Die Welt in Zahlen

Extrembügeln: Wäsche plätten 137 Meter tief im Wasser

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Das Extrembügeln bringt die Sportler*innen samt Bügeleisen, Bügelbrett und Wäsche an ausgefallene Orte, zum Beispiel unter Wasser. Der Rekord liegt bei 137 Metern Tauchtiefe!

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So manchem kommt schon ein Berg zu bewältigender Bügelwäsche als sportliche Leistung vor. Diese Herausforderung hat auch eine tauchbegeisterte Dame namens Louise Trewavas aus London angenommen. Ihre Bügelwäsche hat sie allerdings ins Rote Meer geschleppt – in 137 Meter Tauchtiefe, samt Bügeleisen und Bügelbrett. 2003 war das.

Und sie ist bei weitem nicht die Einzige, die ihre Knitterwäsche an ausgefallenen Orten plättet. Extrembügeln ist eine anerkannte Sportart – mit Weltmeisterschaft.

Gebügelt wird an Steilhängen im Hochgebirge mit Bügel- und Steigeisen, auf dem Fahrrad, auf Bäumen, auf und eben unter Wasser. Synchronbügeln im Freestyle dürfte wohl die anmutigste unter den Disziplinen sein.

Nehmen wir aber mal an, jemand möchte unserer Rekordaufstellerin im Unterwasserbügeln Louise Trewavas „das Wasser reichen“ wollen und ebenfalls unter die sportlich anerkannten Extrembügler gehen. Dann müssen zunächst offizielle Regeln eingehalten werden. Eine ist: „Bügeleisen und Bügelbrett sind während des Wettkampfs am eigenen Körper mitzuführen.“ Diese Utensilien überhaupt in Wassertiefen von mindestens hundert Meter zu befördern, ist an sich schon eine sportliche Leistung. Eine weitere Herausforderung ist das Erhitzen des Eisens ohne Strom, und ohne das umliegende Wasser zum Kochen zu bringen. Der Trick ist eine exotherme chemische Reaktion, die mehr Energie in Form von Wärme erzeugt, als ihr zugeführt wurde.

Das alles ist schon so anspruchsvoll, dass trockene und faltenfreie Wäsche bei der Bewertung der Jury mindestens zweitrangig ist. Na, das klingt doch danach, dass man den lästigen Aspekt des Bügelns glatt dabei vergessen könnte. Auch eignet sich zur Ausübung dieser Sportart durchaus ein ausgedientes älteres Bügeleisen-Modell. Schließlich wird die Dampfbügelfunktion hier nicht benötigt. Ebenso entfällt das Nasssprühen der Wäschestücke, was beim Wettkampf Zeit spart. Man kann sofort losbügeln. Deshalb ist man ja schließlich hierher gekommen. Und viel schneller als am Bügelbrett Zuhause kommt der Kick: das Betrachten des faltenlosen Ergebnisses – zumindest unter Wasser.

Den Kick beim Bügeln hat als Erster 1997 ein Engländer namens Phillip Shaw in Leicester verspürt, als er keine Lust hatte, seine Wäsche Zuhause zu plätten und samt Wäsche und Ausrüstung eine Bergtour unternahm. Bald steckte er noch mehr Engländer mit seiner Bügel-Ablenkungsstrategie an, die dann auch an außergewöhnlichen Orten bügelten. 2002 fand die erste Weltmeisterschaft statt – mit Extremsportlern aus zehn Ländern. Auch unseren Water Style haben die Bügler dort gegeben, allerdings im Boot AUF dem Wasser.

Voraussetzung für all das ist natürlich die zuverlässig knitternde Baumwollwäsche. Ich meine: Man könnte seine Garderobe natürlich mittlerweile auch mit knitterfreien Stoffen bestücken. Aber da wir jetzt wissen, wie viel Spaß Bügeln (theoretisch!) machen kann…

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