Finger mit Brandblase vor Herdflamme (Foto: Getty Images, Thinkstock - Montage SWR)

Fischhaut auf verbrannte Haut? Was tun bei Verbrennungen?

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In Brasilien legen Ärzte Fischhaut auf Brandwunden, damit diese schneller und besser verheilen. In Deutschland kommt diese Methode nicht zum Einsatz, hier setzen Mediziner auf Milchsäure.

Im Krankenhaus der brasilianischen Stadt Fortaleza setzen Mediziner Fischhaut ein, um Brandwunden abzudecken. Die Haut des Tilapias, ein Buntbarsch, enthält viel Kollagen, ist widerstandsfähig und hat einen hohen Feuchtigkeitsgehalt. Damit ist sie menschlicher Haut ähnlich. Einmal auf der Wunde, können Keime nicht hinein und der Heilungsprozess wird beschleunigt.

"Die Kollegen in Brasilien gehen davon aus, dass diese Methode sehr wirksam ist", sagt der Mediziner Adrien Daigeler von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Tübingen. "Wissenschaftlich belegt ist die Fischhaut-Behandlung noch nicht. Deshalb würde ich mir selbst keine Fischhaut auf die Brandwunde legen lassen."

Gewebe aus Milchsäure statt Fischhaut

In Deutschland kommt keine Fischhaut bei der Behandlung von Brandwunden zum Einsatz, sondern künstliches Gewebe aus Milchsäurepolymeren. „Dieses Gewebe legen wir dann auf die Wunde und warten die Heilung ab“, erklärt Daigeler, Leiter der Verbrennungschirurgie. Der Vorteil: Ein Verbandswechsel ist dann nicht nötig.
Einen Nachteil hat das Gewebe aus Milchsäure allerdings: Es ist recht teuer. "Zehn mal zehn Zentimeter davon kosten etwa 120 Euro, die Fischhaut ist da vermutlich deutlich günstiger."

Ein Brandopfer liegt auf einem OP-Tisch. (Foto: SWR, SWR -)
Ein Opfer mit schweren Brandverletzungen wird medizinisch versorgt SWR -

Ärzte verwenden die Milchsäure-Auflagen bei Verbrennungen, bei denen nur die oberflächlichen Hautschichten betroffen sind. Sind auch tiefere Hautschichten verbrannt, ist eine Hauttransplantation von anderen Körperstellen notwendig.

Was tun bei Verbrennungen?

Fügt man sich zu Hause eine Verbrennung zu, etwa durch kochendes Wasser, sei eine Kühlung erlaubt, so Adrien Daigeler. "Das bringt aber nur in den ersten Sekunden eine gewisse Schmerzlinderung. Eine Schädigung der Haut kann ich durch eine Kühlung nicht mehr rückgängig machen." Der Mediziner rät, nur relativ kleine Brandwunden zu kühlen. Denn bei der Kühlung großflächiger Verbrennungen besteht die Gefahr, dass der Körper zu stark auskühlt. "Das kann zu einem lebensgefährlichen Schock führen". Großflächige Wunden sollten trocken und steril abgedeckt werden. Und dann schnell ins Krankenhaus.

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