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Seit 2008 in der Verfassung Bhutans verankert: Staatsziel Glück!

Bhutan Königreich des Glücks

1972 hat der König von Bhutan das "Glück" zum obersten Ziel der nationalen Politik ausgerufen. Lässt sich mit Maßnahmen der Regierung das Bruttosozialglück der Bürger verbessern? SWR2 Impuls im Gespräch mit der Wissenschaftsredakteurin Ulrike Till, die das Land vor Kurzem besucht hat.

Kann man Glück von oben politisch verordnen?
Kann man nicht, das bilden sich die Bhutanesen aber auch nicht ein. Der König will nicht alle glücklich machen, er will die Bedingungen dazu bereitstellen. Und dann schaut man mit einem eigenen politischen Apparat, mit 8000 Glücksforschern, ob das Volk dadurch glücklicher wird. Diese Forscher schwärmen regelmäßig aus und befragen das Volk, wie fühlt ihr euch, was macht euch glücklich, wie denkt ihr über das Bildungssystem etc. Und da kann die Antwort schon mal lauten, ich fühl mich glücklich wegen eines neuen Handys.

Junge Frauen in Bhutans Hauptstadt Thimphu

Junge Frauen in Bhutans Hauptstadt Thimphu. Die Bhutaner gelten als eines der glücklichsten Völker der Welt.


Das ist also sehr subjektiv?
Ja, genau. Und bei der letzten Glücksumfrage, da war die Regierung richtig unglücklich. Es kam nämlich raus, dass 9 Prozent der Bevölkerung unglücklich sind, das ist natürlich gar nicht gut für diesen Staat.

Funktioniert so etwas nur in einer Monarchie?
Ja, klar, aber Bhutan ist eine konstitutionelle Monarchie etwa wie England, obgleich der König nebst einem Abt schon die wichtigsten und auch mächtigsten Personen im Staate sind, die beiden werden wie Heilige verehrt.


Glück kann man doch nicht messen, also arbeiten diese bhutanesischen Glücksforscher doch umsonst?
Die Statistiken der Glücksforscher spiegeln selten die wirkliche Befindlichkeit der Menschen wider, man hat herausgefunden, dass diese 9 Prozent der Unglücklichen sich selbst gar nicht unbedingt als unglückliche Menschen empfinden. Gerade auf dem Land ist das Glücksempfinden sehr hoch, man trifft dort viele, die zufrieden wirken, sie sind offen und fröhlich, sie leben zwar in Armut, haben aber genug zu essen, sie haben Zugang zu Bildung und es geht ihnen emotional gut.

Glück ist keine Sache des Alters oder des vorhandenen Reichtums

Glück ist keine Sache des Alters oder des vorhandenen Reichtums

Dann sieht man wieder zerlumpte Bauarbeiter aus Indien, die mit ihren Familien in Wellblechhütten hausen, die bauen Straßen und denen geht es überhaupt nicht gut, das passt kaum zum Glücksprojekt.


Warum hat man dieses Projekt überhaupt eingeführt?
Ein König hat erkannt, wir sind keine Militärnation, wie sind keine große ökonomische Macht, wir haben andere Stärken, und die liegen in der Beziehung zur Umwelt, der Religion, der Natur, das sind auch die Säulen des Glücksprinzips, es geht um das Respektieren der Natur, um gerechtes Wachstum, es gibt ein Bemühen um gerechte Politik. Man hat etwa eine florierendes Sägewerk geschlossen, weil dadurch zu viel Wald abgeholzt wurde.


Gibt es eine zum Glück passende Philosophie im Land?
Man ist buddhistisch, man ist sehr religiös, man hat Mitgefühl mit Tieren, überhaupt mit allen Kreaturen, das ist wichtig. Straßenhunde werden zum Beispiel niemals getreten oder gequält. Viele Menschen gehen vor der Arbeit beten im Tempel. Ich habe Klosterfeste erlebt, das war eindrucksvoll, das war keine inszenierte Folklore für Touristen, das war echt und es sah aus wie ein ritueller Schamanentanz mit Holzmasken.

Bhutan - Buddhistische Mönche feiern einen traditionellen Maskentanz zum Neujahrsfest

Bhutan - Buddhistische Mönche feiern einen traditionellen Maskentanz zum Neujahrsfest



Übrigens um auf das Glück zurückzukommen: Die Bevölkerung steht dem staatlichen Glücksprojekt oft auch mit gesunder Ironie gegenüber, man sagt etwa, ach bei diesen 9 Prozent Unglücklichen, da hat man wohl die vielen arbeitslosen Akademiker vergessen, die hätten die Prozentzahl noch erhöht. Es ist nicht alles heile Welt, ebenso wie der Bauboom, der eher hässliche Luxushotels entstehen lässt. Und ich weiß nicht, ob man die hehren Umweltschutzziele erreichen kann. Man sieht jetzt in der idyllischen Landschaft viele Plastiktüten, Chipstüten, die die Bhutanesen dort hingeworfen haben.

Würden Sie nochmal hinfahren?
Sofort, es war eine der schönsten Reisen, die ich bisher gemacht habe, es war alles so fremdartig und dann wieder voller Widersprüche, diese Kultur ist in Teilen noch ursprünglich, weil das Land nie kolonialisiert worden sind, die haben zum Beispiel in Bhutan erst 1999 das erste Fernsehen bekommen. Da hat sich etwas erhalten, was sehr ursprünglich und natürlich ist. Heute haben übrigens fast alle Mönche Smartphones.

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