Bitte warten...

Eisweinkontrolleure Kampf dem Etikettenschwindel

Die Eisweinlese ist aufwendig, dadurch hat dieser besondere Wein auch seinen Preis. Immer wieder findet man jedoch Eiswein zu Dumpingpreisen beim Discounter. Wo kommen nur diese Mengen an Eiswein her, das fragten sich nicht nur Weinkenner, sondern auch die Staatliche Weinkontrolle in Rheinland-Pfalz. Im einzigen Weinbauministerium der Republik wurden jetzt strenge Kontrollen für die Winzer erlassen, damit der Eiswein auch das hochwertige Produkt bleibt, das er eigentlich sein sollte.

Eiswein

Eiswein

Der Nebel zieht an diesem Vormittag über die rheinhessischen Weinbergshügel: die Weinlese ist vorbei, die Rebstöcke sind kahl und ohne Blätter. Nur die Trauben für den Eiswein, für die sind die Winzer noch in Wartestellung – denn für diese Spezialität müssen die Beeren draußen in der Natur zu Eis gefrieren – Nach der Vorschrift im Weingesetz dürfen sie erst geerntet werden, wenn es kälter als minus sieben grad ist, nur dann bleiben nämlich die Eiskristalle in der Kelter, zuckersüßer Most ist dann der Rohstoff für den Eiswein. Diese physikalische Zuckerkonzentration geht theoretisch auch im Eisschrank, das ist aber illegal.


Kontrollen notwendig

Eisweinlese

Die Trauben müssen erst gefrieren, damit man daraus Eiswein machen kann.

Vor zwei Jahren waren plötzlich 480.000 Liter Eiswein auf dem Markt – das sind knapp eine Million Flaschen! - und die rheinlandpfälzische Weinkontrolle kam ins Schleudern, denn sie musste den Winzern im Einzelfall unzulässige Tricks nachweisen. Das ist nicht immer einfach und einige Prozesse vor Gericht sind immer noch nicht abgeschlossen. Es geht um viel Geld - die Verführung ist groß, beim Eiswein zu tricksen, denn als Fasswein erzielt der bis zum sechsfachen des Normalpreises, erklärt mir der Weinkontrolleur Markus Schmelzer während der Autofahrt ins Gelände:

Der Preis rechtfertigt sich dadurch, dass nicht jedes Jahr, in dem ich die Trauben hängen lasse auch tatsächlich Eiswein gelesen werden kann. Das ist offensichtlich bei manchen Winzern ein bisschen in Vergessenheit geraten, die meinen, dass man jedes Jahr auf Biegen und Brechen Eiswein ernten kann.


Glücksspiel beim Eiswein

Markus Schmelzer ist mit einem Kollegen unterwegs, um schon vor der Ernte einen Blick auf die Eiswein-Trauben zu werfen. Das ist neu in diesem Jahr:
Alle Winzer, die das Wetterpoker riskieren und Eiswein lesen wollen, müssen die betreffenden Weinberge bei der Weinkontrolle anmelden, 50 Winzer mit 76 ha Fläche haben das gemacht und überall müssen die Kontrolleure gewesen sein, bevor das Thermometer fällt und die gefrorenen Trauben geerntet werden können, das muss dann meist ganz schnell gehen und passiert meist nachts oder frühmorgens, eben bei der großen Kälte. Dass Schmelzer und sein Kollege nur 76 ha begutachten müssen, das liegt daran, dass 2013 kein typisches Eisweinjahr ist.

Idealerweise haben Sie in einem Jahr, das für Eiswein gut geeignet ist noch topgesunde Trauben am Ende vom Herbst. Das war dieses Jahr in den allermeisten Fällen nicht der Fall. Und auch die Mengen waren nicht so groß, so dass die meisten Winzer das Risiko gescheut haben, für Eiswein Trauben hängen zu lassen.


Wenn die Trauben faulen

Noch einen anderen Grund dürfte es für die Winzer geben, in diesem Jahr weniger auf Eiswein zu setzen: Noch nie hat ihnen die Weinkontrolle so sehr auf die Finger geschaut: Wenn zu viele faule Beeren am Stock hängen, dann lehnen die Kontrolleure die Partie von vornherein ab, denn neben dem Frost ist das die zweite Bedingung für die Spezialität Eiswein: Weitgehend gesunde Trauben.

Trauben

Gesunde Trauben, geschützt durch ein blaue Netze.

Nur Eiswein aus gesunden Trauben hat diesen klaren Fruchtgeschmack, aus faulen Trauben kann zwar auch ein hochwertiger süßer Wein entstehen, aber mit einer anderen Aromatik. Das war vor zwei Jahren das erste Signal für die Weinprüfer, dass mit diesen großen Mengen an Eiswein etwas nicht stimmte. Im Labor verraten sich Süßweine aus faulen Trauben durch einen zu hohen Anteil an Glyzerin. Teure Analysen, teure Gerichtsverfahren, all das soll mit den aktuellen Kontrollen schon vor der Eisweinlese zukünftig vermieden werden.

Wir haben unser Ziel erreicht: Einen Weinberg, in dem die Trauben mit blauen Plastiknetzen verhüllt sind, als Schutz vor Vogelfraß. Markus Schmelzer und sein Kollege begrüßen den wartenden Winzer, klappen die blauen Netze herunter und begutachten die Trauben…

Es hängen noch viele grüne Trauben drin; die haben zwar ein bisschen Fäulnis, ich würde sagen, der geht gerade noch so...


Unterwegs von Weinberg zu Weinberg

Wenn es bis in den nächsten 10 Tagen nicht richtig kalt wird, wird wohl noch mal ein zweiter Kontrollgang notwendig werden. Ist der wochenlange Einsatz der beiden Weinkontrolleure für den Eiswein nicht ein viel zu hoher wirtschaftlicher Aufwand für so ein Nischenprodukt:

Eisweinlese an der Mosel

Die Lese beginnt meist schon nachts.


Also, aus meiner Sicht lohnt sich das schon. Es ist zwar ein Nischenprodukt, aber es ist auch ein sehr wertiges Produkt, das auch die spezielle Wertigkeit unseres Rheinland-Pfälzischen Weines zeigt. Und es wäre für mich schon eine kleine Katastrophe, wenn das über die Zeit runtergezogen würde.


Nicht zuletzt haben auch die Verbraucher das berechtigte Interesse, dass der Eiswein eben nicht hochpreisig ist, sondern dass er auch den Anforderungen des Weingesetzes genügt. Die Weinkontrolleure ziehen weiter zum nächsten Weinberg und dann warten sie alle auf den Frost, Verbraucher, Weinkontrolleure und die Winzer, und auf den Eiswein des bestkontrollierten Jahrgangs aller Zeiten.

Weitere Themen in SWR2