Bildungspolitik

Bundestagswahl: So sehen die Pläne der Parteien zur Bildung aus

STAND
AUTOR/IN

Bildung spielt zwar hauptsächlich auf Länderebene eine Rolle. Doch auch bei der Bundestagswahl haben die Parteien Pläne zu Bildung — dabei geht es vor allem um Digitalisierung und Bildungsgerechtigkeit. In einer Sache sind sich die Parteien einig: Bei der Digitalisierung der Schulen gibt es Nachholbedarf. Das hat die Corona-Pandemie noch einmal offengelegt. Doch was sagen CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke und AfD genau in ihren Programmen?

Audio herunterladen (3,3 MB | MP3)

Die Union will „allen Bildung ermöglichen“

„Der Grundstein für Aufstieg durch Bildung wird schon im frühen Kindesalter gelegt. Für uns gilt: Die Herkunft von Menschen darf nicht über ihre Zukunft entscheiden“, heißt es im Wahlprogramm.

Darum will die CDU den Kita Ausbau weiter fördern, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll verbessert werden. Besonders wichtig ist der CDU die sprachliche Bildung. So soll es für Kinder von drei Jahren an verbindliche Sprachtests geben. Im Bereich Forschung will die CDU mehr Frauen für technische und naturwissenschaftliche Studiengänge ansprechen. Das Bafög soll modernisiert und die Altersbeschränkung dafür gestrichen werden.

Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien ist im „Expertenteam“ von Armin Laschet (CDU) für die Bundestagswahl: Eine Frau mit schulterlangen, helleren Haaren spricht auf einem Podium in ein Mikrofon und gestikuliert mit der anderen Hand. Neben ihr steht ein kleinerer Mann mit grauen Haaren und Brille. Im Hintergrund ist eine blaue Wand mit schwarz-rot-goldenen Streifen. In schwarzer Schrift auf weißem Untergrund steht darauf „Zukunftsteam“. (Foto: imago images, IMAGO / Emmanuele Contini)
Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien ist im „Expertenteam“ von Armin Laschet (CDU) für die Bundestagswahl. IMAGO / Emmanuele Contini

Der SPD ist „frühkindliche Bildung wichtig“

„Der Kampf gegen Bildungsbenachteiligung muss in allen Systemen konsequent stattfinden. Deshalb werden wir die frühkindliche Bildung weiter ausbauen“, so das Programm der Partei für die Bundestagswahl 2021.

Außerdem soll jede*r Schüler*in einen Internetzugang sowie ein digitales Endgerät bekommen. Auch die SPD will die Altersgrenze beim Bafög aufheben. Im Hochschulbereich soll die Forschung gefördert werden: Neben Zukunftstechnologien wie Quantentechnik will die SPD hier auch Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften fördern.

Die AfD „befürwortet das mehrgliedrige Schulsystem“

Die Partei lehnt Gesamtschulen ab und will Förder- und Sonderschulen erhalten. „Die Bildungsstandards aller Schulformen und Bildungseinrichtungen müssen wieder auf das Niveau einer führenden Wissenschafts- und Industrienation gehoben werden“, sagt sie in ihrem Wahlprogramm.

Außerdem will die AfD deutsches Kulturgut im Unterricht vermitteln. An Universitäten sollen Master- und Bachelorabschlüsse durch Magister und Diplom ersetzt werden. Zudem will die AfD kein Geld mehr für Gender-Forschung ausgeben.

Bild einer jungen Frau mit Universitätsrobe und -hut. Sie trägt eine grüne Dreiecks-Stola. Sie hat blonde Haare, die zu einem kurzen Zopf gebunden sind. Man sieht sie von hinten. Sie hat einen schwarzen, filigranen Ohrhänger im Ohr. Um sie herum stehen weitere Studierende im gleichen Outfit. (Foto: imago images, IMAGO / photothek)
Bye bye, Bologna: Die AfD möchte statt Bachelor und Master wieder auf Diplom und Magister umstellen. IMAGO / photothek

Die FDP will „einen Deutschtest für Kinder“

Der Test soll ein Jahr bevor sie in die Schule kommen, gemacht werden. Gegebenenfalls sollen sie dann noch einmal gefördert werden. Außerdem will die FDP, dass künftig Bund und Länder gemeinsam für Bildung zuständig sind. Im Wahlprogramm heißt es: „Wir fordern bundesweite Abschlussprüfungen für die Mittlere Reife und das Abitur sowie qualitativ hochwertige Bildungsstandards.“

Daneben fordert die FDP die Schulfächer Wirtschaft und Informatik einzuführen. Student*innen sollen auch über die Regelstudienzeit hinaus Bafög erhalten können. Außerdem betont die FDP mit Blick auf die sogenannte Cancel Culture die Wissenschaftsfreiheit.

Die Linke will „kostenlose öffentliche Kitas“

In den Kitas soll es auch ein kostenloses Essen geben. Einen kostenlosen Laptop  will die Linke ebenfalls allen Schüler*innen zur Verfügung stellen. Daneben will sie hunderttausende Lehrer*innen und Erzieher*innen einstellen. Außerdem heißt es im Wahlprogramm: „Statt immer mehr Kindern den Stempel eines Förderbedarfs aufzudrücken, wollen wir das mehrgliedrige Schulsystem Schritt für Schritt abbauen.“ Nach den Plänen der Linken sollen Studierende das Bafög künftig nicht mehr zurückzahlen müssen.

Wahlplakat von Die Linke zur Bundestagswahl im September 2021, Offenbauch am Main in Hessen. Auf dem Plakat an einer vielbefahrenen Straße steht „Für Bildung und Soziales: Vermögenssteuer. Jetzt!“ (Foto: imago images, IMAGO / Norbert Neetz)
Die Linke scheint schon genaue Vorstellungen zu haben, wie sie ihr Bildungsprogramm finanzieren könnte. IMAGO / Norbert Neetz

Die Grünen wollen „mehr Erzieher*innen einstellen“

Auch die Grünen wollen Kitas ausbauen. Daneben wollen die Grünen einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Grundschüler*innen. Außerdem heißt es im Wahlprogramm: „Wir wollen, dass Tablet oder Laptop selbstverständliche Lernmittel sind. Unser Ziel ist es, allen Schüler*innen neue Arten des Lernens zu ermöglichen.“

Eine bessere Zusammenarbeit von Bund und Länder bei Schulen — das wollen auch die Grünen. Bafög soll zu einer Grundsicherung weiterentwickelt werden, unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Bildung Studie: Zu wenige Kitaplätze, zu wenige Erzieher*innen

Deutschland ist trotz massiven Kita-Ausbaus weit von einer idealen Kinderbetreuung entfernt. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Ländermonitorings "Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann-Stiftung.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Gespräch Bundestagswahl 2021: Der Wahl-O-Mat kann den Wahlkampf sachlicher machen

„Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung ist eine sinnvolle Entscheidungshilfe für die Wählerinnen und Wähler, weil er den Fokus auf die inhaltlichen Positionen der Parteien lenkt“, sagt der Politikberater Johannes Hillje. Er ermögliche einen „direkten Abgleich“ zwischen den Positionen eines Wählers und den Parteien.
In Zeiten eines „hyperpersonalisierten Wahlkampfs“, eines „Wahlkampfs der Nebensächlichkeiten“ diene der Wahl-O-Mat auch der Versachlichung von Wahlentscheidungen. Kaum eine Wählerin oder ein Wähler lese die Wahlprogramme der Parteien von Anfang bis zum Ende. Der Wahl-O-Mat biete hier den Vergleich eines breiten Themenspektrums. Die Themenauswahl des Wahl-O-Mat müsse man aber auch immer wieder kritisch hinterfragen, meint Johannes Hillje.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Kommunikation Studie: Die Wahlprogramme der Parteien sind unverständlich

Nach einer Untersuchung der Uni Hohenheim sind die Wahlprogramme der Parteien umständlich und kompliziert geschrieben. Die Folge: Die breite Masse der Wähler kann die Inhalte nicht verstehen. Für den Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider ist das ärgerlich und eine vergebene Chance.
Christine Langer im Gespräch mit dem Kommunikationswissenschaftler Prof. Frank Brettschneider  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

SWR2 Wissen: Aula Die Qual der Wahl? Perspektiven auf das Hochamt der Demokratie

Am 26. September 2021 sind Bundestagswahlen. Von einer Schicksalswahl ist die Rede. Doch viele Menschen sind wahlmüde. Dabei kommt es gerade jetzt darauf an, diesen zentralen Baustein der Demokratie wieder zu entdecken. Von Felix Heidenreich.  mehr...

SWR2 Wissen: Aula SWR2

Forum Wahlkampf mit roten Socken – Wer hat Angst vor Rot-Grün-Rot?

Claus Heinrich diskutiert mit
Stephan Hebel, Redakteur "Frankfurter Rundschau"
Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Akademie Tutzing
Robert Pausch, Redakteur "Die Zeit"  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Zeitgeschichte Stimmen der Macht: Wie Regierungssprecher Mediengeschichte schreiben

Steffen Seibert wird der dienstälteste Regierungssprecher sein, wenn er nach der Bundestagswahl im September 2021 nach elf Jahren abtritt. Seine Arbeit reflektiert den Einzug der sozialen Medien ins tägliche Geschäft: Auch der Regierungssprecher ist nun auf Twitter vertreten und nutzt die Plattform regelmäßig. Seine Vorgänger hatten mit anderen Umbrüchen zu kämpfen — die Reihe „Stimmen der Macht“ zeigt, welche, und wie sie mit dem stetigen Wandel der Medienwelt, nicht immer erfolgreich, umgegangen sind.  mehr...

STAND
AUTOR/IN