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Dummies gegen Diebe Elektronische Attrappen sollen abschrecken

Die Statistiken der Kriminalpolizei signalisieren einen unerfreulichen Trend: So steigt die Zahl der Einbrüche in Deutschland seit Jahren immer weiter an. Viele Menschen fragen sich, was sie dagegen tun können, um den Wohnbereich besonders während der Abwesenheit gegen die ungebetenen Gäste zu schützen. Lassen sich potentielle Einbrecher auch von Kamera-Attrappen, simuliertem Fernseh-Geflacker oder Hundegebell aus dem Lautsprecher abschrecken?

Die Hersteller von Alarmanlagen haben derzeit Hochkonjunktur. Eine elektronische Rundumüberwachung mit Anbindung an einen Sicherheitsdienst kostet jedoch mitunter mehrere tausend Euro. Dabei gibt es auch preiswertere Lösungen: Elektronische Dummies, also Attrappen, die eine Überwachung nur vortäuschen, sind derzeit ein Renner in den Fachgeschäften. Videoüberwachungskameras, die in Wirklichkeit gar keine sind, bekommt man schon für unter zehn Euro. Täuschend echt mit Aluminiumgehäuse, stabiler Halterung und Kabel können die Attrappen auch schon mal 40 Euro kosten. Anschrauben, fertig ist die Installation! Batterie getriebene Attrappen gibt es sogar mit Bewegungsmelder und Schwenkmotor.

Vorsicht Kamera-Attrappe!

Überwachungskamera

Kamera - echt oder unecht?

Juristen wie Prof. Nikolaus Forgó von der Uni in Hannover indes warnen vor einem allzu leichtfertigen Umgang mit den Attrappen. Weil auch so eine Kamera-Attrappe in das allgemeine Persönlichkeitsrecht der "Überwachten" eingreifen kann, weil der Eindruck eines Überwachungsdrucks entstehen kann. Also eine Kamera-Attrappe ist ganz sicher nicht ganz einfach nur deswegen zulässig, weil es halt nur eine Attrappe ist, die als solche nicht erkennbar ist.

Lästige Attrappen vor Gericht

Auch wenn es nur ein Dummy ist, hat die Attrappe über dem Hauseingang oder am Garagentor nichts zu suchen, weil dann eben auch Passanten oder Nachbarn glauben müssen, dass sie ins Visier einer echten Kamera geraten. Für Attrappen gelten demnach fast die gleichen Richtlinien wie für echte Kameras. Dazu gehört zum Beispiel auch das Hinweisschild "Achtung Videoüberwachung". Deutsche Gerichte haben schon viele Grundsatzurteile dazu gefällt. Typischerweise sind das Fälle, bei denen sich entweder ein Nachbar oder ein Mieter belästigt fühlt und sich wehrt. So gab es schon häufig Gerichtsverfahren, wenn z.B. die Eigentümer einer Wohnhausanlage beschließen, so eine Kamera aufzustellen.

Alarmanlage ohne Alarm

Datenschutzrechtlich unproblematisch sind Alarmanlagen. Das heißt, die grauen Kästen, die häufig hoch oben an der Hauswand hängen, und Alarm schlagen, wenn zum Beispiel ein Fenster eingeschlagen oder aufgehebelt wird. Bei der rund 40 Euro kostenden Attrappe ist diese Aufpasserfunktion natürlich nur vorgetäuscht. Nur das Sirenen-Gehäuse mit dem roten Licht oben drauf sieht relativ echt aus. Es wird oben irgendwo angeschraubt, ist wetterfest - also auch für den Außenbereich geeignet. Von außen ist es normalerweise nicht zu erkennen, ob eine Alarmanlage drin ist oder nicht - auch nicht für einen eingeweihten, professionellen Dieb.

Attrappe als elektronischer Wachhund

Elektronische Attrappen können sogar bissige Wachhunde simulieren. Zum Beispiel einen "deutschen Schäferhund", wie auf der Verpackung abgebildet. Der weiße Kasten, der im wesentlich aus einem Lautsprecher besteht, erzeugt einen enormen Schalldruck von 105 Dezibel. Kostenpunkt rund 70 Euro. Im Gerät ist ein Sensor drin. Der erfasst durch die Wand eine Person. Wenn die sich annähert, schaltet sich dieser akustische Hund ein und bellt dann willkürlich, einfach oder mehrfach – und das bleibt dann die ganze Zeit, bis diese Person aus dem Radarmelderkreis wieder raus ist.

Flimmerkiste ohne Bild

TV-Simulator (Symbolbild)

TV-Simulator

Ebenfalls gut geeignet sind sogenannte "TV-Simulatoren", die bei Dunkelheit ein bläulich-weißes Flackerlicht erzeugen und so ein laufendes TV-Gerät vortäuschen. Potentielle Einbrechen draußen vor der Tür, sollen durch die Attrappen glauben, dass jemand zuhause ist. Schon seit vielen Jahren im Elektrofachhandel erhältlich sind die elektronischen Zeitschaltuhren. Es handelt sich um intelligente Stromstecker, mit zum Beispiel mit der Stehlampe im Wohnzimmer verbunden werden.

Eine ebenfalls einfache Lösung, um Anwesenheit zu simulieren, ist ein Dämmerungsschalter. Am Abend lässt sich damit eine Lampe automatisch einschalten und über eine willkürliche Zeitsteuerung wieder ein- und ausschalten.

100prozentig sicher gibt es nicht

Einbrecher mit Maske

In sichtbar bewohnte Häuser wird seltener eingebrochen

Ob Attrappen und Zeitschaltuhren aber auch tatsächlich helfen und Einbrecher abgeschreckt werden, das kann die Polizei nicht sagen: Es gibt nämlich keine Statistiken darüber – weder bei echten Alarmanlagen noch mit Blick auf elektronische Attrappen. Auch wenn die Datenlage dünn ist: Alles, was Diebe abschrecken könnte, so die Empfehlung der Polizei, sollte man versuchen. 100prozentige Sicherheit gibt’s aber leider nicht.

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