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Verschiedene Drohnentypen müssen möglichst zuverlässig erkannt werden

Sicherheitsforschung Terror-Gefahr durch Drohnen

SWR2 Campus. Von Kai Laufen

Drohnen könnten eine neue Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen. Sie sind klein, flexibel und leicht zu erwerben. Forscher suchen deshalb nach Möglichkeiten, gefährliche Drohnen auszuschalten.

Dresden im Wahlkampf 2013: Eine kleine Drohne schwebte über den Köpfen der Zuschauer direkt auf die Bühne zu, auf der Angela Merkel eine Rede hielt. Zuerst reagiert niemand. Als das ferngesteuerte Fluggerät in den Sinkflug geht, greifen die Personenschützer zu Regenschirmen und haschen danach. Diese Bilder offenbaren die Hilflosigkeit, mit der Sicherheitsbehörden eine ganz neuen Bedrohung gegenüberstehen: Dem Missbrauch von handelsüblichen, kompakten Drohnen für Spionage, Sabotage oder gar terroristische Angriffe.

Eine Drohne während des Bundestagwahlkampfes von Angela Merkel in Dresden, September 2013

Eine Drohne während des Bundestagwahlkampfes von Angela Merkel in Dresden, September 2013

Zwar gibt es schon einige Abwehrsysteme, aber die sind bei weitem nicht ausreichend. Das Bundesforschungsministerium hat daher mehrere Projekte aufgesetzt, die Erkennung und Abwehr von Kleinen Drohnen verbessern sollen.

Auf Drohnenjagd mit Radar

Jens Klare leitet am Fraunhoferinstitut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik das Geschäftsfeld Sicherheit. Seinen Arbeitsplatz kann man aus allen Richtungen viel Kilometer weit sehen, denn der Wachtberg südlich von Bonn wird überragt durch eine Konstruktion, die wie ein gigantischer Golfball aussieht: Die größte Radarkuppel der Welt, die zur Beobachtung des Weltraums dient. Aber an diesem sonnigen Tag haben Jens Klare und seine Mitarbeiter näherliegende Ziele im Blick, beziehungsweise im Array, wie das Beobachtungsfeld von Radar im Fachjargon heißt.

Radarkuppel am Wachtberg

Radarkuppel am Wachtberg

Auch Drohnen, können mittels Radar erfasst und sogar erkannt werden: So lässt sich mit dieser Methode die Zahl und die Geschwindigkeit der Rotoren sowie die Größe der Drohne bestimmen.

Anhand der Zahl der Punkte auf dem Bildschirm kann man einschätzen, wie viel Gewicht die erfasste Drohnen tragen, also auch, welchen Schaden sie möglicherweise anrichten kann. Und das bei Tageslicht genauso wie bei Nacht und Nebel und auf große Entfernung, allerdings stets im Array des Radars, also im Sende- und Empfangsbereich.

Das ist wichtig, denn eine Dohne könnte etwa bei Nacht auf dem Dach einer Firma eine kleine Kamera absetzen, die heimlich Aufnahmen vom Werksgelände mitschneidet und versendet.

Mikrophone erkennen Drohnen im Anflug

Radar ist aber nur ein technisches Sinnesorgan, mit dem die Forscher den Drohnen zu Leibe rücken: Auch Mikrophone kommen zum Einsatz, erläutert Miriam Hegel, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Sensordaten und Informationsfusion. Kameras mit automatischer Objekterkennung erweitern das Spektrum.

Das grundlegende Dilemma ist aber, dass kein einzelnes Erkennungssystem verlässlich ist: Kameras liefern schöne Bilder - funktionieren aber bei Nacht oder schlechtem Wetter nur eingeschränkt. Hier ist Radar besser - hat aber wiederum den Nachteil, dass es ein aktives System ist, also selbst Radiowellen aussendet und sich somit Drohnen zu erkennen gibt. Funkdetektion klappt auch nicht immer - da manche Drohne schon ohne Funk operieren. Und selbst darauf, dass Drohnen typische Geräusche machen, kann man sich nicht verlassen.

Deshalb versucht Torsten Fiolka, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich „Sensordaten und Informationsfusion“, die verschiedenen Methoden zu kombinieren: Spezielle Software soll helfen, die Vorteile verschiedener Sensoren zu bündeln und die Nachteile zu begrenzen.

Kleindrohnendetektion mit  Millimeterwellen-Radar

Kleindrohnendetektion mit Millimeterwellen-Radar und optischer Kamera


Drohnenjagd mit Störsendern und Netzen


Hans Peter Stuch ist beim Fraunhofer –Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie Forschungsgruppenleiter für das Projekt AMBOS: Abwehr unbemannter Flugobjekte für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben – also vor allem Polizei.

Zu AMBIOS gehört auch, herauszufinden, welche der möglichen Abwehrtechniken in den jeweiligen Szenarien brauchbar sind – etwa der Einsatz von Störsendern, die das Funksignal der angreifenden Drohne stören oder die Manipulation des GPS-Signals, falls die Drohne vorprogrammiert wurde.

Ein Mann steuert eine Drohne fern.

Drohnen erkennen ist die eine Sache. Die Gefahr von Drohnen dann abzuwenden erfordert weitere Maßnahmen.

Und sogar Netzwerfer kommen zum Einsatz: Die Drohen verheddert sich und fällt runter – wobei dies nur dort geht, wo keine Menschen zu erwarten sind. Hans Peter Stuch betont, das alle Technik, die die Fraunhofer-Institute auf dem Wachtberg und anderen Standorten derzeit erforschen letztlich dazu dienen, einem Menschen – oft also wahrscheinlich einem Polizisten – schnell und zuverlässig eine Entscheidungsgrundlage zu geben.

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