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Bodo Förster im Gespräch mit Petra Haubner

Hilfe für Dickhäuter Elefantenflüsterei

Elefanten lassen die Kassen klingeln. Thailand, Vietnam, oder Indien – gerade in diesen Ländern werden sie im Tourismus gerne eingesetzt. Oft grenzt der Tiertourismus aber an Tierquälerei. Tierschutzorganisationen rufen immer wieder zu Boykotten auf. Im Norden Thailands gibt es ein Elefantenprojekt. Dort geht es um nachhaltigen und artgerechten Elefanten-Tourismus. Inklusive Stiftung, um die artgerechte Haltung der Tiere zu unterstützen. Dort können Touristen die Tiere kennenlernen. SWR2-Reporterin Petra Haubner hat das Camp besucht.

Nordthailand, in der Nähe von Chiang Mai. Ich sitze zwischen einer Elefantenherde. Zusammen mit Bodo Förster. Dem Gründer von Elephant Tours. Er war Tierpfleger in der ehemaligen DDR, hat sofort nach dem Mauerfall seinen Rucksack gepackt und sich nach Thailand aufgemacht. Dort wollte er den traditionellen Umgang mit Elefanten erlernen.

Förster: „Ich hab eine Vorstellung gehabt, wie man mit Elefanten arbeiten kann, wie man sie halten soll und wie man ihr Leben vielleicht verbessern kann. Und dann bin ich hierher gekommen. Ohne Englisch, ohne Thai und hab mich da hin gesetzt – so wie ich hier jetzt sitze und habe gesagt: Ich möchte das von euch lernen.“

Nicht alles, was er gesehen hat, hat ihm gefallen. Einerseits wissen die Mahuts – die traditionellen Elefantenpfleger – sehr viel über die Elefanten, andererseits haben sie zum Teil grausame Traditionen. In Thailand muss jeder Elefant von einem Priester trainiert und geweiht werden. Ohne diese Weihezeremonie darf der Elefant nicht arbeiten. So ist die Tradition. Aber diese Priester sind teuer. Deswegen werden sie nur für einen Tag "Training" bezahlt.

Nach der Zeremonie muss der Elefant gehorchen. Das Ergebnis sind Bilder, wie sie immer wieder von den Tierschutzorganisationen wie PETA gezeigt werden. Elefanten, rechts und links angebunden, die so lange geprügelt werden, bis sie sich nicht mehr dagegen wehren. Bodo Förster will das ändern. Er zeigt den Menschen moderne Trainingsmethoden. So sind die Elefanten ganz anders vorbereitet, wenn der Tag der Weihezeremonie kommt.

Förster: „Wir müssen Menschen Zusammenhänge erklären und sie begeistern. Wir dürfen es nicht mit Hass machen, wir dürfen auch nicht vorverurteilen. Wir müssen mit den Leuten reden. Und das setzt natürlich voraus, dass man hier lebt und die Strukturen versteht.“

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Elefantenflüsterer in Thailand

Elefantenflüsterer in Thailand

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Bodo Förster zusammen mit einem seiner Elefanten.

Bodo Förster zusammen mit einem seiner Elefanten.

Immer wieder rettet Bodo Förster mit seiner Stiftung "Tong-Bai Foundation" misshandelte Arbeitselefanten und trainiert so lange sanft mit ihnen, bis sie wieder Vertrauen in den Menschen haben.

Elefantenkuh mit kleinem Elefantenkalb

Mehrmals am Tag wird gebadet. Für die Elefanten ist das nicht nur Spaß, sondern auch wichtig ...

Mit dem Wasser kühlen sich die Elefanten ab

18 Elefanten leben mittlerweile im Camp. Nachts sind sie im Wald, tagsüber arbeiten sie mit den Touristen zusammen.

Wer ins Elefantencamp von Bodo Förster kommt, muss mindestens drei Tage bleiben und bekommt einen Elefanten zugeteilt, der zu ihm passt. Reporterin Petra Haubner kümmert sich in dieser Zeit um die Elefantendame Sajela. Dafür wird sie sogar von Sajela "geduscht".

"Es macht Spaß mit den Tieren umzugehen, sie sind riesig, aber sie sind auch sanft und freundlich." - Petra Haubner

Der Tierpfleger Bodo Förster reiste nach dem Mauerfall mit einem Rucksack aus der DDR nach Thailand. Später gründete er dort "Elephant Tours".

Immer wieder rettet er mit seiner Stiftung misshandelte Arbeitselefanten und trainiert so lange sanft mit ihnen, bis sie wieder Vertrauen in den Menschen haben. Die typischen Touristentouren, dreimal im Kreis, gibt es bei Bodo nicht. Das wäre Quälerei für die Elefanten, deren Anatomie auf langsame kontinuierliche Bewegung und permanente Futter- und Wasseraufnahme ausgerichtet ist. Trotzdem ist es im Tourismus üblich. Die Elefanten müssen ihre Kosten wiedereinspielen. Das geht nur auf Kosten ihres Wohlbefindens und ihrer Gesundheit.

Bodo Förster: “Ganz ehrlich, der Elefant ist nicht geboren mir zu dienen. Er ist geboren um frei zu sein. Er ist geboren seine Jungen im Wald aufzuziehen. Aber so ist die Welt eben nicht. Wir haben momentan etwa 15.000 asiatische Arbeitselefanten. Die können wir nicht von heute auf morgen freilassen. Fakt ist eines, wir müssen für unser Viehzeug da sein. Wir müssen für unsere Elefanten 24 Stunden täglich da sein.“

18 Elefanten leben mittlerweile im Camp. Nachts sind sie im Wald, tagsüber arbeiten sie mit den Touristen zusammen. So verdienen sie sich ihr Futter. Aber: Nur mit Aufgaben, die auch ihrer Natur entsprechen.

Marius Kienzle ist eigentlich Elefantenpfleger im Karlsruher Zoo. Er macht gerade ein Praktikum bei Bodo im Camp und bereitet eine junge Elefantendame auf das tägliche Training vor – mit einer Dusche:

Kienzle: „Zum Ersten hat sie gerade Durst und zum Zweiten kühlt sie das runter bei dem Wetter. Und dann ist alles ein bisschen einfacher für das Training. Mape, Mape, Mape….“

Was Marius da so mantraartig wiederholt ist eines der wenigen Codewörter, die ein Elefant im täglichen Umgang mit dem Menschen lernen muss.

Kienzle: “Generell sind das alles Grundkommandos die ein Elefant im Karlsruher Zoo und im täglichen Umgang können muss. Wie den Kopf runter machen, sich ablegen oder das Bein heben. Wenn man sie täglich trainiert, dann festige ich halt die Kommandos.“

Reporterin Petra Haubner

Reporterin Petra Haubner mit Sajela

Wer ins Elefantencamp von Bodo Förster kommt, muss mindestens drei Tage bleiben und bekommt einen Elefanten zugeteilt, der zu ihm passt.
Ich bekomme Sajela. Eine verspielte, freundliche aber auch leicht divenhafte Elefantendame. Ihr Rüssel nähert sich tastend an, während ich neben ihr sitze.
Ich soll mit der Elefantendame flüstern! Und stelle fest: Das geht. Auch wenn die Dickhäuter erst mal so gar nicht wirken, als ob sie auf ein flüstern reagieren würden. Ich erzähle Sajela von meiner Reise, sie hört wohlwollend zu. Oder sie döst…ich bin mir nicht ganz sicher.

Später reiten wir in den Wald und Sajela frisst sich durch das Gelände. Dann baden wir zusammen. Sajela quiekt freudig während ich ihren Kopf wasche und dann duscht sie mich. Danach sehe ich aus wie eine wandelnde Schlammpackung. Es macht Spaß mit den Tieren umzugehen, sie sind riesig, aber sie sind auch sanft und freundlich. Ich kann die Faszination verstehen, die die Elefanten auf Bodo und Marius ausüben. Ich schließe meine Elefantendiva in diesen drei Tagen ins Herz. Ich würde sie gerne einpacken und mitnehmen, aber ich fürchte, dass sie in meinem Rucksack keinen Platz hat.

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