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Smartphone-Doktor Was taugen Gesundheits-Apps ?

Wer will schon gleich zum Arzt rennen, wenn mal der Rücken zwickt oder der Magen grummelt? Rat und Hilfe bekommt man ja auch im Internet – oder per Smartphone-App. Puls messen, einen Hörtest machen, Tipps bei Allergien, Hilfe bei Vergiftungen oder Erster Hilfe – für alles gibt es die passenden Apps. Manche versprechen sogar eine Kurzdiagnose oder wollen beim Fasten helfen. Doch wie seriös sind die Informationen?

Ruhig und gleichmäßig schlägt das Herz von Thomas Besch. Der Pulsmesser zeigt 70 Schläge pro Minute. Nun will der Anästhesist die Messung wiederholen– mittels Mobiltelefon. Der Mediziner hat sich auf sein Smartphone eine App herunter geladen, mit der er den Puls messen kann.

App

"App" bedeutet "Application"

"App" ist die Kurzform des englischen Ausdrucks "Application", zu Deutsch: Anwendung. Apps sind kleine Programme, die genauso funktionieren wie Software auf dem heimischen PC und die nun auch den Gesundheitsmarkt erobern. Sie sollen helfen, gesundheitsbewusst zu leben. Über ihre Nützlichkeit und Zuverlässigkeit lässt sich allerdings streiten, sagt Besch.


Pulsmesser

Pulsmesser

Die Pulsmessung via Smartphone zeigte zum Beispiel mal 40, aber auch mal 120 Schläge pro Minute. Das ist natürlich nicht zu ernsthaften diagnostischen Zwecken zu gebrauchen und eher als Spielzeug zu benutzen. Der Verband der Telekommunikationshersteller, BITKOM, geht von 15.000 Gesundheits-Apps alleine für Deutschland aus.


Unüberschaubarer Markt an Gesundheits-Apps

Sonnenschutz-App

Sonnenschutz-App der AOK

Es gibt Apps für die Fitness, Hörtests oder Erste-Hilfe-Apps. Manche App liefert gleich fertige Diagnosen. Allerdings nicht mit Hilfe eines Tricoders wie in der Fernsehserie "Raumschiff Enterprise". Die Smartphones nutzen dazu die eingebauten Geräte. Die Kamera zum Beispiel wird beim Pulsmessen gebraucht, über das Mikrophon misst der "Dezibelmesser" den Lärmpegel in der Umgebung, erklärt Carsten Wübbold, ein bekennender App- Fan. Die Bedienung ist meist ganz einfach. Der Lärmpegel wird angezeigt und auch aufgezeichnet, d.h. wenn man in einer Fluglärmschneise wohnen würde, könnte man ganz praktisch dokumentieren, wie laut es dort tatsächlich ist.


Tops und Flops

Nichtraucher-App

Nichtraucher-App

Apps, die helfen sollen, endlich Nichtraucher zu werden, sind laut Zeitschrift "Computerbild" nur bedingt empfehlenswert, weil Hinweise auf medikamentöse und psychologische Hilfe, sowie Tipps bei Rückfällen fehlen. Noch härter traf das Urteil der Tester den BE-Rechner, mit dessen Hilfe Diabetiker die so genannten Broteinheiten errechnen sollen. Mangelhaft urteilten die Tester, da diese App viele Fehler enthielt. Für "gut" befunden wurde der "Rücken Profi". Mit dieser App kann man Übungen erlernen, um Kreuzschmerzen zu vermeiden. Die Übungen sind ausführlich und anschaulich erklärt, doch machen muss man sie trotzdem noch selbst. Das übernimmt das Smartphone nicht.

Erste Hilfe-Apps nichts für den Notfall

Erste-Hilfe-App

Erste-Hilfe-App

"Dr. Handy" hat natürlich auch "Erste-Hilfe-Apps". Thomas Besch erklärt, dass die Qualität dieser Apps natürlich sehr unterschiedlich ausfällt. Befindet man sich tatsächlich schon in der Hilfssituation, kann man nicht davon ausgehen, dass man die "Erste- Hilfe- App" aufrufen kann, um dann schnell durch das Problem geleitet zu werden und die Lösung zu finden. Eine App von einer Hilfsorganisation beispielsweise ist im Prinzip eine Art kurz gefasstes Lehrbuch. Das kann man sich vielleicht abends zu Hause durchlesen aber lernen muss man die einzelnen Schritte in der Praxis. Denn in einer Stresssituation wird man sich nicht durch so eine App klicken und mehrere Kapitel lesen.


App-gestützte Medizingeräte bringen Vorteile

Kind

Messwerte auf dem Smartphone

Seit 2011 sind in Deutschland so genannte App-gestützte Medizingeräte auf dem Markt, derzeit allerdings nur für iPhones. Aktuell gibt es Messgeräte für Blutzucker, Blutdruck oder Temperatur, die an das Handy angeschlossen werden können. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest hat gezeigt, dass die Messwerte so zuverlässig sind wie bei herkömmlichen Geräten.


Arzt

Den Arzt kann keine App ersetzen

Carsten Wübbold sieht einige Vorteile bei App - gestützten Medizingeräten. Werden die Daten vom Smartphone aufgenommen und dokumentiert, können sie später vom behandelnden Arzt ausgelesen werden und man kann den Verlauf von zum Beispiel Blutzuckerwerten oder Blutdruck mit dem Arzt besprechen. Ganz ohne Fachmann kommt man dabei natürlich nicht aus. Aber es ist sehr praktisch, dass die gesamte Dokumentation komplett über das Smartphone ablaufen kann.

Vorsicht Kostenfalle

App-Store

Augen auf im App-Store

Apps findet man sorgfältig nach Rubriken sortiert in App-Stores. Dort findet man auch umfangreiche Zusatzprogramme und Zusatzgeräte. Eine Kostenfalle. Viele dieser Apps sind erst mal kostenlos zum Runterladen. Führen aber dazu, dass später kostenpflichtige Add-Ons geladen werden. Möglicherweise hat man nicht immer den Überblick darüber. Man sollte die Angebote vorher genau Prüfen und eventuell Zusatzinformationen einholen.


Vorsicht Datenklau

Datenschutz

Keine hundertprozentige Datensicherheit

Vorsicht sollten Nutzer auch walten lassen, wenn in einer App persönliche Daten abgefragt werden. Hundertprozentige Datensicherheit gibt es genauso wenig wie im Internet. Thomas Besch rät daher zur Vorsicht. Denn wie bei allen Apps ist die Datenverbindung sehr häufig nicht nur in eine Richtung, sondern auch in die andere. Es ist daher gut möglich, dass persönliche Benutzerdaten, die die App manchmal zum richtigen Funktionieren braucht, in die andere Richtung gelenkt werden. Die Privatsphäre ist dann nicht mehr gewährleistet.


Kein Gütesiegel für Gesundheits-Apps

Krankenkassen

Krankenkassen und medizinische Facheinrichtungen

Die Inhalte von Apps müssen bislang nicht zertifiziert werden. Auch Gütesiegel, die von unabhängigen Instituten vergeben werden, gibt es noch nicht. Jeder kann also Apps entwickeln und im Netz anbieten. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, genau zu prüfen, von wem die Angebote stammen und ob die Inhalte fachlich fundiert sind. Am verlässlichsten sind Apps von seriösen Anbietern wie zum Beispiel Krankenkassen, unabhängigen Vereinigungen oder medizinischen Facheinrichtungen.

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