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Zugvögel wie die Waldrappen können beim Flug in V-Formation in ungeahnter Perfektion Energie sparen.

Erdbeobachtung durch Tiere Wie Ameisen und Zugvögel der Forschung helfen

Ameisen als Frühwarnsystem bei Erdbeben; Seuchen eindämmen durch Beobachtung des Bewegungsverhaltens von Flughunden - Tierbeobachtungen werden in der Forschung immer wichtiger. Auch Satelliten helfen dabei.

Die wissenschaftliche Beobachtung von Tieren steht derzeit an einem Wendepunkt. Das so Prof. Martin Wikelski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell, liege vor allem am Weltraumsender Icarus: Den hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern entwickelt. Im nächsten Sommer soll er auf der Raumstation ISS ankommen.

Satellitenüberwachung für Tiere

Über den Sender sollen weltweite Daten über Tierbewegungen gesammelt werden. Das funktioniert mit Chips, die vorher an Tieren befestigt wurden und Ortungsdaten an den Satelliten senden. Die Chips sind nur noch so groß wie ein Fingernagel und wiegen gerade mal 5 Gramm. Man versuche so wenig invasiv wie möglich mit den Tieren zu arbeiten, erklärt Prof. Martin Wikelski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell:

Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir die Tiere immer irgendwie beeinflussen, also dass ist ein ethisches Problem, wir denken aber, dass wir durch diese Hochauflösenden und ganz genauen Beobachtungen weniger Tiere insgesamt fangen müssen, um diese Information zu bekommen. Auch zum Schutz der Tiere, weil bisher müssen wir hunderte, tausende Tiere Fangen, beringen, mit irgendwelchen Ohrmarken versehen um zu sehen, wo gehen die denn hin. In der Zukunft reichen da vielleicht zehn Stück davon, oder fünf, das heißt wir können vielleicht ein Faktor Hundert oder Tausend reduzieren. Die Anzahl der Tierindividuen, die wir überhaupt belästigen.

Amsel mit GPS-Sender

Amsel mit GPS-Sender

Flughundbeobachtung gegen Verbreitung von Ebola

Ab Juni 2017 soll der Sender im Weltall sein. Ornithologe Wikelski liefert gleich ein Beispiel, wie die genauen Beobachtungen vielleicht sogar helfen könnten Menschen vor tödlichen Seuchen zu schützen.

Wir können über das Flugverhalten von Flughunden forschen. Wer wann mit Ebola, oder mit Ebolawirten in Berührung war. Das heißt wir können endlich auch suchen und die Flughunde einsetzen uns praktisch zu helfen zu suchen nach den Wirten für Ebola und das ist für die Bekämpfung von Ebola wahrscheinlich der wichtigste Faktor.

Flughunde als Überträger von Ebola

Flughunde gelten als Überträger von Ebola. Wenn man ihr Migrationsverhalten beobachtet, lässt sich eine weitere Verbreitung der Seuche möglicherweise verhindern.

Vögel als Klimaforscher

Beobachtungen an Tieren erlauben auch ganz ohne Hochtechnologie Rückschlüsse auf den globalen Wandel und Naturphänomene. Besonders Vögel spielen dabei eine Schlüsselrolle. Seit gut Hundert Jahren werden immer wieder Vögel mit einem nummerierten Ring versehen, so können die Forscher die Tiere über einen langen Zeitraum im Blick behalten. Diese Technik hat auch Professor Doktor Petra Quillfeld von der Universität Gießen genutzt um Wanderalbatrosse im südlich indischen Ozean zu beobachten. Sie konnte belegen, dass die Vögel zumindest kurzfristig von der Klimaerwärmung profitieren: Im Laude der Klimaerwärmung habe sich die Polarfront in Richtung Süden verschoben. Dadurch hätten Albatrosse jetzt kürzere Wege zu ihren Nahrungsgebieten: Sie konnten dadurch leichter die Nahrung aufnehmen, mussten weniger weit fliegen, hatten dann eine erhöhte Körpermasse von acht Kilo auf etwa neun Kilo und hatten einen höheren Bruterfolg.

Je weiter sie Temperatur allerdings steigt, desto weiter verschiebt sich auch die Polarfront und wird schließlich auch wieder in einen für die Albatrosse ungünstigeren Bereich gelangen.

Ameisen als Erdbeben-Warnsystem

Auch die Tierchen, die dem Geologen Professor Doktor Ulrich Schreiber von der Universität Duisburg-Essen etwas über die Prozesse in unserer Erde verraten, brauchen keinen Peilsender, der Informationen in den Weltall schickt. Seine Forschungsobjekte wären dafür viel zu klein. Auf Expeditionen hat Schreiber erkannt, dass Ameisen ihre Haufen nicht etwa nach Lichtverhältnissen oder Waldboden wählen. Sie bauen sie über Erdrissen, aus denen Gase aus dem Inneren der Erde aufsteigen. So verraten sie uns, wo der Boden brüchig ist und Messungen über Erdbewegungen lohnenswert sind, erklärt Schreiber:

Sie müssen sich das so vorstellen, wir haben ein Brett und versuchen das zum Brechen zu bringen und wir hören schon von früh an, das es knistert, dass es knackt. Und so müssen wir das eigentlich auch für die Kruste sehen, da passiert sehr viel, doch wir haben es noch nicht geschafft mit unseren Geräten diese Stelle zu finden, wo es eigentlich passiert. Das ist die Chance, die ich sehe, dass man also an erster Stelle den Standort nutzt, den uns die Ameisen vorgeben, dann eine Vielzahl von Geräten dazu schaltet und die Ameisen selbst noch beobachtet.

ARD Buffet, Bieratlas, Bier

Können Ameisen bald als Frühwarnsystem bei Erdbeben zum Einsatz kommen?

Vielleicht könnten Ameisen irgendwann helfen, Erdbeben voraussagen. Um dem auf die Spur zu kommen, würde Schreiber seine Forschung gerne auch in Erdbebengebieten durchführen, etwa in den Abruzzen, der Türkei oder Kalifornien. Dafür fehlen ihm im Moment aber die Mittel.

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