Kulturförderung

Geldsegen für Gedenkstätte und Museen – Mainzer Kulturszene profitiert von Steuereinnahmen

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AUTOR/IN
Mareike Gries

Dank Gewerbesteuereinnahmen in Milliardenhöhe durch Biontech kann die Stadt Mainz mehr Geld in den Kulturbetrieb stecken: Nach vielen Jahren wird ein Mahnmal für die Opfer der Deportation realisiert. Auch das Unterhaus und die freie Theaterszene profitieren. Manch eine Institution wünscht sich aber noch mehr Unterstützung.

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Mehr als eine Milliarde Euro wurde eingenommen

Die Kleinkunstbühne Unterhaus, die Mainzer Schauspielschule, verschiedene Museen, ein freies Theater – viele sollen etwas abbekommen vom riesigen Geldsegen, der die Stadt Mainz nahezu über Nacht ereilt hat.

2021 lagen die Gewerbesteuereinnahmen bei mehr als einer Milliarde Euro. Dass davon nun auch die Kultur profitieren soll, ist für die zuständige Dezernentin Marianne Grosse nur folgerichtig.

Kulturell eine andere Liga

Vor allem in Bezug auf die Freie Szene: „Tatsächlich war mir die freie Szene von Anbeginn ein ganz, ganz wichtiger Aspekt in der Kulturpolitik. Und wir haben es tatsächlich fertiggebracht, kontinuierlich die Freie Szene zu stärken, jedoch nur mit unseren knappen finanziellen Mitteln, die wir hatten. Mit der enormen Steigerung der Gewerbesteuer und auch damit, dass wir jetzt nahezu schuldenfrei sind beziehungsweise sein werden, spielen wir kulturell in einer anderen Liga.“  

So kann nun endlich, nach sechs Jahren, der Gedenkort für die Opfer der Deportation realisiert werden – die Pläne lagen schon fertig in der Schublade. 1,1 Millionen Euro werden dafür zur Verfügung gestellt. Und auch der längst überfällige Neubau des Mainzer Gutenbergmuseums ist dank der Steuereinnahmen nun gesichert, wie Marianne Grosse sagt.

Nicht alle sind über die Verteilung glücklich

Während das Weltmuseum der Druckkunst also von Seiten der Stadt finanziell sehr gut ausgestattet wird, klagen die Betreiber des Stadthistorischen Museums über mangelnde Unterstützung. 7.000 Euro soll das Museum zusätzlich pro Jahr von der Stadt bekommen. Zu wenig, sagt Peter Lautzas, Vorsitzender des Fördervereins Stadthistorisches Museum.  

Stadthistorisches Museum, Mainz (Foto: Pressestelle, Stadthistorisches Museum Mainz)
Einblick in das Stadthistorische Museum, Mainz. Pressestelle Stadthistorisches Museum Mainz

Seit 20 Jahren befindet sich das Museum in äußerst bescheidenen Räumlichkeiten und hat stark eingeschränkte Öffnungszeiten. Die zusätzliche Förderung durch die Stadt reiche bei weitem nicht, um das Museum besser auszustatten, sagt Peter Lautzas.  

Bisher kam die Kultur oft zu kurz

Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse hat ihr Büro in direkter Nachbarschaft zum Stadthistorischen Museum. Die Verbindung sei gut, betont sie. Ihr Dezernat sei gerade dabei zu schauen, wo das Museum möglicherweise ganz neue Räumlichkeiten bekommen könnte.   

Bisher, gibt Marianne Grosse zu, sei die finanzielle Unterstützung für die Kultur einer Landeshauptstadt nicht immer angemessen gewesen. Das soll sich nun ändern – dank der sprichwörtlichen Finanzspritze.

Kino Stadt Mainz plant Filmkunsthaus: Kommunales Kino und Programmkino an einem Ort

Seit Jahrzehnten hat das kommunale Kino „CinéMayence“ in Mainz nur eine provisorische Bleibe, zudem ist es chronisch unterfinanziert. Nun plant die Stadt, die durch den Impfstoff-Hersteller Biontech mehr Gewerbesteuer einnimmt, ein „Filmkunsthaus“. Darin könnten das kommunale Kino und das Programmkino „Palatin“ unterkommen. Ein vielversprechendes Projekt, mit dem Mainz seinem Anspruch als moderner Medienstadt endlich gerecht werden könnte.

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Hausbesuch Heimspiel am Mainzer Unterhaus - Lea und Sven Hieronymus

„In unserer Familie wird viel gelacht, jeder muss da einstecken können“, sagen Vater Sven Hieronymus und seine Tochter Lea. Als „Rocker vom Hocker“ ist der Mainzer Sven Hieronymus schon seit Jahren auf Kleinkunstbühnen unterwegs, er moderiert im Radio oder bei Fastnachtsveranstaltungen. Tochter Lea hat eine Musicalausbildung absolviert und tritt seit zwei Jahren auch als Komikerin auf. Zum Mainzer Unterhaus haben beide eine enge Verbindung.

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Mareike Gries