Netzkultur

Der Nachfolger des Internets: Das Metaversum

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Die Tech-Industrie im Silicon Valley hat ein neues Lieblingswort: Das Metaversum. Die digitale Parallelwelt soll Nachfolger des Internets werden. Facebook hat dafür sogar eine eigene Abteilung gegründet. Und auch Microsoft Chef Satya Nadella sprach kürzlich vom „Enterprise Metaverse". Die Idee: Das Internet soll zum dreidimensionalen Raum werden, in dem man Inhalte nicht nur anschaut, sondern auch in ihnen steckt.

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Die Zukunft des Internets?

Die Idee des Metaversums — eines Verschmelzens von virtueller Internet-Welt und realer Welt — beflügelt schon länger die Fantasie, etwa im Film „Ready Player One“ von Steven Spielberg. Der ehemalige Amazon Manager und heutige Tech-Investor Matthew Ball hat nun in einer Essay-Reihe zum Thema genauer beschrieben, wie dieser „Nachfolger des Internets“ aussehen könnte.

In „Ready Player One“ wechselt die Handlung zwischen der realen und der virtuellen Gaming-Welt: Eine junge rothaarige Frau sitzt in einer Art Raumschiff. Sie trägt einen silbernen Overall mit Leuchtstreifen und blickt aufgeschreckt auf mehrere virtuelle Bildschrime, die vor ihr Texte und Bilder in die Luft projizieren. Um sie herum sind verschiedene Steuerelemente eines Cockpits. (Foto: Imago, IMAGO / Everett Collection)
In „Ready Player One“ aus dem Jahr 2018 wechselt die Handlung fast nahtlos zwischen der realen und der virtuellen Gaming-Welt. Imago IMAGO / Everett Collection

Mit seinen Essays, die ab Juni 2021 veröffentlicht wurden, sorgt Ball für Aufsehen im Silicon Valley und darüber hinaus: Sogar Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat die Artikel von Ball zur Pflichtlektüre für seine Mitarbeitenden erklärt — und eine eigene Abteilung eingesetzt, die sich mit den strategischen Ansätzen beschäftigen soll. Microsoft-Chef Satya Nadella spricht von einem Wandel hin zu metaversen Geschäftsmodellen.

Alles ist eins — offline und online

„Es geht nicht um den Super-Computer in unserer Hosentasche oder dass wir dauernd mit dem Netz verbunden sind“, erklärt Ball, „es geht darum, dass wir mehr und mehr Zeit, Freizeit wie Arbeit, in virtuellen Welten und Simulationen verbringen.“

Für Matthew Ball ist das Metaversum ein durchlässiges Netz: Daten verschiedener Anbieter können problemlos ausgetauscht werden — Stichwort Interoperabilität. Das Ein- und Ausloggen in verschiedene Accounts entfällt und abgeschottete Dienste wie iMessage von Apple oder Whatsapp von Facebook, Signal oder Telegram existieren dort nicht. Das Metaversum hat eine eigene Wirtschaft mit eigener Währung. Offline- und Online-Welt rücken näher zusammen.

Die Icons von Telegram, Whatsapp und Signal auf einem Smartphone-Display (Foto: Imago, IMAGO / Friedrich Stark)
Statt mehreren Messengern mit eigenen Logins einfach bequem von einem zum anderen wechseln und das auf unterschiedlichen Geräten — das soll im Metaversum möglich sein. Imago IMAGO / Friedrich Stark

Der Wandel zeigt sich bereits

Viele Jahrzehnte werde es aber noch dauern, bis solch ein Metaversum tatsächlich existiert, meint der Technologie-Experte. Schon jetzt könnte man aber einen Wandel erleben, etwa was Kryptowährungen angeht, die inzwischen ebenso zu unserem Alltag gehören wie riesige Spiele-Communitys.

„2015 wurden weniger als fünf Milliarden Dollar für virtuelle Güter ausgegeben. Letztes Jahr waren es bereits 55 Milliarden“, rechnet er vor: „Heute sind jeden Tag mehr als 350 Millionen Menschen in den großen Online-Spielesimulationen.“

Spieleplattformen als Vorreiter

Vorreiter sind vor allem Spieleplattformen: Events aus der Offline-Welt wie Konzerte finden auf Spieleplattformen online statt — die US-Stars Travis Scott und Ariana Grande arbeiten mit Auftritten bei Fortnite. Online-Spiele werden dort gemeinsam gespielt.

Blick ins Event: Travis Scott 2020 auf Fortnite

Die für Kinder und Jugendliche gemachte Online-Spieleplattform Roblox, die auf täglich 40 Millionen User kommt, ist für Ball aber ein noch besseres Beispiel: „Dort hat man über alle Ebenen hinweg eine einzige Identität, ein fortbestehendes Netzwerk an Freunden, einen immer gleichen Zugang sowie eine gemeinsame Währung. Das kommt der Idee des Metaversums zur Zeit vermutlich am nächsten.“

Wird Medien- und Technologiegigant Apple daran zugrunde gehen?

Kritisch sieht Matthew Ball Unternehmen, die ihre Produkte abschotten — beispielsweise der Milliarden-Konzern Apple. Die könnten unter die Räder kommen, prophezeit er. „Apple blockiert ganz gezielt Technologien, die wichtig für ein Metaversum wären, weil sie das Geschäftsmodell des Unternehmens gefährden“, so Ball.

Aus Verbraucher-Sicht hingegen wäre ein Metaversum zu begrüßen, weil man seine Daten z.B. einfacher vom einem zum anderen Anbieter transferieren könnte.  Noch sind die Vorstellungen, wie solch ein Metaversum aussehen könnte, allerdings eher diffus. Schon allein, weil unsere heutigen Netze zu langsam und unsere Rechner zu schwach sind.

Einigkeit herrscht aber: Die heutigen Netze werden immer mehr verschmelzen. Das Metaversum bloß als neuen Hype-Begriff abzutun, wäre zu kurz gegriffen.

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