KI - künstliche Intelligenz (Foto: SWR, SWR -)

Digitale Wunderwelten Werden Roboter das Zepter in die Hand nehmen?

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SWR2 Wissen: Aula. Von Marco Wehr

Kommunizieren wir bald ohne Maus und Tastatur mit dem Computer? Können wir unsere Gehirne vervielfältigen, indem wir sie einscannen und digitalisieren lassen? Visionen im Bereich Künstliche Intelligenz gibt es viele, die meisten davon sind spekulativ. Sie gehen vom naiven Glauben aus, das menschliche Gehirn lasse sich in Bits und Bytes übersetzen.

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Die Visionen der Informatikfreaks

Der Medienkünstler Peter Weibel sinnierte über die Möglichkeit, sein Gehirn ins WorldWideWeb einlesen zu lassen, um dort, als digitaler Widergänger seiner selbst, weiter existieren zu können.

Der Amerikaner Ray Kurweil, die Lichtgestalt der digitalen Wundergläubigen, geht noch weiter. Die Computertomographen der Zukunft werden bei ihm zu ultimativen Gedankenlesern. Mit deren Hilfe ließe sich die Seele aus dem Menschen holen. Direkt in den Computer eingespeist, würde sie als reine Information die virtuelle Welt in nie gekannter Intensität erleben.

Die philosophischen Grundlagen naiver KI-Gläubigkeit

  • Eine wichtige Strömung westlicher Philosophie geht davon aus, dass der Körper mit seinen Bedürfnissen und Begierden etwas ist, das den Denker von wahrer Erkenntnis abhält.
  • Wahre Erkenntnis wurde seit den alten Griechen häufig mit mathematischen Einsichten assoziiert: Für Pythagoras war die Welt Zahl. Platon forderte als Seinsgrund göttliche abstrakte Ideen, die wesensgleich mit geometrischen Formen waren.

Aus dieser Gemengelage entsteht eine Weltsicht, die behauptet, dass sich die Welt vom Schreibtisch aus erobern und sich das menschliche Gehirn samt Gedanken und Bewusstsein mit Algorithmen beschreiben ließe.

Warum Roboter keine Menschen sind!

Betrachten wir das Wort "Ball"! Jedes normale Kind spielt mit Bällen. Es rollt, wirft, fängt oder schießt sie. Dabei macht das Kind körperlich-sinnliche Erfahrungen: glückliche, wenn es ein Fußballspiel gewonnen hat, oder auch schmerzhafte, wenn es einen Ball ins Gesicht bekommen hat. All diese Erlebnisse machen die Bedeutung des Wortes "Ball" aus. Roboter dagegen sind schlicht nicht in der Lage zu solch grundlegenden sinnlichen Erfahrungen.

Auch bei der Vision vom digitalen Hirnscan bleibt die Rolle des Körpers unverstanden. Es wird behauptet, dass man die Funktionsweise eines Nervennetzes vollständig verstanden habe, wenn man exakt angeben kann, in welcher Weise die Neuronen miteinander verschaltet sind. In dieser Sichtweise wäre das Konnektom so etwas wie das Wesen des Menschen. Wie naiv diese Gleichsetzung ist! Denn dabei wird übersehen, dass jedes Nervennetz ein hochgradig dynamisches System ist, das sich permanent verändert und zwar in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, in der es sich bewegt und Erfahrungen macht. Dieser Umbauprozess ist viel komplexer, als es den Informatikern lieb ist.

Das komplette Manuskript finden Sie hier.

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