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Delfinarien? Nein Danke! Delfine gehören in den Ozean

Delfinarien sind umstritten. Wie groß die Ablehnung in der Bevölkerung ist, zeigt eine von der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. in Auftrag gegebene Studie der Gesellschaft für Konsumforschung. Die Mehrheit der Befragten spricht sich für ein bundesweites Auftritts- und Haltungsverbot von Delfinen aus. SWR2 Impuls spricht mit der Meeresbiologin und PETA-Kampagnenleiterin Dr. Tanja Breining.

Delfinarium in Duisburg

Delfinarien - Schutzreservate für gefährdete Tiere oder Tierquälerei?


Bundesweit wurden 2.000 Frauen und Männer ab 14 Jahren befragt. Das Ergebnis: 71,3 Prozent sind der Meinung "Delfine gehören in den Ozean, nicht in den Zoo". Hat Sie das Ergebnis der Umfrage überrascht?

Nein, überhaupt nicht, wir bekommen die Ablehnung der Bevölkerung immer wieder auf anderen Wegen mit. Insofern hatten wir das schon erwartet.

Haben Delfinarien im Ausland einen besseren Ruf?

Dr. Tanja Breining

Dr. Tanja Breining

Nein, denn auch in der Schweiz werden Delfinarien geschlossen, Connyland zum Beispiel wird zumachen Ende der Saison, und zwar aufgrund von Protesten. Zwei Delfine sind letztes Jahr im Connyland gestorben, das hat den Unmut der Bevölkerung ausgelöst. In Frankreich gibt es Umfragen, die unsere Umfragen bestätigen, immer mehr Menschen europaweit meinen, Delfine gehören ins Meer und nicht in ein enges Betonbecken.

Delfine gelten in der Wissenschaft als komplexe Lebewesen, wie zeigt sich das in der Natur?

Spielende Delfine vor Kapstadt

Spielende Delfine vor Kapstadt

In erster Linie am ebenso komplexen Sozialverhalten. Delfine leben in großen Sozialverbänden, oft sind mehrere 100 Tiere zusammen, die gemeinsam Nahrung suchen und miteinander spielen; sie unterstützen sich gegenseitig, wenn sie krank sind, es gibt sogar eine Art von Geburtshilfe - das alles fällt im Delfinarium völlig weg. In der freien Natur unterstützen andere Weibchen die Mutter und helfen ihr das Neugeborene zu schützen, oder sie helfen dabei, das Baby zum Luftholen an die Wasseroberfläche zu tragen. Im Delfinarium fehlt diese Unterstützung, deshalb gibt es dort immer wieder Totgeburten.


Es gibt in der Natur auch eine ebenso komplexe Kommunikation, Delfine schwimmen 100 Kilometer pro Tag, sie tauchen bis zu 300 Meter tief, sie orientieren und kommunizieren über weite Strecken mithilfe eines Echolotsystems, das im Delfinarium natürlich außer Kraft gesetzt wird.

Gibt es pathologische Verhaltensauffälligkeiten im Delfinarium?

Delfinarium im Nürnberger Zoo

Delfinarium im Nürnberger Zoo

Durch die Enge und den Stress können die Tiere depressiv oder aggressiv werden, sie werden dann mit Medikamenten ruhig gestellt, etwa mit Valium, die Tiere leiden eben sehr und werden deshalb behandelt. Viele leiden massiv an Langeweile, sie können ja nicht wie im Ozean weit schwimmen oder mit Artgenossen spielen, auch das ist ein Stressfaktor.

Das Delfinarium in Nürnberg hat die Ausschüttung von Stresshormonen der Tiere gemessen und nichts gefunden?
Ja, dann muss man aber auch messen, inwieweit diese Tiere vorher medikamentös ruhig gestellt worden sind. Im Connyland in der Schweiz sind ja zwei Delfine gestorben, nach der Technoparty 2011, ein Tierarzt war da, bei ihnen hat man auch keinen Stress feststellen können, aber es stellte sich heraus, dass sie medikamentös behandelt worden waren. Es gibt eben keinen einzigen glücklichen Delfin im Delfinarium, die intelligenten Tiere werden degradiert zu Zirkusclowns, sie werden vollgepumpt mit Medikamenten, sie haben keine Möglichkeit zu tauchen oder zu spielen.

Ist es realistisch, wenn man wie Sie fordert, alle Delfinarien zu schließen?

Delfin im Delfinarium Münster

Delfin im Zoo Münster

Ja, in Deutschland bleiben eigentlich nur noch zwei übrig, in Nürnberg und Duisburg, und wir denken, dass es unausweichlich ist, dass die beiden zugemacht werden. Allerdings: Der Zoo Duisburg und der Tiergarten Nürnberg halten trotz großer Proteste am Betrieb ihrer Anlagen fest. Die derzeit 17 Delfine in den Parks leiden neben dem Stress permanenter Trainings und Vorstellungen vor allem an der eingeschränkten Bewegungsfreiheit.

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