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Alter Mann und alte Frau streiten

Meilenstein: Neue Studie Schützt Ehe vor Herzinfarkt?

Glosse von Ralf Caspary

In den letzten Jahren gab es immer wieder kleinere oder größere Studien, die angeblich zeigen, dass die Ehe gesund ist, weil sie bei den Ehepartnern das Risiko für Herzerkrankungen gegenüber Unverheirateten deutlich senkt. Also: Diese Zwangsgemeinschaft mit ihren Streitereien und täglichen Ernüchterungen ist eben doch von Vorteil. Das zeigt jetzt nochmals eine große Studie aus England. Ralf Caspary hat sie ins Grübeln gebracht...

Ich liebe Studien zum Zusammenhang von Lebensstil und Überlebenswahrscheinlichkeit und: Ich lebe danach. Einmal am Tag ins Schwitzen kommen, senkt das - ach ich weiß nicht mehr welches Risiko, aber irgendeins wird schon geringer werden!

Weitgehend auf Weißbrot verzichten, einmal am Tag entspannen, abends Joghurt und Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen, ein Gläschen Rotwein höchstens pro Tag, kein rotes Fleisch, keine Wurst, immer Nüsse, auch wenn ich davon Sodbrennen bekomme, oft Fisch.

Und summa summarum: Eigentlich so leben wie die Japaner auf der Insel Okinawa: So desu, taihen iiii desu. Das ist japanisch und heißt: Okay, das ist sehr gut.

Studie mit sozialem Sprengstoff

Und jetzt die neue ultimative Studie, ein Meilenstein für Menschen mit Trauschein. Alle Singles und Geschiedene bitte jetzt weghören: Wissenschaftler der Keele-University in England haben herausgefunden: Wer verheiratet ist, hat ein geringeres Risiko einen Herzinfarkt oder sonstige kardiovaskuläre Erkrankungen zu bekommen als jemand, der unverheiratet ist.

Ein Paar streitet am Küchentisch.

Schützt Ehe wirklich vor Herzinfarkt? Eine neue Studie legt das zumindest nahe.

Eine Studie mit sozialem Sprengstoff, der CDU wird's gefallen, propagiert sie doch nach wie vor munter die Ehe.

Also: Der Kardiologe Mamas Mamas (er heißt wirklich so) hat mit Kollegen und Kolleginnen Daten von mehr als zwei Millionen Menschen im Alter von 42 bis 67 Jahren aus Europa, Nordamerika, dem mittleren Osten und Asien nochmal genau unter die Lupe genommen.

Was ist mit schlechten Ehen?

Ergebnis: Die Unverheirateten haben ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzgefäßerkrankungen, es soll um 42 % höher sein. Außerdem sei bei den Unverheirateten das Risiko für tödlichen Schlaganfall ebenfalls bedenklich erhöht.

So weit, so gut! Ich habe lauter Fragen: Kann man alle Ehen in ihrer wohltuenden Wirkung wirklich in einen Topf werfen. Müsste man nicht weiter differenzieren? Schützt die zweite Ehe noch so gut wie die erste?

Der ultimative Vorteil?

Was ist mit anstrengenden modernen Ehen, die ja Verhandlungsgemeinschaften sind, wirkt sich das permanente Aushandeln - Schatz, ich mach die Küche, du die Wäsche, ich bringe Franz in die Kita, du den Müll raus - wie wirkt sich das aus? Was ist mit lockeren Partnerschaften oder gar polyamoren Beziehungen - vervielfachen die auch die positive Wirkung der Ehe oder zerstören sie sie? Bitte, wir brauchen mehr Mikrostudien dazu!

Und außerdem: Kann es denn nicht auch einfach so sein, dass bei Verheirateten das Risiko für einen tödlichen Schlaganfall deshalb niedriger ist, weil immer jemand da ist, der sofort den Notarzt ruft?

Wäre das dann der ultimative Vorteil der Ehe? Oh Gott, mir graust vor diesem Gedanken!

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