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Zeichnung von Exoplanet

Suche nach außerirdischem Leben Es gibt tausende Exoplaneten

Die Astrophysik hat ein noch relativ frisches Forschungsfeld zu beackern, es geht um die Suche nach Exoplaneten, nach erdähnlichen Planeten. Diese wecken natürlich auch die Hoffnung, dass wir nicht allein sind im Universum. Ralf Caspary im Gespräch mit der Astrophysikerin Prof. Lisa Kaltenegger über ihr Buch "Sind wir allein im Universum?".

Lisa Kaltenegger, was meinen Sie prinzipiell, sind wir allein im Universum oder gibt es woanders auch noch Intelligenzen?

Die neuesten Forschungsergebnisse zeigen uns, dass jeder zweite Stern - man kann am Himmel circa 5000 Sterne sehen - einen Planeten hat. Die kleinsten Sterne haben wir noch nicht gefunden, es können als nur noch mehr Planeten hinzukommen. Jeder fünfte Stern hat einen Planeten im richtigen Abstand: Es ist dort also nicht zu heiß oder zu kalt und der Planet ist klein genug, dass er ein Fels wie die Erde sein könnte. Mit all den Planeten, allein Milliarden in unserer eigenen Milchstraße, würde es mich daher sehr überraschen, wenn es da draußen nichts gibt - aber gefunden haben wir noch nichts. Deshalb suchen wir gerade und darum ist es so spannend, dass wir zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte die technischen Möglichkeiten haben, Leben auf anderen Planeten zu finden.

Sie sind Astrophysikern und haben ein neues Buch geschrieben: "Sind wir allein im Universum?", erschienen bei Ecovin. Sie fahnden seit Jahren nach diesen erdähnlichen Planeten - wie sieht diese neue Technik aus, die Sie angedeutet haben?

Es gibt verschiedene Techniken und ich habe diese Techniken in meinem Buch beschrieben. Das Thema ist so interessant und das kann auch jeder nachvollziehen - auch wenn man mit Mathe und Physik in der Schule nichts anfangen konnte. Denn es sind einfache Grundlagen.

Universum

Mit verschiedenen Techniken lässt sich nach Planeten fahnden

Stellen Sie sich Folgendes vor: Ein Stern ist normalerweise hell und heiß, während ein Planet dies nicht ist. Wenn sich zufällig etwas zwischen uns und den Stern schiebt - wie etwa der Planet, den den Stern umkreist -, dann deckt der Planet einen Teil der heißen Sternoberfläche ab. Wenn der Planet also vor dem Stern steht, ist ein Teil der Oberfläche des Sterns nicht sichtbar. Man sieht, dass der Stern immer periodisch etwas weniger hell wird.

Und so finden wir beispielsweise andere Planeten. Wir haben auch schon Planeten gefunden, die genau im richtigen Abstand sind. Aber es warten noch Tausende in der Warteschlange. Von diesen Planeten müssen wir noch genauere Daten nehmen und auch sichergehen, dass die Instrumente funktionieren. Das ist eine Methode, es gibt aber auch noch andere.

Hier noch ein passender Vergleich: Wir stellen uns vor, dass Sterne wie Fußgänger und Planeten wie große Hunde sind: Im Park wird der Fußgänger vom großen Hund gezogen. Das wissen Sie auch, wenn Sie den Hund nicht sehen. Genauso ist es auch bei den Sternen.

Das bedeutet also, dass der Planet durch die Gravitation ein wenig an dem Stern zieht?

Genau, so wie der Hund an der Leine den Fußgänger zieht. Eine andere Methode ist auch noch, ein Foto zu schießen. Dadurch haben wir schon ein paar Bilder von Planeten in anderen Systemen: Das sind  große Planeten, weil diese viel Licht reflektieren und man sie so leichter sieht. Es gibt verschiedene Methoden, solche Planeten aufzuspüren. Wir finden sehr viele und vielfältige Planeten da draußen, was wir uns eigentlich gar nicht vorgestellt hätten.

Werden wir eines Tages Besuch von anderen Planeten bekommen?

Sind wir allein im Universum oder nicht?

Ich bleibe bei dieser Hundemetapher: Das ist dann sozusagen ein indirekter Beweis?

Es ist ein indirekter Beweis, der auch bei den Topwelten, die unser Weltbild revolutioniert haben, angewendet wurde. Den ersten hat man gefunden, weil der Stern gewackelt hat - ein indirekter Beweis also - und deswegen wurde dann gesagt: "Vielleicht ist doch irgendetwas mit dem Stern?"

Man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es solch einen riesigen Planeten wie Jupiter gibt: Alle unsere Planeten würden in Jupiter hinein passen, wenn man ihn aufmachen könnte. Aber Jupiter, den man vor 20 Jahren gefunden hatte, brauchte nur viereinhalb Tage um seinen Stern zu umrunden. Das Jahr dauert dementsprechend nur von Montagmorgen bis Freitagnachmittag. Das sind völlig neue Dimensionen, dass es solche Gasplaneten dort gibt. Da es aber nur den indirekten Beweis gab, haben ein paar Leute gesagt: "Vielleicht ist es ja doch kein Planet?"

Die zweite besondere Welt für mich, die gefunden wurde, ist ein ähnlicher Planet. Dieser wurde mit der Bedeckungsmethode gefunden: Der Planet schiebt sich vor den Stern und es wird dunkler. Da sind keine Zweifel mehr möglich, weil man verschiedene Methoden anwendet und die gleichen Ergebnisse erhält. So wurde ein wahnsinnig spannendes Forschungsfeld gestartet, dass Welten um andere Sterne sucht.

Jetzt noch einmal zu dem "Sternwackeln", denn ich bin ja kein Astrophysiker: Der Stern wackelt, weil er durch die Gravitation des kleinen Planeten ein bisschen aus der Bahn geworfen wird?

Außerirdische

Bekommen wir irgendwann Besuch von anderen Planeten?

Der Stern wackelt, weil er sich dem Zug des Planeten entgegen lehnt. Das ist, wie wenn der Hund in die eine Richtung will und Sie wollen eigentlich in die andere Richtung und lehnen sich zurück. Hinzu kommt noch eine Kreisbewegung, da der Planet um den Stern kreist. Außerdem macht der Stern seine Ausgleichskreisbewegung und genau diese kann man messen.

Frau Kaltenegger können Sie sagen, wie viele erdähnliche Planeten man in den letzten Jahren pro Jahr gefunden hat?

Man hat etwa einen halben pro Jahr gefunden. Die Zahlen werden jetzt allerdings rasend ansteigen, weil die Zahl der Neuentdeckungen von der Größe der Teleskope und der Qualität unserer Technologie abhängt. Einen großen und hellen Planeten findet man schneller als einen kleinen, dunklen. Deshalb haben wir schon viele große Planeten entdeckt, aber mit den neuen Technologien und den größeren Teleskopen, die mehr Licht einfangen, finden wir auch die kleinen Planeten. Jeder Monat ist spannend, da immer wieder etwas Neues hinzu kommt. Wir haben noch Tausende von kleinen Planeten in petto. Diese Planeten werden jetzt gerade analysiert - es wird also noch richtig spannend zu sehen, wie wir mit unserer Erde zu all dem passen.

Und auf solchen Planeten könnte sich eventuell Leben entwickelt haben? Das heißt aber nicht, dass das intelligentes Leben sein muss oder dass es so aussieht wie Leben auf der Erde?

Absolut nicht. Ich freue mich sehr darauf, dass es wahrscheinlich anders sein wird als auf der Erde. Evolution müsste eigentlich andere Bahnen schlagen können. Stellen Sie sich vor, die Dinosaurier wären nie ausgestorben. Natürlich wissen wir nicht, ob und wann Leben entsteht. Die ältesten Planeten, die wir entdeckt haben, sind über doppelt so alt wie die Erde. Wir haben noch keinen Planeten mit dem richtigen Abstand gefunden. Aber stellen Sie sich einmal vor, wir hätten noch einmal so viel Zeit wie jetzt von der Evolution - was da möglich wäre, wenn Leben entsteht, wo es entstehen kann.

Weltall. Im Anschnitt der blaue Planet Erde.

Mit neuen Technologien und größeren Teleskopen ist es möglich auch kleine Planeten zu finden

Wann gucken Sie denn wieder ins All?

Ich bin jetzt gerade eine Woche unterwegs auf der Lesereise und dann geht es wieder voll los in die Forschung. Und ich schaue natürlich immer mit einem Auge auf meine Emails, um zu sehen, ob es spannende Neuigkeiten gibt. Aber normalerweise dürfen wir über neue Forschungsergebnisse nicht gleich reden, weil wir sie auf Herz und Nieren prüfen müssen. Wenn man sagt, man hat etwas Spannendes gefunden, braucht man schließlich auch die passenden Beweise.

Ich stelle mir Ihren Job schon faszinierend vor. Aber wahrscheinlich braucht man sehr viel Geduld, bis man auf so ein "Sternwackeln" stößt, welches durch einen Planeten hervorgerufen wurde?

Man braucht viel Geduld. Man macht das am Computer, d.h. man hat ganz viele Programme. Die meiste Zeit verwendet man dafür, sich auszudenken, was man messen sollte und dann Programme zu schreiben, die diese Messungen machen können - denn der Computer ist um einiges genauer als das menschliche Auge. Danach kann man sich dann "zurücklehnen" und an das Nächste denken und den nächsten Programmcode schreiben. Während der Computer, das bedeutet die Teleskope, messen, schaut der Computer nach Signalen und dann ertönt ein "Bing!" und das kann dann manchmal spannend sein.

Dann hoffen wir, dass so ein "Bing!" in den nächsten Monaten bald wieder auftritt. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Forschung.

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