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Brustkrebs bei Männern Selten, aber gefährlich!

Brustkrebs zählt zu den häufigsten Tumorarten, in den westlichen Industrienationen ist jede 8. Frau betroffen. Viel Forschung wird betrieben, Diagnostik und Therapie haben mittlerweile ein hohes Niveau erreicht, Aufklärungs- und Präventionskampagnen sind an der Tagesordnung – und doch gibt es beim Brustkrebs eine erstaunliche Informationslücke: Nicht nur Frauen bekommen ihn, sondern auch Männer.

Nahaufnahme einer männlichen Brustwarze

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken

Es beginnt fast immer unter der Dusche: Ein Knubbel unter der Brustwarze, nichts, worüber Männer sich Sorgen machen, wenn sie ihn denn überhaupt registrieren. Dass dieser Knubbel ein tödlich verlaufender Tumor sein kann, weiß kaum jemand. Dabei ist der einzige Unterschied zwischen Männern und Frauen die Häufigkeit des Tumors: Statistisch erkrankt jede achte Frau an Brustkrebs, aber nur jeder 800. Mann. Und weil der männliche Brustkrebs so selten ist, wird er kaum erforscht. Wirklich genau weiß zum Beispiel niemand, ob der Brustkrebs bei Männern wie bei Frauen eine Zivilisationskrankheit ist, also auch vom Lebensstandard abhängt.

Genetik, Übergewicht und Betablocker

Sicher ist: Auch bei Männern spielt der genetische Faktor eine Rolle. Wenn in der Familie Frauen häufig an Brustkrebs erkranken, sind auch die Männer gefährdeter. Wer Betablocker nimmt hat ebenso ein erhöhtes Risiko wie Männer mit starkem Übergewicht, Alkoholiker oder Patienten, die nach einer Masern- oder Mumpsinfektion eine Hodenentzündung bekommen haben. Die Risikofaktoren sind vielfältig, aber noch längst nicht genügend erforscht.

Schnelles Handeln rettet Leben

Wird ein Mammakarzinom diagnostiziert, muss alles sehr schnell gehen, weil Tumore der männlichen Brustdrüse aggressiver sind als bei Frauen und häufig zu spät erkannt werden. Unbehandelt oder zu spät behandelt streut der Tumor bei Frauen und Männern in Lunge, Leber und Knochen. Peter Mallmann rät allen Männern bei unklaren Veränderungen der Brust sofort ein Brustzentrum aufzusuchen – Besuche beim Hausarzt sind für ihn verlorene Zeit. Anhand eines Ultraschalls kann dann schnell geklärt werden, ob ein Knoten in der BRust harmlos ist oder besser biopsiert werden sollte.

Schwierige Behandlung

Die Behandlung des Brustkrebses unterscheidet sich bei Männern und Frauen kaum voneinander. Zunächst entfernen Chirurgen befallene Lymphkonten der Achseln und nach Möglichkeiten den Tumor selbst. Da Männer in der Regel weniger umgebendes Gewebe haben, ist es bei diesem Eingriff allerdings schwierig, den Tumor mit dem notwendigen Sicherheitsabstand zu entfernen. Anschließend bekommen Männer ebenfalls eine antihormonelle Chemotherapie – leider mit allen bekannten Nebenwirkungen. Neben der medizinischen Belastung, müssen Männer dabei noch mit einem weiteren Problem fertig werden. Frauen dürfen bei der Diagnose "Mammakarzinom" auf Mitgefühl hoffen, Männer müssen sehr viel mehr erklären – kaum jemand glaubt ihnen.

Noch viel Lobbyarbeit nötig

von Krebszellen befallenes Gewebe wird mit einer Pinzette in einen Behälter gegeben

Nur eine Gewebeentnahme kann Gewissheit bringen

Es ist ein Dilemma: Auf der einen Seite wird Brustkrebs mit jährlich 60.000 neuerkrankten Frauen in Deutschland als Volkskrankheit angesehen, andererseits tauchen die jährlich rund 500 neuerkrankten Männer in keiner Statistik auf. Angesichts der niedrigen Betroffenenzahlen zeigen Pharmakonzerne zudem nur geringes Interesse, sich dem Thema "Männlicher Brustkrebs" zu widmen – vor dem Hintergrund einer als therapeutisches Ideal deklarierten „individualisierten Medizin“ ein unhaltbarer Zustand.

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