Entwicklung von Embryonen nach der Injektion eines genkorrigierenden Enzyms zusammen mit dem Sperma eines Spenders mit Genmutation (Foto: SWR, Oregon Health & Science University (OHSU) -)

Gen-Reparatur am Embryo Ein Schritt näher am Designerbaby?

AUTOR/IN

Forscher aus den USA, Südkorea und China haben an der Universität von Oregon erstmals einen Gendefekt bei menschlichen Embryonen im Moment der künstlichen Befruchtung erfolgreich korrigiert. Nach fünf Tagen wurde die Entwicklung der Embryonen gestoppt. Die Ergebnisse sind gerade im Fachblatt "Nature" erschienen.

Die Wissenschaftler haben gespendete Eizellen im Reagenzglas mit dem Samen eines Mannes befruchtet, der an erblicher Herzmuskelschwäche leidet. Die Forscher korrigierten den Gendefekt während der Befruchtung mittels der relativ neuen CRISPR-Methode, auch als "Genome Editing" oder "Genschere" bekannt. Dabei gaben die Forscher bestimmte Proteine zusätzlich in die Petrischale, mit denen sich das Erbgut an genau definierten Stellen verändern lässt.

Absolut verlässlich war das Verfahren jedoch nicht. Von den behandelten 58 Embryonen wiesen lediglich 42 den Gendefekt nicht mehr auf. Das bedeutet: Bei fast jedem dritten Embryo hat die Genkorrektur nicht richtig funktioniert.

Trotzdem gilt die Studie in der Fachwelt als erfolgreich, denn anders als bei früheren Experimenten in China fanden sich nach fünf Tagen keine unerwünschten Veränderungen an anderen Stellen im Erbgut. Allerdings weiß niemand, ob die Embryonen sich auch weiter normal entwickelt hätten.

Das deutsche Embryonenschutzgesetz verbietet derartige Versuche, wenn die Maßnahmen nicht dem Erhalt eines konkreten Embryos dient.

Die Reaktionen auf die Versuche sind gespalten. Der Theologe Prof. Peter Dabrock - er ist auch Vorsitzender des Deutschen Ethikrats - spricht zwar bewusst nicht vom "Designerbaby". Dennoch warnt er: "Nur um die Ersten zu sein – diesmal nicht auf dem Mond, sondern bei der Keimbahn-Manipulation – scheinen Labore nicht mehr nur in China, sondern auch in den USA oder in England keine Grenze mehr zu kennen. Sie scheinen bereit zu sein, schwerste Gesundheitsrisiken für spätere Menschen in Kauf zu nehmen. So etwas wäre unverantwortlich."

Die Medizinethikerin Prof. Dr. Christiane Woopen wird noch deutlicher: „Es geht letztlich um eine Menschheitsfrage. Dies ist ein eindrucksvolles Beispiel für gesellschaftsvergessene Forschung und die Isolation eines Forschungssystems von der Gesellschaft, in die es eigentlich eingebettet ist.“

Der Mannheimer Medizinrechtler Dr. Jochen Taupitz dagegen fordert schon länger eine Liberalisierung der Embryonenforschung in Deutschland: "In einem Diskussionspapier haben wir als eine Gruppe von Wissenschaftlern Anfang dieses Jahres gefordert, dass auch überzählige Embryonen für hochrangige Forschungszwecke verwendet werden dürfen." Für eine gezielte Keimbahn-Veränderung sei es jedoch beim jetzigen Stand zu früh. Die Risiken einer solchen Therapie seien gegenüber denen der Erbkrankheit zu hoch.

AUTOR/IN
STAND