Bitte warten...

Forschung am Weinberg Lichtdusche gegen Pilze

Öko-Produkte liegen voll im Trend. Doch nicht immer ist Bio drin, wo Bio drauf steht. Bio-Winzer müssen giftige Kupfermittel einsetzen, um Reben und Trauben vor gefährlichen Pilzkrankheiten zu schützen. In der Weinbau-Hochschule im hessischen Geisenheim arbeitet man jetzt an einem Verfahren, das ohne giftige Fungizide auskommt. Ein besonderes Licht könnte den Pflanzenschutz revolutionieren.

Mit sechs Stundenkilometern kriecht der Traktor im Schneckentempo durch die Weinbergszeilen. Ausgerüstet mit grauen Plastikschläuchen, die von unten Luft in das Weinlaub pusten, um mikroskopisch kleine Pilzsporen auf den Blättern und Trauben zu bekämpfen. Wenn die sich erst mal ausbreiten, können sie die Ernte im schlimmsten Fall komplett vernichten. Doch die Maschine versprüht keine giftigen Fungizide. Sie bestrahlt die Reben mit Licht, erklärt Phytopathologin Beate Berkelmann-Löhnertz: "Wir versuchen eine Kombination aus chemischem Pflanzenschutz und diesem neuen physikalischen Verfahren hinzubekommen." Der Anteil der Fungizide, die bisher im Weinbau gespritzt würden, sei einfach zu hoch.

Solarium für Weintrauben

Traktor mit Schläuchen und den UV-C-Lichtmodulen fährt durch die Weinbergszeilen

Prototyp mit UV-C-Licht-Modulen

Berkelmann-Löhnertz arbeitet an der Weinbau-Hochschule im hessischen Geisenheim an einem umweltfreundlicheren Verfahren, mit dem Winzer ihre Reben schützen könnten. Das neue Verfahren funktioniert wie ein Solarium, nur für Weinreben in freier Natur. "Wie im Solarium wird Strahlung ausgesendet. Die Strahlung, die wir hier verwenden, ist allerdings hochgradig schädlich." Deshalb müssten Besucher im Weinberg und Traktorfahrer einen Drei-Meter-Abstand halten.

Im Solarium lassen sich Menschen allerdings von UV-A- und UV-B-Licht bräunen. Der Pilzkiller im Weinberg ist aber UV-C-Licht. Ein Teil des natürlichen Sonnenlichts, das aber normalerweise von der Atmosphäre zurückgehalten wird und nicht bis auf die Erde durchdringt. "Wir arbeiten mit einem Wellenlängenbereich von 240 bis 270 Nanometer. Damit können wir die Schaderreger abtöten oder zumindest so stark schädigen, dass sie sich nicht mehr vermehren können", sagt Berkelmann-Löhnertz.

Schritt für Schritt zur Technologie

Topfrebe steht in einem Labor zwischen zwei UV-C-Modulen.

Licht-Experiment mit einer Topfrebe

UV-C-Licht verwendet man auch die Lebensmittelindustrie, etwa um Joghurtbecher vor dem Abfüllen keimfrei zu machen. An der lebenden Pflanze setzen Tomatenproduzenten bereits im Gewächshaus UVC-Licht ein. In freier Natur wurde bisher aber noch auf UVC-Licht verzichtet. Neuland also für die Geisenheimer Phytopathologen. Deshalb gingen die Forscher zunächst schrittweise vor, erläutert Berkelmann-Löhnertz: "Wir haben uns erst einmal die Wirkung dieser Technologie auf die Schadpilze im Labor angeschaut. Dann an kleinen Rebpflanzen unter Gewächshausbedingungen. Und erst in einem dritten Schritt sind wir in den Weinberg gegangen und haben uns überlegt: Wie muss ein Gerät gestaltet sein, damit sowohl die Blätter als auch die Trauben behandelt werden können."

UV-C-Licht tötet Pilze ab

Winzer zeigt Trauben seines Rebstockes, die von der Schwarzfäule befallen sind.

Trauben mit Schwarzfäule

Das aggressive UV-C-Licht greift direkt das Erbgut der Pilzsporen an. Diese können sich dann nicht mehr normal entwickeln. In Labor und Gewächshaus zeigte sich das UVC-Licht als hochwirksam gegen die Pilzsporen der vier wirtschaftlich wichtigsten Krankheiten im Weinberg: Echten und falschen Mehltau, Grauschimmel und auch die berüchtigte Schwarzfäule, die erst vor zehn Jahren bei uns im Weinbau zum Problem wurde. "Die Herausforderung war, dass wir auf der einen Seite die Schadpilze abtöten wollten, auf der anderen Seite aber der Wirtspflanze keinen Schaden zufügen wollten", erzählt die Wissenschaftlerin. Mittlerweile habe man eine Dosis gefunden, die genau das schaffe. Für die Praxis bedeute das, dass in Zukunft nur noch etwa halb so viel der giftigen Fungizide eingesetzt werden müssten, schätzt Berkelmann-Löhnertz. Für 15.000 Euro kann ein Traktor zum Weinbergs-Solarium umgerüstet werden, ein zweiter Prototyp ist schon in der Entwicklung.

Hoffnung für Winzer trotz EU-Verbot

Die UV-C-Module des Traktors, die die Weinreben bestrahlen, in Großaufnahme

UV-C-Licht gegen Pilze

UVC-Licht gegen Pilzsporen - das würde vor allem den Bio-Weinbau revolutionieren. Denn da kommt man bisher ohne die schwermetallhaltigen Kupferspritzmittel überhaupt nicht aus. Das von der EU in drei Jahren geplante Verbot der giftigen Kupfer-Fungizide stellte für viele Öko-Winzer bisher ein unlösbares Problem dar. Nun gibt es mit der UVC-Lichtdusche gegen Schadpilze einen echten Hoffnungsschimmer für alle Winzer, die ohne chemische Fungizide auskommen wollen. Und für alle Weinfreunde weniger Rückstände in ihrem Lieblingsgetränk.

Weitere Themen in SWR2