrund als "Cash cow, die ihre besten Zeiten hinter sich hat."

Monsanto auch dürfte dazu beigetragen haben, dass die Europäischen Verbraucher die Grüne Gentechnik mehrheitlich ablehnen. Moldenhauer räumt ein, dass die Firma für Gentechnik-Kritiker ein dankbarer Gegner ist. Sie berichtet von einem Erlebnis Anfang des Jahres: Eine Anhörung im niedersächsischen Landtag zum Thema Glyphosat. Erst habe der Monsanto-Vertreter statt auf Fragen zu antworten, nur eine Verlautbarung verlesen. Auf die anschließende Frage, warum Monsanto seine eigenen Risiko-Studien zu Glyphosat nicht zur Verfügung stelle, habe der Monsanto-Vertreter dies mit "Geschäftsgeheimnissen" begründet. "Am Ende hat es Monsanto wirklich geschafft, auch noch die letzten Wohlwollenden gegen sich aufzubringen – in dem Fall die Vertreter von CDU und FDP."

Das Image der Grünen Gentechnik leide auch darunter, dass viele Gentechnik mit Monsanto gleichsetzen, meint Matin Qaim: "Mit Sicherheit wäre die Diskussion um die Gentechnik in Europa anders verlaufen, wenn sie nicht von Monsanto bestimmt gewesen wäre."

"Wir brauchen eine Reform des Patentrechtes"

Und dann sind da noch die Patente: Anders als alte Landsorten, die jeder Bauer nachzüchten kann, gelten gentechnisch veränderte Pflanzen als geistiges Eigentum des Entwicklers. Auf diese Weise hat Monsanto den Markt erobert - und die Prozesse gegen Landwirte aufgrund von Patentverletzungen gingen durch die Presse. Qaim jedoch ist davon überzeugt, dass das Patentrecht zwar Monsanto genützt habe – nicht jedoch der Gentechnik insgesamt.

"Wir brauchen eine Reform des Patentrechtes. Das ist auf die Spitze getrieben worden. Unsere Forschungsergebnisse belegen, dass das Patentrecht dazu beigetragen hat, dass wir jetzt diese Art von Fusionen und Marktkonzentrationen haben. Es kann auch eine Gentechnik ohne Patente geben. Dann werden wir aber sehr viel mehr in diese Techniken öffentliche Mittel investieren müssen."

Große Konzerne wie Monsanto entwickeln Saatgut, das viel Geld bringt – nicht jedoch Technologien für kleinere Märkte. Kulturpflanzen, die weniger verbreitet sind als Soja und Mais, rechnen sich nicht. Rückblickend könnte man die Entwicklung also so beschreiben: Amerikanische Soja-Monokulturen und ein unsympathisch-aggressiver Konzern haben es Umweltorganisationen leicht gemacht, gegen die Gentechnik zu mobilisieren. Der Widerstand in der Politik ist nun so groß, dass kein kleineres Unternehmen mehr das Risiko eingeht, in gentechnische Züchtung zu investieren. "Nicht auf Grund der Forschungs- und Entwicklungskosten, sondern auf Grund der Zulassungsverfahren die unglaublich teuer und unsicher sind", sagt Qaim.

Diese gesamte Entwicklung hat somit dazu geführt, dass nur noch Milliardenkonzerne wie Monsanto diese Kosten tragen können. In gewisser Weise – auch das bleibt als Fazit der Sendung – haben die Gentechnik-Gegner Monsanto also erst stark gemacht. Und damit auch deren Modell von Gentechnik.

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