Ein Mann angelt einen Fisch (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Angeln verbieten? Auch Fische haben Schmerzen

Neue Forschungen zeigen, dass viele Fischarten sehr wohl ein komplexes Nervensystem haben, das schmerzempfindlich ist. Müsste das Angeln jetzt komplett verboten werden?

Die Forschung zum Schmerz von Fischen ist relativ neu. Man weiß heute, dass sie Nervenzellen besitzen, so genannte Nozizeptoren oder Nozisensoren. Und die sind für das Schmerzempfinden zuständig, sagt Markus Wild, Professor für Philosophie an der Universität Basel, der sich als Tierethiker auch intensiv mit dem Fisch-Schmerz befasst.

Fische haben Rezeptoren für Schmerzen

In der Forschung gibt es neben den Nozizeptoren noch die Kriterien, dass Fische ein Zentralnervensystem haben; dort verarbeiten sie die Schmerzsignale. Fische können mit Schmerzsignalen lernen, sie können lernen, Dinge zu vermeiden. Sie können aber auch lernen, Schmerz in Kauf zu nehmen, wenn etwas wichtig ist. Und vor allem können Fische flexibel mit Schmerz umgehen. Sie können sich zum Beispiel selbst Medikamente geben.

Fisch wird im Labor untersucht (Foto: SWR, SWR -)
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Fische und Schmerzmittel

Das hat 2013 die Wissenschaftlerin Lynne Sneddon an der Universität Liverpool zusammen mit ihrem Team gezeigt. Sie reicherten das Wasser eines von zwei Aquarien mit einem Schmerzmittel an. Dann fügten die Forscherinnen den Tieren Schmerz zu – und die Fische lernten, in jenes Bassin zu schwimmen mit dem Schmerz stillenden Medikament. Sie taten es, obwohl das Becken ohne Schmerzmittel für sie viel angenehmer gewesen wäre.

In Deutschland soll es über vier Millionen Angler geben. In den USA sogar um die sechzig Millionen. Das bedeutet: messerscharfe Haken im Mundbereich des Fisches. Jetzt, da man weiß, dass Fische Schmerzen empfinden können, drängt sich natürlich die Frage auf: Soll das Angeln verboten werden? Markus Wild zögert nicht mit der Antwort und nimmt in Kauf, dass er sich damit unter den Angelnden keine Freunde schafft.

Angelverbot?

Markus Wild sagt: Ja, man sollte das Angeln verbieten. Denn Angeln sei höchst problematisch und sollte seiner Meinung nach eigentlich auch unter die Bestimmung des Tierschutzgesetzes fallen, die schon existiert.

Im Paragraph 1 des deutschen Tierschutzgesetztes steht:

„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

Ein Fisch hängt an einem Haken (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Auch Fische haben Schmerzempfinden Thinkstock -

Kluge Fische

Wie der Mensch mit Fischen umgeht, widerspiegelt sein Wissen – oder vielmehr Nichtwissen über dieses Tier. Ein Fisch ist eben ein Fisch. Und einen Fisch isst man. Markus Wild glaubt aber, dass die Wissenschaft dazu beigetragen hat, dass sich das Image dieses Wasserbewohners verändert hat.

Früher dachte man, dass Fische dumme Tiere sind. Doch Fische haben ein sehr gutes Gedächtnis. Fische lernen sehr viel und sind auch sehr soziale Tiere. Das heißt, man hat eigentlich in den letzten zwanzig Jahren immer mehr ein völlig neues Bild vom Fisch bekommen, als ein intelligentes, lernfähiges, ja sogar emotionales Wesen.

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