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Das blaue Gold der Provence Die Bedrohung des Lavendels

Schon die Griechen und Römer wussten um seine heilende und wohltuende Wirkung, heute ist der Lavendel mit seinen blau-violetten Blüten und den duftenden Feldern zum Markenzeichen der Provence avanciert. Nun ist er durch eine hochansteckende Krankheit gefährdet.

Lavendelanbau in der Provence

Lavendelanbau in der Provence

Lavendelbauern haben sich auf den Anbau der duftenden Pflanze spezialisiert und verkaufen sie in Form von Sträußen, Ölessenzen, Duftkissen oder als getrocknetes Kraut zum Kochen und für Beruhigungstees.


Lavendel wirkt beruhigend und krampflösend und hilft zum Beispiel bei Magenkrämpfen und Nervosität.

Beim Lavendel unterscheidet man vor allem zwischen zwei Pflanzengruppen: Dem sogenannten "echten" oder auch "feinen" Lavendel und dem "Lavandin", der natürlich aus einer Kreuzung von Lavendel entsteht oder künstlich gezüchtet wird.

Lavendel und Lavandin

Der echte Lavendel wächst erst ab 800 Metern Höhe. Er ist wegen seines erfrischend zarten und süßlichen Geruchs bei den Parfümherstellern sehr begehrt und besitzt therapeutische Eigenschaften als Heilpflanze.

Lavendelstecklinge

Lavendel-Stecklinge

Beim "Lavandin"  handelt es sich um eine Kreuzung von echtem- und Speiklavendel. Er ist steril, wächst in tieferen Lagen und wird durch Stecklinge angebaut. Durch seinen starken Gehalt an Kampfer riecht es intensiver und wird daher vor allem in der Industrie als Duftstoff für Reinigungs- und Pflegemittel verarbeitet. Oder aber in den berühmten Duftsäckchen oder Seifen. 

Anfällig gegen Krankheiten

Der Erfolg des Lavendels und des Lavandin und der damit verbundene intensive Anbau hat aber auch seine negativen Seiten. Die Pflanzen sind anfälliger für Schädlinge und Krankheiten geworden.

Besichtigung eines Lavendelfelds auf dem Plateau de Valensole

Besichtigung eines Lavendelfelds auf dem Plateau de Valensole

Der Leiter des Forschungszentrums für Aroma- und Heilpflanzen, Eric Chaisse, untersucht die blasslilafarbenen Lavendelsträucher auf einem Testfeld in Manosque, einem kleinen Ort im Südosten Frankreichs.Die sonst grünen Stängel sind vertrocknet.

Gegenseitige Ansteckung

Diese Lavendelpflanzen wurden von winzigen, zwei Millimeter kleinen Insekten befallen, die allgemein "Cicadellen" genannt werden. Sie wurden mit dem Bakterium "Phytoplasma" infiziert und haben es auf die Pflanzen übertragen. Aber auch umgekehrt ist eine Ansteckung möglich, denn die Larven der Insekten verbringen den Winter in der Erde und ernähren sich von den Wurzeln des Lavendels. Wenn die Pflanze erkrankt ist, infiziert sie damit wiederum das Insekt. Ein Teufelskreis.

Die aktuellen Klimabedingungen verschärfen das Problem zusätzlich: die wachsenden Dürreperioden sind eher schädlich für die Pflanzen, aber günstig für die Insekten, weil sie die Wärme mögen und sich umso mehr entwickeln, je heißer und trockener es ist. (Eric Chaisse)

Resistent gegen die Erreger

Lavendel

Neue Lavendelzüchtungen sollen resistenter sein.

Seit Ende der 80er Jahre kämpfen die Lavendelbauern der Provence mit dieser Krankheit, mit steigender Tendenz. Zwischen den Jahren 2005 und 2009 sind ihre Lavendelfelder um die Hälfte geschrumpft. Durch verstärkten, neuen Anbau konnten in den vergangenen Jahren aber wieder neue Flächen gewonnen werden.

Die Forscher versuchen, möglichst resistente Pflanzen zu züchten, die so gut wie nie von dem Insekt befallen werden. Beim Lavendel ist dies bereits gelungen. Bei der Lavendelkreuzung "Lavandin" gestaltet es sich erheblich schwieriger und langwieriger.

Weißer Lehm nimmt Insekten den Appetit

Eine Lösung besteht darin, den Lavendelbauern zertifizierte gesunde oder resistente Pflanzen zur Verfügung zu stellen. Parallel dazu arbeitet Eric Chaisse mit seinen Kollegen an weiteren Lösungen:

Lavendel

Lavendel ist eine Heilpflanze

Am häufigsten wird Kaolinite eingesetzt, das ist weißer Lehm. Der wird auf die Pflanze gestreut und schafft damit eine Schutzschicht gegenüber dem Insekt. Dadurch wird auch die Farbe der Blätter ein bisschen verändert, sie werden gräulich und damit sicher weniger appetitlich. Farbe und Lehm stoßen das Insekt ab und es wird weniger Pflanzen infizieren. Damit haben wir bereits sehr gute Testergebnisse erzielt.

Weniger Monokultur

Eine weitere Möglichkeit ist es, zwischen den Lavendelreihen andere Pflanzen anzubauen, die den Lavendel oder Lavandin überragen und damit die Cicadellen irritieren, wenn diese aus der Erde schlüpfen und zu einer Nahrungsquelle fliegen wollen. Bis heute gibt es aber noch keine Technik, die für sich allein einen durchschlagenden Erfolg erzielen konnte.

Lavendelbauer aus Leidenschaft

Lavendel

Lavendel - das blaue Gold der Provence

Die Zeiten für die Lavendelbauern in der Provence sind schwerer geworden: sei es durch die wachsende Konkurrenz aus Europa, die Ertragsminderung durch die Krankheit oder durch den Klimawandel. Heute gehört viel Engagement dazu, wenn man vom Lavendelanbau leben möchte.

Doch gerade jene Landwirte, deren Familien schon über mehrere Generationen die wohlriechende, violettfarbene Pflanze anbauen, nehmen diese Anstrengungen immer wieder auf sich, so wie die Lavendelbäuerin Marguerite Blanc:
Der Lavendel ist eine mythische Pflanze. Sie hat eine Menge guter Eigenschaften und riecht angenehm. Ich bin mit dem Lavendel hier aufgewachsen und wenn man seine ganze Kindheit im Lavendel gebadet hat, kann man sich ein Leben ohne Lavendel nicht vorstellen.

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