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Ein junger Mann drückt seine Finger an die Schläfen und verzieht sein Gesicht zu einer Grimasse.

Wenn Muskelschmerzen chronisch werden Fibromyalgie

Von Sigrun Damas

Diese Krankheit ist mysteriös. Die Medizin kann sie weder sichtbar machen noch messen, und trotzdem ist sie da: Betroffenen leiden unter Fibromyalgie.

Keine Heilung, schwierige Therapie

Alles tut weh: Menschen mit Fibromyalgie haben Muskelschmerzen in allen Regionen des Körpers, schlafen schlecht, klagen über Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen. Aber Bluttests und Röntgenbilder zeigen keine Auffälligkeiten. Auch Karin Huss hat mit ihren Schmerzen sieben Fachärzte abgeklappert, bevor sie die Diagnose Fibromyalgie bekam.

Früher nannte man Fibromyalgie auch Weichteilrheuma. Aber der Begriff ist irreführend. Dennoch landen Patientinnen und Patienten mit Fibromyalgie noch heute oft bei Rheumatologinnen wie Bimba Franziska Hoyer vom Universitätsklinikum Kiel. Die Diagnose stellt sie dann, indem sie schmerzhafte Areale am Körper betastet und den Patienten einen ausführlichen Fragebogen vorlegt. Therapieren kann sie Fibromyalgie-Patienten aber nicht.

Chronische Schmerzerkrankung

Man weiß inzwischen, dass Schmerzmittel bei dieser Erkrankung kaum anschlagen. Eher wirksam sind leichte Antidepressiva und Mittel, die gegen Schlafstörungen helfen. Am besten sind die Betroffenen bei Schmerztherapeuten aufgehoben. Denn Fibromyalgie gilt heute als eine chronische Schmerzerkrankung.

ältere Frau zieht die Beine bei einer Yoga-Übung an

Meditative Bewegungstherapien wie QiGong, TaiChi oder Yoga helfen gegen den tiefsitzenden Schmerz

Ursachen sind unklar

Warum der Schmerz sich im Körper einnistet – darüber gibt es bis heute nur Vermutungen. Die Erkrankung entwickelt sich wohl über viele Jahre. Der Kieler Rheumatologe Pontus Harten beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Fibromyalgie und hat mit vielen Patienten gesprochen. Seine Beobachtung ist, dass viele Betroffene Menschen sind, die an der obersten Leistungsgrenze leben und hohe Ansprüche an sich selbst stellen. Patientin Karin Huss kann das für sich bestätigen.

Linderung durch meditative Bewegungstherapien und Psychotherapie

Wer die Signale des Körpers beharrlich überhört, überfordert ihn. Er wehrt sich in der Folge mit noch mehr Schmerzen – ein Teufelskreis. Patienten werden übersensibel. Ein Ausweg aus der Schmerzfalle ist Bewegung.

Die aktuelle Behandlungsleitlinie bei Fibromyalgie empfiehlt leichten, gelenkschonenden Ausdauersport wie Wassergymnastik, Walking oder Tanzen, 2- bis 3-mal wöchentlich für mindestens 30 Minuten.

Auch meditative Bewegungstherapien wie QiGong, TaiChi oder Yoga helfen gegen den tiefsitzenden Schmerz. Und Psychotherapie. Mit all diesen Maßnahmen lassen sich die Schmerzen zumindest lindern. Heilbar ist Fibromyalgie nach derzeitigem Kenntnisstand nicht.

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