SWR2 Wissen | Porträt zum 200. Geburtstag

Fjodor M. Dostojewski – Erzähler des Tragikomischen

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Er gilt als einer der wirkungsvollsten Autoren der Weltliteratur: Der Russe Fjodor Michajlowitsch Dostojewski, geboren am 11. November 1821 in Moskau, war ein virtuoser Erzähler.

In seinen Romanen schuf er tragikomische, aber auch sehr menschliche Figuren mit widersprüchlichen, zuweilen irren Reflexionen.

Der Mensch Dostojewski aber war ein wandelndes Paradox. Er predigte Versöhnung und Menschenliebe und offenbarte zugleich nationalistische, rassistische und militante Überzeugungen.

Bis heute wird dieser Schriftsteller kontrovers diskutiert. Doch sein Werk, in dem er die Tiefen des menschlichen Bewusstseins ausleuchtete, bleibt immer aktuell.

Fjodor M. Dostojewski

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Silke Arning diskutiert mit
Prof. Dr. Christoph Garstka, Slavist, Universität Bochum, Vorsitzender Deutsche Dostojewski-Gesellschaft
Christine Hamel, Dostojewski-Biographin
Klaus Mertes SJ, Deutscher Jesuit, Superior Ignatiushaus, Berlin  mehr...

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200. Geburtstag von Fjodor Dostojewski Ein großer Schriftsteller – aber kein Prophet

„Man muss ihn von seinen Figuren unterscheiden“, meint der Slawist und Dostojewski-Kenner Andreas Guski zur Frage, ob der berühmte russische Autor ein Rebell oder Punk seiner Zeit gewesen sei. Im Gespräch mit SWR2 sagt Guski: „Er war nach seiner frühen Zeit genau das Gegenteil. Er ist ein braver Staatsbürger geworden, einer, der die Monarchie verehrte.“
Herausragend für die Literatur seiner Zeit findet Guski die Figuren-Zeichnung in Dostojewskijs Romanen. In ihnen verhandele er die großen Fragen der Menschheit: „Sie protestieren gegen ihre Rollenfestlegung – sie verweigern sich der Identitätsformel. Sie kämpfen ständig gegen sich selbst.“
Den 200. Geburtstag des in Moskau geborenen Autors inszeniere Russland als „Staatsereignis“. „In Russland ist er der Mann, der die Idee von der Weltversöhnungsrolle Russlands propagiert hat.“ Im Westen dagegen sehe man ihn als Schriftsteller, der seine Figuren immer in Krisen gestellt habe – anders als seine – weniger komplex schreibenden – Zeitgenossen Theodor Storm und Gottfried Keller.
Er entdecke für sich bei der Lektüre „ständig neue Textschichten“ rühmt Guski die Werke von Dostojewskij. Doch sei es überzogen, ihn als Propheten zu bezeichnen – etwa, weil im Epilog von „Schuld und Sühne“ die Hauptfigur von einer Pandemie träume, die aus Asien kommend die ganze Welt beherrsche. „Da würde ich zur Vorsicht mahnen“, urteilt Guski.
Als Lesetipp für 'Dostojewskij-Einsteiger' rät er zu der Novelle „Der ewige Gatte“ und zu „Der Spieler“:“"Der ist mit 150 Seiten zumutbar und hat viel von Dostojewskijs Eigenart in sich.“
Prof. Andreas Guski stammt aus Dresden und studierte in Berlin, Kiel und München Slawistik, Germanistik und Geschichte. Er war bis 2007 Professor für Slawistik an der Uni Bern und engagiert sich als stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Dostojewskij-Gesellschaft. Er ist zudem Autor von „Dostojewskij – eine Biographie“.  mehr...

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Zum 200. Geburtstag des russischen Schriftstellers machen wir uns auf die Spur seines abenteuerlichen Lebens und diversen Süchte.  mehr...

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