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Virusvarianten können ansteckender sein

Als die ersten Impfstoffe auf dem Markt waren, hatte man gedacht, dass man nun endlich gegen Corona ein sicheres Mittel hätte. Dem Virus durch das Impfen den Garaus machen. Doch jetzt sieht es ganz so aus, als hätte das Virus doch noch einen Trumpf im Ärmel, mit dem wir nicht gerechnet haben: Mutationen, die inzwischen gehäuft und in verschiedenen Kombinationen als „Mutanten“ oder „Varianten“ auftreten: Die britische, die brasilianische, die südafrikanische, die tschechische und ganz besonders die indische, ständig scheinen neue hinzuzukommen.

Impfstoffen wirken bei Varianten möglicherweise weniger gut

Viele gelten als gefährlich, denn sie sind möglicherweise ansteckender, möglicherweise auch tödlicher und gegen einige von ihnen wirken die gerade entwickelten Impfstoffe möglicherweise nicht oder zumindest nicht mehr so gut.

Viren – Weltmeister des Mutierens

Milliarden von Viren reproduzieren sich alle paar Stunden, nachdem sie die Körperzellen ihres Wirtsorganismus so umprogrammiert haben, dass diese nur noch Viren produzieren. Bei jedem dieser Kopiervorgänge kann es zu kleinen Veränderungen kommen. Manche können dem Virus helfen, sich besser an seine Umwelt anzupassen. Das Prinzip der Evolution – Survival oft the fittest – was man bei Wirbeltieren in Jahrtausenden beobachtet, läuft bei Coronaviren im Zeitraffer ab

Problem Teilimmunität

Hans-Georg Kräusslich, der Chef der Heidelberger Virologie, warnt davor, dass Teilimmunität, z. B. nach nur einer Impfung, die Gefahr von Mutationen fördern könnte. Dann sei die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus festsetzen kann und resistente Varianten auftreten, höher.

Tatsächlich sind viele WissenschaftlerInnen der Ansicht, dass es dem Virus in Zukunft gelingen könnte, sich auf eine Art und Weise zu verändern, dass es den derzeitigen Impfstoffen entkommen würde. Wegmutieren nennen die Forschenden diesen Vorgang. Fluchtmutationen heißen die Veränderungen des Erbguts, die dem Virus dieses Entkommen ermöglichen.

Varianten erkennen: teuer und aufwändig

Mit einem Coronatest kann man nicht feststellen, wie gefährlich das Genom ist. Um dem auf die Spur zu kommen, muss das gesamte Viruserbgut mit all seinen 30.000 Basenpaaren aufgeschlüsselt werden – ein aufwändiges und teures Verfahren, das nur Speziallabore durchführen können.

Nur so kann man feststellen, ob es sich bei einem positiven Testergebnis möglicherweise um eine Variante handelt, die eine oder mehrere gefährliche Mutationen enthält.

Je schneller die Wissenschaft reagieren kann, desto besser ist es. Ein Tool, das diese Reaktionszeit verkürzen könnte, wurde gerade vom Hasso-Plattner-Institut gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut entwickelt: Covradar.

Booster: Auffrischungs-Impfdosen bereits in Arbeit

Aber was, wenn sich tatsächlich eine gefährliche Mutation ausbreitet oder eine Variante, die eine solche Mutation enthält, in Europa um sich greift? Die Expert*innen sind sich einig, dass dann veränderte Impfstoffe eingesetzt werden müssen, die vor den veränderten Viren wieder schützen können. Notfalls müssen dann auch zweimal Geimpfte noch ein drittes Mal geimpft werden.

Sowohl Moderna als auch Biontech/Pfizer arbeiten bereits an sogenannten „Boostern“, das sind Auffrischungs-Impfdosen, mit denen der Impfschutz gegen die Varianten aus Südafrika und Brasilien wiederhergestellt werden soll. Eine erste großangelegte Studie in Großbritannien läuft bereits.

Zum Glück dauert die Entwicklung von solchen angepassten, leicht veränderten Impfstoffen nicht so lange wie die Erstentwicklung des Corona-Impfstoffs gedauert hat. Die Herstellerfirmen sprechen von Wochen. Trotzdem gilt: je schneller bekannt ist, welche neuen Varianten irgendwo zirkulieren, desto eher könnten auch im Ernstfall entsprechende neue Impfstoffe zur Verfügung stehen.

Und was wäre, wenn man einen Impfstoff entwickeln könnte, der so beschaffen ist, dass er auf einen Schlag mit sämtlichen denkbaren Mutationen oder Varianten des Coronavirus fertigwerden könnte? Ein solcher Impfstoff ist schon zum Greifen nah – allerdings noch nicht für Coronaviren, sondern zunächst für Influenzaviren.

WHO führt neutrale Namen für Coronavirus-Varianten ein

Am 31. Mai 2021 wurde bekannt, dass die WHO neutrale Namen für die SARS-CoV-2-Varianten einführt.

Die WHO hat neue Bezeichnungen für die Coronavirus-Varianten eingeführt. So soll man sich die Namen leichter merken können. Und die neutralen Bezeichnungen diskriminieren nicht die Länder, in denen die Varianten erstmals auftauchten. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/dpa Grafik | dpa-infografik GmbH)
Die WHO hat neue Bezeichnungen für die Coronavirus-Varianten eingeführt. So soll man sich die Namen leichter merken können. Und die neutralen Bezeichnungen diskriminieren nicht die Länder, in denen die Varianten erstmals auftauchten. picture alliance/dpa/dpa Grafik | dpa-infografik GmbH

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