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INTERVIEW

Kann ich benutzte Mundschutzmasken keimfrei bekommen, wenn ich sie in die Mikrowelle lege? Wie lange hält sich das Coronavirus auf Oberflächen? Muss ich Kleidung in der Waschmaschine im Kochprogramm waschen? Jochen Steiner im Gespräch mit Dr. Patrick Hünerfeld, SWR Wissenschaftsredaktion

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Kann eine FFP2-Schutzmaske nur einmal verwendet werden?

Ja, das stimmt – vor allem wenn man die FFP2-Masken da einsetzt, wo sie gebraucht werden: Beim direkten Kontakt als Pflegender oder als Arzt bei Covid-19-Patienten. Da ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Viren von der Maske abgehalten werden. Und diese Viren sitzen dann logischerweise auch auf der Maske. Die Außenseite ist somit kontaminiert und eine kontaminierte Maske kann man nicht zig mal an- und ausziehen.

Aber – jetzt kommt das wichtigste – Sie brauchen eine solche FFP2-Maske nur, wenn Sie tatsächlich als Pflegender oder Arzt direkt am Covid-19-Patienten arbeiten! Alle anderen brauche das nicht! Diese Masken sind absolute Mangelware; sie sollten daher jetzt wirklich ausschließlich auf Covid-19-Stationen eingesetzt werden.

Wer Schutzmasken stiehlt oder gestohlene Schutzmasken kauft, verhält sich unverantwortlich und riskiert damit, dass die Menschen, auf die wir jetzt alle unsere Hoffnung setzen – die Pflegenden, die Ärztinnen und Ärzte – ohne Schutz dastehen und dann selbst krank werden.

Wer jetzt Schutzmaterial stiehlt, gehört aus meiner Sicht hart bestraft.

Bringt es was, gebrauchte Atemschutzmasken in die Mikrowelle zu stecken?

Dazu gibt es meines Wissens keine belastbaren Untersuchungen. Wir dürfen nicht vergessen: Die normalen Schutzmasken sind Verbrauchsmaterial – die benutzt man eine Zeit lang und dann werden sie weggeschmissen; dafür sind sie gedacht.

Theoretisch könnte man sie vielleicht im Ofen trocknen – wenn das Material das aushält. Dann sollte man aber nicht davon ausgehen, dass die aufgewärmte Maske einen selbst noch schützt. Aber als Schutz für andere, also um zu verhindern, dass man selbst die Viren ungehindert in die Welt hustet und niest – dafür könnte sie noch taugen.

Aber noch mal: Alle Schutzmasken sind derzeit Mangelware, die bitte Kliniken und Pflegeheimen vorbehalten bleiben!

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Wenn jeder einen Mundschutz tragen würde, wären dann alle geschützt?

Das ist ein durchaus richtiger Gedanke. Die Maske schützt zwar nicht mich, aber ich verteile keine Viren beim Husten oder Niesen. Wenn alle eine tragen würden, wären viel weniger Viren in der Luft. Der Haken: Schutzmasken sind Mangelware – weltweit. Die Kliniken und Pflegeheime, der Rettungsdienst: Alle versuchen händeringend, Schutzmasken zu bekommen.

Die Lösung: Selber machen! Wenn es darum geht, andere zu schützen, leistet auch eine selbstgemachte Maske gute Dienste. Als Schutz vor Ansteckung taugt die natürlich nicht, aber beim Husten oder Niesen gibt es damit keine riesige Virenwolke. Das kann ein Schal sein, eine fesche selbst genähte Maske oder das klassische Bankräuberhalstuch vor dem Gesicht – wie im Western.

Kurzum: Profimaske jetzt bitte für Profis! Und für alle anderen gilt: Seid fantasievoll und schützt eure Mitmenschen.

Wie lange ist ein Kind ohne Symptome Virusträger bzw. ansteckend?

Wir wissen es noch nicht. Die Pandemie entwickelt sich so dynamisch, dass die Forschung nicht hinterherkommt.

Wenn ein Kind unbemerkt infiziert ist, haben wir schon mal ein Grundproblem: Es ist unbemerkt infiziert – wir wissen es also nicht. Folglich ist es dann auch schwer, einen Zeitraum zu bestimmt.

Mutmaßlich wird es auch bei Kinder so sein wie bei Erwachsenen: Sie werden infiziert, dann vermehrt sich das Virus und diese Viren werden dann auch verteilt und andere können sich anstecken. Im weiteren Verlauf kommt es zu Symptomen – die bei Kindern wohl sehr unauffällig sein können, oder auch gar nicht vorhanden sind.Und irgendwann macht das Immunsystem – hoffentlich – dem Virus den Garaus.

Es gibt nun erste, noch nicht bestätigte Untersuchungen aus China, nach denen es so sein könnte, dass sich sehr viele Kinder unbemerkt infizieren. Wenn das so wäre, dann wären die Schul- und Kitaschließungen wirklich eine sehr gute Maßnahme.

Und wenn sich sehr viele Kinder unbemerkt infizieren würden, dann würden die Kinder auf lange Sicht auch viel zur viel beschworenen Herdenimmunität beitragen.

Aber sicher ist das nicht; es ist noch reine Spekulation, wir müssen abwarten, was davon sich wirklich wissenschaftlich belegen lässt.

Wie lange hält sich das Virus auf Verpackungen beim Einkauf, auf Obst usw.?

Ganz genau wissen wir das nicht – es gibt bislang vor allem Laborversuche, die unter nicht immer alltagstauglichen Bedingungen die “Haltbarkeit” des Virus untersuchen.

Klar ist aber – und das sagt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung, das für solche Einschätzungen zuständig ist: Die normale Hygiene, die uns jetzt allen in Fleisch und Blut übergegangen sein sollte, schützt: regelmäßiges langes Händewaschen mit Seife. Und beim Umgang mit Lebensmitteln gilt – eigentlich immer: waschen, schälen oder kochen. Das kleine Einmaleins der Küchenhygiene.

Ist es ein Problem, wenn Viren durch das Händewaschen ins Abwasser gelangen?

Abwasser sollte kein großes Problem sein: Dort werden Viren sehr schnell enorm verdünnt, und dann kommt ja auch noch die Kläranlage.

Wer mit Abwasser Kontakt hatte, sollte sich – so wie immer – gründlich mit Seife waschen. Schmutzwasser kann – das sagt ja schon der Name – immer gefährliche Keime enthalten: da ist also Hygiene angesagt.

Stimmt es, dass Viren Temperaturunterschiede und Hitze nicht aushalten?

Hitze, also Temperaturen über 70 Grad – so sagt beispielsweise der Virologe Christian Drosten – zerstören die Viren. Ob das neue Coronavirus aber zum Beispiel jetzt bei den steigenden Frühlingstemperaturen bereits Probleme bekommt – bei den Influenza-Viren ist das ja so – wissen wir schlicht noch nicht.

Reicht eine Waschtemperatur von 40°C oder 60°C? Oder muss man Wäsche kochen, damit Viren abgetötet werden?

Bei 60°C mit ausreichend Waschmittel sollte das Virus anschließend nicht mehr in nennenswerten Mengen in der Wäsche sein. Wir dürfen nicht vergessen: Gründliches Händewaschen mit Seife schützt uns ja auch bereits.

Sind Zahnärzte einem hohen Risiko ausgesetzt, weil sie direkt am Mund der Patienten arbeiten?

Definitiv. Wer sehr nah an einem Covid-19-Patienten ist, hat natürlich ein hohes Ansteckungsrisiko. Deshalb gilt für Zahnärzte und auch alle anderen Ärzte: Sich schützen ist elementar. Und natürlich muss man genau schauen: Was ist jetzt wirklich medizinisch notwendig – und auf welche Arzt-Termine kann man momentan auch gut verzichten? Es ist jetzt nicht die Zeit für harmlose Wehwehchen und eingebildet Kranke – wir brauchen unsere Ärztinnen und Ärzte fit und gesund.

Werden sich Lebendtiermärkte in China bzw. Asien aufgrund der Coronavirus-Pandemie verändern?

Es mag sein, dass es da Überlegungen gibt – das weiß ich nicht. Klar ist aber: So ein Virus kann immer dort, wo Mensch und Tier eng aufeinander sind, den Sprung über die Artengrenze schaffen. Das hängt nicht an irgendwelchen Märkten in Asien.

Gleichwohl ist natürlich auch klar: Wenn beim Umgang mit Tieren auf strikte Hygiene geachtet wird – wie bei uns in der Regel – dann ist das Risiko vermutlich geringer. Aber auch da ist das Risiko sicher nicht gleich Null. Sprich: Wir werden auch in Zukunft damit rechnen müssen, dass sich ähnliche Viren wieder auf den Weg um den Planeten machen.

Wo kann ich mich als Krankenpflegehelferin kurzfristig qualifizieren?

Viele Krankenhäuser haben Onlineplattformen eingerichtet, auf denen man sich melden kann. Da wird dann geschaut, was am sinnvollsten ist. Als Physiotherapeutin z.B. müssen Sie vielleicht gar nicht auf Krankenpflege “umschulen”, denn frühe Physiotherapie ist gerade auf Intensivstationen sehr wichtig.

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