Gesellschaftliche Erwartungen an die Geschlechter haben Macht (Foto: (privat) Katharina Schwarz -)

Männer am Herd, Frauen im Job? Geschlechterrollen und -Konflikte der Moderne

SWR2 Wissen: Aula. Mit Cornelia Koppetsch

Keine Frage: Männer- und Frauenrollen haben sich verändert: Frauen stehen ihren Mann im Job, Männer bleiben zu Hause und machen Elternzeit. Doch innerhalb der Familie klappt der Rollentausch oft nicht.

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Die Aula auf einen Blick

Die Soziologin Koppetsch hat untersucht, wie drei Milieus mit bestimmten Werten und Einstellungen und mit einem Rollenwechsel umgehen:

  • Das individualisierte moderne Milieu (Akademiker in Großstädten);
  • das traditionale Milieu (Arbeiter- und Handwerker in ländlichen Regionen);
  • das familistische Milieu (Familien in mittelgroßen Städten).

Man sollte meinen, dass gerade das moderne Milieu offen mit einem Rollentausch umgeht. Doch weit gefehlt: Die Paare erliegen einer sogenannten Gleichheitsillusion. Ihnen ist es wichtig, dass beide sich selbst verwirklichen können. Deshalb behaupten sie zwar, ihre Partnerschaft beruhe auf Gleichberechtigung. In Wirklichkeit leben sie jedoch gemäß traditionellen Rollenklischees: Auch wenn die Frau die Hauptverdienerin und der Mann zu Hause ist oder einen Halbtagsjob hat, trägt die Frau immer noch die Verantwortung für die Haushaltsführung. Das ist ungerecht, wird aber von beiden geschickt kaschiert, um den Anspruch der Gleichberechtigung aufrecht erhalten zu können.

Das traditionale und auch das familistische Milieu gehen hingegen sehr pragmatisch und entspannt mit einem Rollenwechsel um. Wenn die Frau allein das Geld verdient, ist das kein Problem. Der Grund ist, dass dieses Milieus die Werte der Familie höher schätzt als den beruflichen Erfolg, Karriere ist zweitrangig, Selbstverwirklichung zählt schon gar nicht, sondern es geht um die Gemeinschaft. Für die macht man alles.

Es gibt eine starke Differenz in Deutschland zwischen öffentlich und privat. In Politik, Öffentlichkeit und Beruf finden tatsächlich Modernisierungsentwicklungen statt, da kommt es zu einer Angleichung der Geschlechtsrollen. Aber im privaten Bereich bleiben viele Paare und Milieus den alten Rollen verhaftet. Die Rollen sind zwar rhetorisch aufgebrochen worden, Gleichheitsansprüche existieren zwar in Bezug auf die Leitbilder und Werte, aber in der Praxis haben sie sich nicht durchgesetzt.

Das vollständige Manuskript finden Sie hier

Cornelia Koppetsch ist Soziologin und hat eine Professur für Geschlechterverhältnisse, Bildung und Lebensführung an der TU Darmstadt

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