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Moskito

Kampf gegen Malaria und Dengue Was bringen gentechnisch veränderte Insekten?

Manche Mücken oder Moskitos können gefährliche Krankheiten wie Malaria oder das Denguefieber übertragen. Wie kann man dieser kleinen Plagegeister möglichst ohne den Einsatz von Giften Herr werden? Britische Forscher setzen hier auf die Genforschung und manipulieren z.B. Tigermücken so, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen können. Ein riskantes Verfahren, das nach Meinung von Experten auch schnell außer Kontrolle geraten kann.

Dengue

Mittel gegen das tropische Dengue-Fieber?

Programmierte Selbstvernichtung
Sie rotten sich sozusagen selbst aus – die Genmücken. Das Erbgut der Männchen wird so umgebastelt, dass sie nach der Paarung Embryonen mit so etwas wie einem Selbstmord-Gen erzeugen. Der Nachwuchs stirbt schon als Larve.
Die britische Firma Oxitec –Oxford Insect Technologies- hat solche gentechnisch veränderten Insekten im Labor entwickelt. Seit 2009 werden sie schon in Freilandversuchen getestet. Ägyptische Tigermücken entsprechend präpariert wurden damals auf einer der Kaimaninseln in der Karibik ausgesetzt. Es folgten Tests in Malaysia und Brasilien.

Forschung gegen das Tropenfieber

An Malaria erkranktes Kleinkind wird im Hospital behandelt. Kind mit schmerzverzerrter Miene, während es von einer Frau, vielleicht der Mutter, auf dem Behandlungstisch festgehalten wird.

Das tropische Dengue-Fieber ist die häufigste Flavi-Virus-Erkrankung

Tigermücken übertragen das tropische Dengue-Fieber, eine Virusinfektion gegen die es bislang keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Moskitos sorgen für die Ausbreitung von Malaria. Wenn man diese Überträger einfach mit Ihresgleichen – zwar etwas genverändert- aber erfolgreich bekämpfen kann, klingt das verlockend einfach. Weniger Nachwuchs – weniger Fälle von Infektionskrankheiten. Über 85 Prozent wurde die Mückenpopulation im Testgebiet in Brasilien reduziert, so die Firmenangaben.

Die Olivenbauern sind skeptisch
Die britischen Forscher haben noch mehr als nur Moskitos aus dem Labor auf Lager. Schädlinge wie Kohlmotten, Baumwollkapselwürmer zum Beispiel, oder die Olivenfruchtfliege – im wirklichen Leben ein Graus für Olivenbauern, weil die Weibchen ihre Eier in die Früchte ablegen. Prall reife Früchte werden innen zerfressen von den Larven - für den Verkauf unbrauchbar.

Oliven

Die Olivenfruchtfliege kann eine ganze Ernte unbrauchbar machen

Im Laborleben gibt es auch eine männliche Gen-Olivenfliege – die Nachkommen zeugt, von denen die Weibchen schon als Larve sterben. Zielgenaue Schädlingsbekämpfung ohne das mehr und mehr Insektengift verspritzt werden muss. „Besonders umweltfreundlich“ heißt es in der Werbung. Trotzdem haben die Spanier erst mal auf einen Freilandversuch in ihren Olivenhainen verzichtet. Sie wollen erst noch genaueres wissen, wie die Genfliegen zum Beispiel auf Spinnen wirken, von denen sie gerne verspeist werden.

Die Büchse der Pandora

Schwarm

Welchen Einfluss haben Genmücken auf das Ökosystem?

Wie reagieren die Fressfeinde oder das Ökosystem, wenn sich mal eben eine Art selbst vernichtet. Was passiert, wenn Larven von Genmücken in Früchten in die Nahrungskette gelangen? Was, wenn ein Mensch von so einem Genmoskito gestochen wird? In der Labortheorie werden nur die männlichen Mücken gentechnisch verändert. In freier Natur sind es aber nur die Weibchen, die zum Blutsaugen stechen, also kein Problem. Theoretisch, warnen deutsche Wissenschaftler. Denn jenseits der Theorie mogeln sich dann doch noch 0,5 Prozent Weibchen unter die freigelassenen Labormücken und auch die Geburtenkontrolle klappt nicht astrein: 2 bis 4 Prozent der weiblichen Larven überleben.

Biotechnologie außer Kontrolle

Raps

Gen-Raps ist resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel

Das ist nicht hundert Prozent sicher. Und Freilandversuche laufen nicht mit ein paar, sondern gleich mit ein paar Millionen von Genmücken. Bei auch nur ein paar Prozent Unsicherheit halten Experten solche Versuche für zu riskant. Wie will man die Verbreitung von transgenen Insekten noch unter Kontrolle halten? Gen-Raps sollte auch so eine einfache Lösung gegen Schädlinge sein, hier ein Versuchsfeld und da ein Versuchsfeld – inzwischen ist ganz Kanada ein einziges Genrapsfeld, auf dem man gar nicht mehr versuchen muss normalen, konventionellen Raps anzubauen.
Wo deutsche Wissenschaftler noch an der Methode Gen-Insekten und ihren Folgen im Labor tüfteln, streckt Oxitec, das britische Biotechnologie-Unternehmen, seine Fühler in immer mehr Ländern ins Freiland. In Europa konnten die Gen-Mücken noch nicht unter freiem Himmel landen. Noch nicht.

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