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Tafel mit Schriftzug " Sprechen Sie Deutsch?"

Deutsche Sprache, schwere Sprache Sprachwissenschaftler übersetzen Amtsdeutsch

Wenn man Post von Behörden oder auch Versicherungen bekommt, verstehen viele oft nur Bahnhof. Die Gesellschaft für verständliche Sprache (IDEMA) setzt sich für eine klare und verständliche Ausdrucksweise ein – damit am Ende jeder verstehen kann, was gemeint ist.

In Schreiben von Behörden tauchen immer wieder Begriffe auf, bei denen man in dumpfes Grübeln verfällt.

Etwa  „Anleiterbarkeit“ oder auch „fußläufige Anwegung“. Bei der Anleiterbarkeit geht es ganz simpel darum, dass man eine Leiter an ein Fenster stellen kann. Und die „fußläufige Anwegung“ entpuppt sich als Zugangsmöglichkeit für Fußgänger. Mitarbeiter von Behörden formulieren oft umständlich, sagt Sprachexpertin Michaela Blaha.

Ein Beispiel:

„Die Hotline hat sich zudem in der zurückliegenden Zeit als Meldeplattform für den Bürger, insbesondere Bahnreisende, zur Weiterleitung von festgestellten Unregelmäßigkeiten und Straftaten im originären Aufgabenbereich der Bundespolizei entwickelt.“

Diesen Bandwurmsatz haben die Sprachexperten kräftig entschlackt. Jetzt heißt es verständlich:

„Insbesondere Bahnreisende melden der Bundespolizei über die Hotline vermehrt Auffälligkeiten.“

Amtsdeutsch ist oft zu kompliziert.

Amtsdeutsch ist oft zu kompliziert.

Wer soll das verstehen?

Die zehn Mitarbeiter der Gesellschaft für verständliche Sprache (IDEMA), ein AN-Institut der Ruhr-Universität Bochum, bearbeiten jedes Jahr einige tausend Schriftstücke. Doch selbst bei knappen Sätzen in einem amtlichen Schreiben begreift der Empfänger nicht gleich, was die Behörde eigentlich von ihm will.

Amtsdeutsch

Normaldeutsch

„Wenn Sie Ihr Auto nicht entfernen, werden wir die Ersatzvornahme betreiben.“


„Wenn Sie Ihr Auto nicht entfernen, werden wir veranlassen, dass es auf Ihre Kosten entfernt wird. In Klammern: Ersatzvornahme.“
„Hinsichtlich der Abfalltrennung und Entsorgung der bei Ihnen anfallenden Abfälle haben Sie die Möglichkeit, die Getrennthaltung am Entstehungsort besser zu organisieren und umzusetzen.“„Sie haben unterschiedliche Möglichkeiten, die Abfälle, die bei Ihnen anfallen, zu trennen.“

Fahrerlaubnis ist nicht gleich Führerschein

Neben der Verständlichkeit der Formulierung kommt es entscheidend darauf an, dass der Inhalt juristisch wasserdicht ist. Wenn etwa Autofahrern mitgeteilt wird, dass sie ihre Fahrerlaubnis verlieren, dann lässt sich Fahrerlaubnis nicht ohne weiteres durch Führerschein ersetzen. Denn, so Michaela Blaha, verliert man seinen Führerschein, geht es nur um das Papier, das einem die Fahrerlaubnis nachweist. "Wenn man jedoch die Fahrerlaubnis verliert,  hat man die Berechtigung verloren, ein Fahrzeug zu führen. Das ist juristisch ein erheblicher Unterschied.“

Führerschein

Führerschein ist nicht gleich Fahrerlaubnis.

Klares ist Bares

In den vergangenen Jahren hat Michaela Blaha feststellen können, dass ein beachtlicher Bedarf nach den Diensten des AN-Institutes der Ruhr-Universität besteht. Trotzdem hat sich noch kein systematischer Verbesserungseffekt eingestellt. Denn nach wie vor hängt es stark von den individuellen Sachbearbeitern und auch Behördenleitern ab, ob eine verständliche Ausdrucksweise in der Behörde für wichtig befunden wird.

Dabei kann eine klare Botschaft auch zu finanziellen Einsparungen führen. Das zeige sich vor allem bei Versicherungen, Banken oder Telekommunikationsunternehmen, denen das Institut auch sprachlich auf die Sprünge hilft. Durch "Klarheit in der Sprache werden Kosten reduziert, weil weniger Kunden bei den Versicherungen anrufen, um Fragen zu stellen." Das zeige sich vor allem bei Formulierungen in Informationsbroschüren und Verträgen, bei denen Unternehmen genau beobachten, "wie hoch das Aufkommen an Rückfragen und auch Missverständnissen ist." Oft wird ein Text jedoch erst dann verändert, wenn eine gewisse Grenze überschritten ist.

Unverständnis auch innerhalb von Behörden

Für die Sprachwissenschaftler gibt es noch viel zu tun. Denn nach der Erfahrung von Michaela Blaha haben nicht nur Bürger Probleme zu begreifen, was in amtlichen Schreiben steht. „Sogar Mitarbeiter in den Verwaltungen klagen häufig darüber, dass sie Briefe aus anderen Abteilungen ihrer eigenen Verwaltung nicht verstehen.“

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