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Händeschütteln und Verdi-Logo

Der Duft der Beziehungen Die Rolle des Geruchs beim Händeschütteln

Alltägliches Begrüßungsritual: das Händeschütteln. Eine neue Studie vom israelischen Weizmann Institute of Science belegt, dass der Geruch eines Menschen auch beim Händeschütteln eine Rolle spielt.

Wenn man sich freundlich Guten Tag sagt, dann gehört das Händeschütteln meistens dazu, es symbolisiert unserem Gegenüber: Ja, ich vertraue Dir jetzt, auch Du kannst Dich auf mich verlassen, ich will Dir nichts Böses. Soweit die symbolisch-soziale Ebene. Darunter gibt es noch eine ganz handfeste, archaische physiologisch-psychologische Ebene, und die haben jetzt Forscher vom israelischen Weizmann Institute of Science analysiert.

Die Psychologen haben sich erst einmal 280 Freiwillige gesucht. Sie haben alle nacheinander auf einer bequemen Arztliege platziert und ihnen gesagt, es werde jetzt irgendein Experiment durchgeführt, gleich komme der Studienleiter zur Begrüßung. Die ganze Szene wurde dann gefilmt.

Geschüttelte Hand zur Nase

Also: Der Proband wird zur Liege geleitet, er macht es sich bequem, wartet einige Sekunden, dann kommt der angebliche Studienleiter, schüttelt dem Probanden sehr herzlich die Hand, und sagt, er müsse kurz noch etwas erledigen und verschwindet wieder.

Und jetzt kam es den Wissenschaftlern darauf an herauszufinden: was macht der Proband, wenn er nach dem Händeschütteln allein wartet? Und siehe da:

Alle Teilnehmer führten einige Sekunden nach dem Händeschütteln die geschüttelte Hand zur Nase. Die Geste war zwar keine eindeutige Riechgeste, man fuhr sich vielmehr diskret mit der Handinnenfläche nervös über den Nasenrücken oder kratzte sich am Nasenrücken, aber es war doch offenkundig, dass sich geschüttelte Hand und Riechzentrum nach der Begrüßung sehr nahe kommen wollten.

Arzt gibt Patientin die Hand

Händedruck zur Begrüßung - ob man sich gut riechen kann, entscheidet sich danach

Die Wissenschaftler nahmen an: Wer sich die Hände schüttelt, will letztlich Geruchsstoffe austauschen und die auch sofort überprüfen mittels Geruchssinn- aber sie wollten sicher gehen: daher prüften sie gleichzeitig den Luftstrom in der Nase der Probanden – mit deutlichem Ergebnis: Sobald die Teilnehmer die Hand auf irgendeine Weise zur Nase führten, verdoppelte sich die Menge der eingeatmeten Luft, sie wollten also wirklich daran schnuppern.

Die Kontrollgruppe, bei der keine Hände geschüttelt wurden, zeigte hingegen auch keinerlei Schnupperbewegungen.

Nach dem Händeschütteln wird nach neuesten Erkenntnissen erst mal an der Hand geschnuppert

Nach dem Händeschütteln wird nach neuesten Erkenntnissen erst mal an der Hand geschnuppert

Die Erkenntnis

Ergo:  Händedruck oder Händeschütteln dienen dazu, Geruchsstoffe auszutauschen, anhand deren man auf unbewusster Ebene sofort herausfinden kann: ist der mir sympathisch oder sollte ich den meiden?

Übrigens: Das Geschlecht spielte bei des Tests eine große Rolle: man fand heraus: wenn der Schüttelnde und der Geschüttelte dasselbe Geschlecht haben, wird länger an der geschüttelten Hand gerochen als bei unterschiedlichen Geschlechtern. Was das jetzt genau heißt, tja: nichts genaues weiß man nicht, dazu sind weitere Schüttel-und Schnupper-Experimente nötig. Eins ist aber klar: Nach dieser Studie sollte man aufs Händewaschen verzichten, das verfälscht ja die natürliche Duftnote!

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