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Corona in Schweden: Der Sonderweg ist gescheitert

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Schweden hat deutlich weniger einschneidende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen als andere Länder. Dieser Weg ist gerade angesichts steigender Infektionszahlen und Sterbefälle hoch umstritten.

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König äußert sich zur Lage und bricht damit ein Tabu

Knapp 8.800 vorwiegend ältere Menschen sind in Schweden nach den bisher letzten veröffentlichten Zahlen von Ende Dezember 2020 mit oder an Covid-19 gestorben. In seiner Weihnachtsansprache hatte König Carl Gustaf deshalb ein Tabu gebrochen und sich zur aktuellen Pandemiepolitik geäußert, also zum schwedischen Sonderweg:

"Ich glaube, wir haben versagt. Viele Menschen sind gestorben und das ist furchtbar. Das schwedische Volk hat enorm gelitten."

Situation deutlich dramatischer als in Norwegen und Finnland

Bis Ende des Sommers waren die meisten Schweden noch überzeugt, dass Staatsepidemiologe Anders Tegnell den richtigen Weg gewählt hatte: Kaum Verbote, wenig Einschränkungen, keine Maskenpflicht. Stattdessen Verhaltensempfehlungen. So sollten Gesellschaft und Wirtschaft geschont werden.

Aber das Virus schont nichts und niemanden. Auch hier ist die zweite Corona-Welle mit voller Wucht angekommen. Die Lage ist sogar deutlich dramatischer als bei den Nachbarn Norwegen und Finnland und in anderen europäischen Ländern.

Ende des Jahres deutete sich bereits die Abkehr vom Sonderweg an. Zunächst wurden die Empfehlungen verschärft: nicht notwendige Einkäufe meiden trotz weiter geöffneter Geschäfte, Maskentragen unter anderem in vollen Bussen und Bahnen.

Fehlverhalten von Politikern ärgert schwedische Bürgerinnen und Bürger

Kurz danach wurde ausgerechnet Regierungschef Stefan Löfven ohne Mundschutz mitten in einer Stockholmer Shoppingmall fotografiert und heftig kritisiert, unter anderem von Lena Mellin, innenpolitische Kommentatorin bei der Zeitung „Aftonbladet“:

"Gallerian ist ja ein wirklich großes Einkaufszentrum, wo es nicht zwangsläufig Gedränge gibt. Trotzdem glaube ich, es wäre für Löfven am besten, er ginge überhaupt nicht mehr einkaufen. Er macht sich angreifbar, wenn er die eigenen Ratschläge nicht befolgt."

Mitte Januar 2021 sollen erstmals Geschäfte geschlossen werden

Erwischt wurde auch Zivilschutzchef Dan Eliasson – beim Weihnachtsurlaub auf den Kanaren. Zwei Tage vorher hatte er noch seine Landsleute zum Reiseverzicht aufgefordert. Auch deshalb sind immer mehr Schweden sauer  und misstrauisch. Man sieht mehr freiwillige Maskenträger im Land. Und eine Regierung unter Druck.

Gesundheitsministerin Lena Hallengren will am Freitag ein neues Pandemiegesetz durch den Reichstag bringen, das erstmals Schließungen auch von Geschäften vorsieht – und damit faktisch das Ende des schwedischen Sonderweges.

"Das Covid-19-Gesetz ist ein Rahmengesetz, mit dem der Reichstag der Regierung vorübergehend das Recht erteilt, verpflichtendere Infektionsschutzmaßnahmen zu erlassen. Das Gesetz soll am 10. Januar in Kraft treten und bis September 2021 gelten."

Gedenkgottesdienst für die Opfer der Corona-Pandemie

In der Schlosskirche von Drottningholm fand am 11. März 2021 ein Gedenkgottesdienst für die Opfer der Pandemie statt. Ein Jahr zuvor, am 11. März 2020, hatte Schweden das erste Todesopfer in Verbindung mit Covid-19 zu beklagen.

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