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Ernährung Gesund durch Diät?

Was Kohlenhydrat-, Fett- und Heilfasten bringen

Diäten liegen im Trend. Über 500 verschiedene Varianten gibt es inzwischen – von Blitzdiät, Brigitte-Diät, Fit-For-Fun-Diät, Steinzeit- oder Volumen-Diät, es ist scheinbar für jeden etwas dabei. Aber nicht jede Diät und Fastenkur ist auch gesund für den Körper, Abnehmen schwächt auch das Immunsystem. Experten raten daher, ausreichend Bewegung auf den Speiseplan zu setzen und nur zu essen, wenn man wirklich Hunger hat.

Diätversuch

Diätversuch

Über 60 Prozent der Männer und über 40 Prozent der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Veranlagung zu Adipositas, zur krankhaften Fettsucht nimmt ständig zu. Abgesehen davon, dass das Image von Dicken schlecht ist, kann zu viel Körpergewicht Lebensqualität und Lebensdauer einschränken. Übergewichtige Menschen leben kürzer, denn Adipositas erhöht das Risiko an Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Krebs zu erkranken. Der Grund dafür liegt beim Zellwachstum, der durch Übergewicht mehr angeregt wird.
Vor allem in den USA hat Fettleibigkeit mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen: Jeder dritte Amerikaner gilt als „klinisch fettsüchtig“, weit über die Hälfte der US-Bürger ist übergewichtig.

Diät kommt von (griech.) dίaita und wurde ursprünglich im Sinne von "Lebensweise, Lebensführung" verwendet. Man könnte es als Anstoß verstehen, sich für seine Ernährung selbst verantwortlich zu fühlen, und sich auf eine gesunde Lebensweise zu besinnen.

Problem der Wohlstandsgesellschaft

Übergewicht, Fettleibigkeit, Diabetes Typ 2 sind Probleme der Wohlstandsgesellschaft, erklären Ernährungsexperten. Denn der Mensch sei genetisch sehr gut darauf vorbereitet, Notzeiten zu überstehen, indem er Fettpolster anlegen könne, nicht aber auf die Situation, im Überfluss zu leben. Noch nie zuvor lebte der Großteil der Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg so im Überfluss. Es gibt ein Überangebot an essfertigen Lebensmittel und gesüßten Getränken, das war früher nicht der Fall. Und nun müssen wir einen Weg finden, mit diesem Überfluss umzugehen.

Stress-Esser

Auch Stress kann zu Übergewicht führen. Wer stark belastet ist, wird entweder depressiv oder dick, lautet die jüngste Erkenntnis der Stressforschung.

Übergewicht

Übergewicht durch Stress?

In der Auswertung von 10.000 fachübergreifenden Studien hat man festgestellt, dass der Mensch bei Stress zwei Muster parat hält: Typ A läuft innerlich zu Hochtouren auf, isst eher zu wenig, reagiert auf Misserfolge aber deprimiert, Typ B dämpft die Stresssignale mit viel Kalorienzufuhr, bleibt eher gelassen, wird aber dick. Unter Stress ist der Körper in ständiger Alarmbereitschaft, die Stresshormone Adrenalin und Kortisol werden verstärkt ins Blut geschüttet. Dies sei neurobiologisch gesteuert und seit grauer Vorzeit festgelegt. Doch im Gegensatz zu unseren Vorfahren, die flohen oder kämpften, könne der moderne „Büro“-Mensch die bereit gestellte Energie nicht nutzen - das bringe den Körper aus dem Konzept.

Die Suche nach der richtigen Diet

Zu den vielen, die abnehmen wollen, kommen immer mehr, die eine passende Diät suchen, um entweder ihre Gesundheit zu erhalten, oder eine Krankheit zu bekämpfen. Der Markt von Ernährungs-Ratgebern boomt, etwa 500 Diät-Varianten gibt es inzwischen.

Welche Diät ist die richtige?

Welche Diät ist die richtige?

Doch egal ob Blitzdiät, Brigitte-Diät, Fit-For-Fun- Diät, Steinzeit- oder Volumen- Diät, sie funktionieren allesamt nach dem gleichen Prinzip:

Man muss weniger Kalorien zuführen als der Körper braucht, dann wird der Körper von seinen Reserven, die als Energie in den Fettzellen gelagert sind, zehren. Man baut also Fett ab, nimmt ab, bis zu einem gewissen Punkt. Doch dann sendet der Körper Signale aus, die uns dazu bringen sollen Nahrung aufzunehmen, um nicht zu verhungern. Wegen diesem Schutzmechanismus fangen die Leute dann wieder an mehr zu essen. Und das ist bei keiner Diät anders.

Trennkost

Manche Diätprogramme erklären bestimmte Nahrungsmittel als besonders gesundheitsfördernd oder aber krankmachend. Zu viel Fleisch, Fisch, Eier und Käse würde den Körper übersäuern und krank machen, heißt es beispielsweise nach der Hay’schen Trennkost, die der New Yorker Arzt Howard Hay vor über 100 Jahren entwickelte.

Gibt es gesundheitsfördernde Lebensmittel?

Gibt es gesundheitsfördernde Lebensmittel?

Salate, Gemüse und Obst dagegen seien basenbildend und sollten vorwiegend gegessen werden. Seit Mitte der 1990er Jahre gelten Tomaten, Pilze, Beeren und Brokkoli als Lebensmittel, die vor Krebs schützen. Weil sie Stoffe mit antioxidantischer Wirkung, sog. Radikalenfänger, beinhalten, die Krebszellen absterben lassen - wie Wissenschaftler der Universität Boston herausfanden.

Doch einzelne Nahrungsmittel herauszupicken und zu empfehlen, halten Ernährungsexperten für problematisch. Bei der Gesundheit spielt der ganze Lebensstil eine Rolle, zum einen die Bewegung und zum anderen eine ausgewogene Ernährung, nicht nur Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate, sondern auch Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Und wenn man über eine längere Zeit einen Mangel hat, den man nicht ausgleichen kann, dann ist das möglicherweise der erste Schritt zu einem schlechteren Immunsystem.

Low Fat

„Fett macht fett“, hieß es in den 70er Jahren, „Low Fat“ ,also wenig Fett, lautete die Devise. Dieser Slogan war folgenreich.

Wir essen heute weniger Fett als vor 20, 30 Jahren. Wir haben leider damit keine Kalorien gespart, denn das „Weniger“-Fett wurde kompensiert, und zwar überkompensiert durch Kohlenhydrate, insbesondere an zuckerreichen, nährstoffreichen Produkten, so dass es insgesamt zu einem Mehrkonsum an Kalorien kam.

Butter: Fett macht fett?

Fett macht fett?

Dass fettarme Ernährung nicht vor Herzkrankheiten und Übergewicht schützt, wiesen erstmals vor zehn Jahren Ernährungswissenschaftler der Harvard Universität nach. Eine weitere amerikanische Studie aus dem Jahr 2006 bestätigt dies: 50.000 Frauen, die sich acht Jahre lang vorwiegend fettarm ernährten, hatten danach weder an Gewicht verloren noch einen günstigeren Cholesterinspiegel.

Also die Fettarm-These ging nach hinten los und man kam zur Erkenntnis, dass es nicht am Fett liegen kann, wenn die Leute immer dicker werden, es liegt an den Kohlenhydraten.

Low Carb

Wahre Dickmacher und Krankmacher stecken in Kohlenhydraten, vermutete schon Anfang der 1970er Jahre der amerikanische Herzspezialist Robert Atkins. Er empfahl seinen Patienten, nahezu vollständig auf Kohlenhydrate - also Zucker - zu verzichten. Erst dreißig Jahre später, als die Folgen von Fastfood, dem kohlenhydratreichen Imbiss, unübersehbar waren, wurde das Prinzip der Atkins-Diät wieder aufgegriffen: „Low Carb“- low für „niedrig“ und carb für „Kohlenhydrate“ - ist seither populär.

Bei der Atkins-Diät verzichtet man weitgehend auf Kohlehydrate.

Bei der Atkins-Diät verzichtet man weitgehend auf Kohlehydrate.

Schlanke, sportliche Menschen verbrauchen viele Kohlenhydrate, aber der Großteil der Bevölkerung ist nicht so aktiv. Sobald Kohlenhydrate gegessen werden, gelangt Zucker ins Blut; dann schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus, damit Muskel- und Fettzellen den Zucker aufnehmen und in Energie umwandeln können. Wird der Körper mit Kohlenhydraten versorgt, unterbricht er augenblicklich die Fettverbrennung und stellt auf Kohlenhydratverbrennung um. Was überschüssig ist, wird als Glykogen in Muskeln und Leber gespeichert. Sind die Speicher voll bzw. durch mangelnde körperliche Aktivität nicht ausreichend geleert, dann verwandelt der Stoffwechsel Kohlenhydrate in Fett.

Verschiedene Diätstudien der letzten zehn Jahre weisen nach, dass kohlenhydrat-reduzierte Diäten fettarmen überlegen sind. Mit „Low Carb-Diät“ wiesen Probanden vergleichsweise höhere Werte des sog. „guten“ HDL-Cholesterin auf und hatten einen niedrigeren Blutdruck - beides senkt das Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen. Zudem wird unter „Low Carb“ weniger Muskelmasse abgebaut als bei anderen Diäten.

Heilfasten

Otto Buchinger, Arzt und Anhänger von Naturheilverfahren, veröffentlichte seine Methode des Heilfastens 1935. Dabei gibt es keine feste Kost, sondern ausschließlich flüssige Nahrung: Mineralwasser, Tee, natürliche Fruchtsäfte, Gemüsebrühe. Durch den Verzicht auf feste Nahrung und das viele Trinken wird der Stoffwechsel angeregt, die Fettverbrennung angekurbelt. Darm und Nieren werden zudem durch Glaubersalz dabei unterstützt, den Körper „zu entschlacken“ und „von giftigen Stoffen zu reinigen“.

frischgepresster Karottensaft

frischgepresster Karottensaft

Bei den meisten Fastenteilnehmern purzeln tatsächlich schnell die Pfunde, bis zu 5 Kilo in der ersten Fastenwoche. Trotzdem fühlen sie sich nicht entkräftet oder zu schlapp für körperliche Aktivitäten

Otto Buchinger hat durch mehrmaliges Heilfasten seine Rheumaerkrankung überwunden, so hat er selbst versichert.

Inwieweit Heilfasten bei bestimmten Krankheiten wirklich heilsam ist, sollte im Einzelfall ärztlich abgeklärt werden. Ohne vorherige Überprüfung, ob Herz- und Kreislauf die Belastung verkraften, ist Fasten keinesfalls empfehlenswert, warnen Experten.

Entschlacken

Zudem bezweifeln Ernährungsmediziner, dass Fasten den Körper entgiftet und von sogenannten „Schlacken“ befreit. Der Körper kann eigentlich sowohl durch den Darm als auch durch die Nieren Schadstoffe gut ausscheiden. Dadurch kann sich der Körper in Anführungszeichen - „selbst entschlacken“, wenn dort vermehrt irgendwelche Säuren oder Basen drin sind.

Säure-Basen-Fasten

Auch eine andere Form des Fastens, das sogenannte Säure-Basen-Fasten, wird kontrovers diskutiert. Anhänger der Theorie gehen davon aus, dass ungesunde Lebensweise den Körper übersäuert. Da Körperzellen vorwiegend basisches Milieu brauchen, verursache Übersäuerung z. B. Infektionen, Allergien, Asthma oder Durchblutungsstörungen.

Verzicht auf Süßigkeiten

Verzicht auf Süßigkeiten

Auf säurebildende Nahrungsmittel wie Kaffee, Alkohol, Fleisch, Hartkäse und Süßigkeiten sollte man daher verzichten - raten auch Alternativmediziner. Sie empfehlen zusätzliche basische oder mineralhaltige Präparate für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt.

Schulmediziner halten die Thesen von der Übersäuerung für unseriös. Zum einen, weil es keine wissenschaftlichen Belege dafür gebe, zum anderen, weil das Körper-eigene Puffersystem Übersäuerung verhindere. Eine Übersäurerung des ganzen Körpers wäre lebensbedrohlich. Ein normaler Organismus kann das ausgleichen.

Überschüssige Säuren - meist Kohlensäure - werden an sogenannte Bicarbonate, säurebindende Ionen, gebunden und über die Nieren und die Lunge ausgeschieden. Insofern reguliert der Körper das Säure-Basen-Verhältnis von selbst. Dies lässt sich im Blut an ph-Werten abmessen. Normalerweise liegt der ph-Bereich zwischen 7,37 und 7,45. Nur bei ernsthaften Krankheiten funktioniert diese Selbstregulation nicht, argumentieren Schulmediziner, daher sei Säure-Basen-Fasten überflüssig.

Fasten gegen Krebs

Versuche mit Mäusen

Versuche mit Mäusen

Auch „Fasten gegen Krebs“ ist umstritten. Bei krebskranken Mäusen, die kurz vor und während der Chemotherapie gefastet hatten, konnten amerikanische Krebsforscher der Universität Los Angeles eine positive Wirkung nachweisen: der Krebs streute nur bei 10 Prozent; im Vergleich zu 40 Prozent bei Versuchstieren, die nicht gefastet hatten. Gesunde Zellen können sich besser auf Nährstoffmangel einstellen als Krebszellen, die dann zugrunde gehen, vermuten die Forscher.

Ob dieses Prinzip auch bei Krebspatienten funktioniert ist noch ungewiss.

Um herauszufinden, ob wenige Fastentage bei Chemotherapie einen medizinischen Fortschritt bedeuten, werden zurzeit in Amerika und in Holland große klinische Studien durchgeführt. Bereits 2009 hat eine Fallstudie mit 10 Patienten an der Universität von Südkalifornien gezeigt, dass durch ein- bis dreitägiges Fasten die Chemotherapie besser vertragen wurde und besser wirkte.

Doch auch das Gegenteil von Fasten, nämlich viel Fett aufzunehmen, sogenannte „ketogene“ Kost, soll bei Krebs helfen.

Es gibt weltweit Studien, die zeigen, dass Tumore kein Fett mögen, und dass dementsprechend die Haupternährung des Tumorpatienten aus Fett bestehen sollte, und keine Kohlenhydrate sein sollte. Ketogene Diäten haben in Einzelfällen gezeigt, dass der Tumor nicht weiter wuchs bzw. sogar zurückging. Bis jetzt sind das nur Mausmodelle oder ganz einzelne Patienten, die zeigen, dass die ketogene Diät Erfolg hat.

Übergewicht erhöht das Risiko an Krebs zu erkranken.

Übergewicht erhöht das Krebsrisiko.

Die Studienergebnisse zum Zusammenhang von Ernährung und Krebs bzw. Krebstherapie erwarten viele Mediziner mit Spannung. Belegt ist inzwischen, dass Übergewicht das Risiko an Krebs zu erkranken deutlich steigert: vor allem an Nierenkrebs, Darmkrebs, Brustkrebs nach den Wechseljahren sowie Krebs der Speiseröhre und der Gebärmutterschleimhaut - so veröffentlichte das Deutsche Krebsforschungszentrum erst vor wenigen Monaten.

Kalorien und Sport

Mediziner, Ernährungs- und Sportwissenschaftler, die rund um Gesundheit und gesunde Ernährung forschen, kommen seit neuestem zu der Erkenntnis: Wer ein gesundes Gewicht haben und halten möchte, muss dafür sorgen, dass er satt ist.

Es ist wichtig, dass man den Kalorienbedarf, den der Grundumsatz des Körpers hat, gedeckt ist. Der Grundumsatz ist jene Größe, die dazu dient, unsere lebenswichtigen vitalen Funktionen zu erhalten: Dass wir denken können, dass wir atmen können, dass die Leber funktioniert, dass das Herz schlägt. Dieser macht 60 bis 70 Prozent unseres ganzen Energiebedarfs aus. Hab ich also einen Gesamtbedarf von 2000 Kilokalorien, dann brauche ich 1200 bis 1500 Kilokalorien nur dafür, dass ich meine vitalen Funktionen aufrecht erhalten kann.

Um gesund zu bleiben muss man sich auch bewegen.

Um gesund zu bleiben muss man sich auch bewegen.

Um langfristig etwas für die Gesundheit zu tun, reicht es nicht, nur Kalorien zu zählen, so der Kölner Sportwissenschaftler Prof. Ingo Froböse. Man muss vor allem Energie verbrennen. Mangel an Bewegung führt dazu, dass zu viel Fett angesetzt wird, was den Körper gesundheitlich belastet. Von der Veranlagung her lebt der Mensch immer noch ein bisschen in der Steinzeit, mit dem Unterschied, dass unsere Vorfahren etwa 35 Kilometer pro Tag gegangen sind, und dabei 4000 bis 5000 Kilokalorien verbrannt haben. Weil unsere Gene dem heutigen bequemen Lebensstil nicht angepasst sind, müssen wir das mit Sport und viel Bewegung ausgleichen:

Trainingsstätte Treppenhaus, Weg zur Arbeit, früher eine Station im Bus aussteigen - das sind Bewegungsportionen, die man sich holen muss, denn der Stoffwechsel wird dann aktiv, wenn er immer beansprucht wird und nicht nur durch die abendliche Sportstunde.

Resümee

Wer sich einer Diät unterziehen will, egal ob sie ärztlich begleitet oder im Alleingang, sollte dies gewissenhaft tun, und im Zweifelsfall einen Arzt befragen, ob eine Diät für ihn tatsächlich ratsam ist. Denn das bedeutet immer Kalorienreduktion, gedrosselte Energiezufuhr, und damit Stress für den Körper.

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