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Geschichtsvermittlung in Computerspielen

Historisch korrekt? Geschichte im Computerspiel

Viele Computerspiele an historischen Schauplätzen beeindrucken durch eine ungeheuer detailreiche Rekonstruktion in ihren Bildern. Doch passen Story und Historie zusammen? Wie stimmig ist das Geschichtsbild, das Computerspiele vermitteln?

Seit 2007 meucheln sich die Spieler der Videospiel-Reihe Assassin’s Creed durch die Jahrhunderte. Jedes Jahr kommt mindestens einer dieser Blockbuster-Titel aus dem Hause Ubisoft auf den Markt und entführt die Spieler in historische Szenarien, um dort eine Geschichte zu erleben, die − mal mehr, mal weniger gelungen − in die Grauzonen der Geschichtsschreibung eingepasst ist. Vor einem Jahr war das Paris der französischen Revolution der Ort, an dem man in Geschichte eintauchen und vielen historischen Figuren begegnen konnte.

Didaktik oder Kommerz

Geschichtsvermittlung in Computerspielen

Die Figuren aus den Computerspielen "Assassin's Creed" und "Haze" laufen über die Computermesse Games Convention in Leipzig.


In die Nachbildung der historischen Spielorte fließt große geschichtswissenschaftliche Sorgfalt ein, allerdings darf man nicht vergessen: Hier sollen populäre Unterhaltungsmedien entstehen; das Spiel soll sich verkaufen. Der didaktische Anspruch – falls es einen gibt − steht hinter dem kommerziellen zurück.

Tatsächlich gibt es aus Sicht der Geschichtswissenschaft durchaus Kritikpunkte an den Assassin’s Creed-Spielen. Professor David Andress von der Portsmouth University in England war zwar auch begeistert von der Akkuratesse, mit der Paris rekonstruiert ist, bemängelt aber andere Punkte, wie z.B. den Straßenverkehr.

Der ist im Paris aus Assassin’s Creed viel zu harmlos dargestellt, denn es sind ausschließlich Fußgänger auf den Straßen zu sehen. Denn während des ganzen 18. Jahrhunderts beklagten sich die Menschen beständig, dass Kutschen ohne Rücksicht auf Passanten durch die Straßen fuhren. Die Polizeiberichte während der Revolution waren voll mit Anzeigen gegen die Fahrer mit Peitschen.

Über das Spiel hinaus

Aus Sicht der Spieldesigner ist verständlich, warum man diesen Verkehr im Spiel vermeiden wollte: Der Kampf durch die Straßen hätte es für Spieler sehr viel schwerer gemacht, dem eigentlichen Meuchelmörder-Auftrag zu folgen.

Szene aus das Spiel Assassin's Creed

Aus der Sicht der Geschichtswissenschaft erntet das Spiel Assassin's Creed durchaus Kritikpunkte

Professorin Angela Schwarz von der Uni Siegen widmet sich seit Jahren der Frage, wie Geschichtsvermittlung durch Spiele funktioniert, was sie transportiert und wie man sie nutzen kann. Denn die Geschichtsbilder vieler junger Menschen heutzutage sind geprägt von solchen Spielen, ob die Geschichtslehre diese nun gut findet oder nicht.

Sie interessiert, ob bei historischen Spielen die Neugier geweckt wird, um über das Spiel hinaus mehr über den tatsächlichen geschichtlichen Hintegrund zu erfahren. Ob und wann dieser Impuls bei Spielenden ausgelöst wird, ist schwer zu beantworten, vor allem, da es neben der Historie ja auch noch eine action-lastige Story gibt.

Karl Marx als Hipster

Nun, im Herbst 2015, präsentiert Ubisoft mit "Assassin’s Creed Syndicate" das – wenn man die Ableger nicht mitzählt − neunte Spiel der Reihe. 75 Jahre nach der Französischen Revolution ist man als Assassine diesmal im London der Industriellen Revolution unterwegs.

Geschichtsvermittlung in Computerspielen

Eine Szene des Computerspiels " Assassin's Creed Unity"

Wieder ist viel Sorgfalt in die Rekonstruktion dieser ersten, modernen Metropole der Welt geflossen. Aber wie treffend werden London und die Epoche dargestellt? Professor Robert Whitaker ist als Historiker spezialisiert auf Großbritannien im 19. Jahrhundert. Er konnte das Spiel schon vor der Veröffentlichung testen und die digitalen Persönlichkeiten der Zeit kennen lernen, beispielsweise Charles Dickens, Florence Nightingale, Queen Victoria oder Charles Darwin, dessen Streit mit seinem größten Kritiker, Richard Owen, sehr treffend beschrieben wird.

Aber nicht alle historischen Personen sind so gut getroffen. Die Beschreibung von Karl Marx ist für Whitacker eine Enttäuschung. Laut Spiel beginnt er 1868 “Das Kapital” zu schreiben. Tatsächlich wurde der erste Band 1867 veröffentlich. Und in der spieleigenen Datenbank wird als sein größtes Vermächtnis bezeichnet, dass er Millionen junger Männer heutzutage zu langen Bärten und lifestyle-Kaffee inspirierte. Das Spiel behandelt Karl Marx und sein Erbe herablassend.

Geschichtsvermittlung in Computerspielen

Nicht alle historischen Personen sind gut getroffen, meinen Kritiker

Neue Aussichten

Wieder wird nur die weitergehende Beschäftigung mit dem Thema den interessierten Spielerinnen und Spielern die Ungenauigkeiten offenbaren. Aber wie überzeugt die eigentliche Hauptrolle aller Assassin’s Creed-Spiele, die Stadt?

Neben sehr unterschiedlichen Stadtvierteln Londons glänzen natürlich die berühmten Landmarken, St. Pauls Cathedral, Buckingham Palace, der Big Ben oder das Parlament. Und alle kann man auf typische Assassinen-Art besichtigen: Zum Beispiel kann man auf die Nelson-Säule auf dem Trafalgar Square klettern, und die Aussicht genießen.

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