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SWR2 Wissen. Von Nadja Odeh

Er ist die "Duftmarke" des Christentums: Der Weihrauchbaum stammt aus der Hitze Südarabiens. Der Rauch seiner Harztropfen symbolisiert das zu Gott aufsteigende Gebet. Heute interessiert sich auch die Medizin für den Weihrauch: Er soll bei Husten oder Darmerkrankungen helfen.

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Beheimatet ist der Weihrauchbaum (Boswellia sacra) in Südarabien. Hier begann einst die bedeutende Weihrauchstraße, auf der die kostbaren Harze in alle Welt transportiert wurden. Auf den dortigen Märkten - zum Beispiel in Salalah im Oman - verkaufen ihn die Beduinenfrauen die getrockneten Baumharze: tropfenförmige Klumpen, mal von der Farbe dunklen Honigs, mal weißlich gelb, mal grünlich schimmernd.



Legt man einen Tropfen des Weihrauch-Harzes auf ein Stück glühende Kohle, steigt ein Duft auf, mit dem man Götter und Herrscher ehrte, in Jahrtausende alten Traditionen, die noch immer nachklingen: sei es in dem Wort Parfüm, lateinisch per fumum - "durch den Rauch", oder in der christlichen Liturgie.

So sieht der Weihrauchbaum aus

Weihrauchbäume sind bizarr geformte einzelne Baumgebilde an felsigen Hängen, so niedrig und schon am unteren Stamm knorrig verzweigt, dass man sie auch für besonders große Büsche mit kräftigen Ästen halten könnte. Die Berge der südarabischen Provinz Dhofar in Oman gehören zu den seltenen Flecken auf der Erde, wo diese Wüstenbäume gedeihen. Die harzreichen Nutzpflanzen gibt es sonst nur noch in Äthiopien, Somalia und Indien.

Ein Weihrauchbaum (Foto: SWR, SWR - Nadja Odeh)
Ein Weihrauchbaum SWR - Nadja Odeh

Die Ernte des Baumharzes...

... findet Anfang April bis zum Einsetzen des Sommermonsuns statt. Dazu wird die Rinde der wildwachsenden Bäume mit einem speziellen Schabemesser, das wie ein Spachtel aussieht, in Jahrtausende alter Technik so flach angeschnitten, dass die Harzproduktion angeregt, der Baum aber nicht verletzt wird. Dieser erste Schnitt dient dazu, wie es heißt, die „Poren“ des Baumes zu öffnen. Ein milchiger Saft tritt aus. Er gilt als wertlos und wird nach einiger Zeit einfach weggeschabt. Erst mit dem zweiten und dritten Einschneiden der Rinde bildet sich in Tropfen, das wertvolle „Olibanum“ – Das Weihrauchharz. Nach der Ernte werden die Tropfen bis zu drei Wochen in der Sonne zum Trocknen ausgelegt.

Der Preis

Der Verkauf von Weihrauch ist im südarabischen Salalah in Frauenhand. Sie verkaufen die silbrigen Harztropfen, die sie „Fusus“, „Perlen“, nennen. Der Harz selbst wird von Beduinen geliefert: eine Gounieh (= 40 Kilo), kostet zwischen 130 und 185 Omanische Rial (umgerechnet 260-360 Euro). Die Frauen selbst verkaufen den Weihrauch, in Tüten abgepackt, für bis zu 10 Rial (20 Euro) das Kilo - ein Spottpreis im Vergleich zur Antike, als Weihrauch einer der kostbarsten Rohstoffe der Welt war.

Auf dem Weihrauchmarkt von Salalah (Foto: SWR, SWR - Nadja Odeh)
Auf dem Weihrauchmarkt von Salalah SWR - Nadja Odeh


Die älteste Handelsroute der Welt: die Weihrauch-Straße
Der Handel mit den Harzen begann etwa 2500 vor Christus. Nur auf den Rücken von Kamelen konnte die wertvolle Fracht Tausende von Kilometer durch die arabische Wüste transportiert werden, vom Indischen Ozean bis ans Mittelmeer. Unzählige Karawanen von bis zu 400 Lastkamelen zogen schwer beladen die berühmte Weihrauch-Straße entlang, damit den Göttern im Alten Ägypten, im mesopotamischen Babylon, in den Tempeln Griechenlands und Roms gehuldigt werden konnte. Und sie verhalfen Südarabien so zu seinem legendären Reichtum: Arabia Felix! Zum Leidwesen der Neider, die versuchten, die Weihrauchbäume in ihren Ländern anzusiedeln, stellte man fest: Die wildwachsenden Bäume lassen sich weder züchten noch verpflanzen. Deshalb werden sie von den Omanis als Ni‘mat Allah, als Geschenk Gottes bezeichnet.

Auch Dromedare wurden als Lasttiere eingesetzt (Foto: SWR, SWR - Nadja Odeh)
Auch Dromedare wurden als Lasttiere eingesetzt SWR - Nadja Odeh

400 Euro pro Monat für Düfte

In Oman werden monatlich für Weihrauch und Bokhur mehr als 200 Rial ausgegeben, etwa 400 Euro. Es gibt kein Haus, in dem nicht täglich Weihrauch verbrannt wird. Nicht für religiöse Zwecke, sondern vor allem, um sich zu parfümieren. Sobald die weißlichen Duftschwaden aufsteigen, stellen sich Männer wie Frauen über die kleinen tönernen Brenner, damit der Geruch in ihre Gewänder einzieht, oder sie halten sich die Gefäße unter ihre Schals und Kopftücher. Kleider, Haut und Haare nehmen die angenehm ätherischen Düfte an und geben sie langsam über die nächsten Tage hinweg wieder ab. Vermutlich ist dieser Jahrtausende alte Umgang mit Weihrauch, lateinisch: per fumum, der Ursprung aller Parfüms. Jede Familie hat ihre eigene Bokhur-Mischung. Düfte sind für die Omanis nicht Luxus, sondern Lebensmittel. Sie gehören zu ihrem Leben wie der Fisch zum Reis.

Eine Parfümerie in Oman (Foto: SWR, SWR - Nadja Odeh)
Eine Parfümerie in Oman SWR - Nadja Odeh



Weihrauch gegen Husten
Weihrauch wird aber auch Heilkraft zugeschrieben. In Wasser gelöst soll er für seelisches Wohlbefinden sorgen und vor bösen Geistern schützen. Gekaut wirkt er gegen Halsentzündungen und Husten, als Salbe gegen Hautekzeme. Auch in einem Sutra des uralten ayurvedischen Sanskrittextes Bhavaprakasha heißt es schon, der Saft der Weihrauchbäume heile Blutungen und Wunden, stärke die Stimme und baue körperlich und seelisch auf.

Heilwirkungen des Weihrauchs

Lange ignoriert von der Wissenschaft, ist der Weihrauch in den letzten Jahren wiederentdeckt worden. Am pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen wurde seine entzündungshemmende Wirkung nachgewiesen. Professor Ammon, emeritierter Professor für Pharmakologie, ist aufgrund seiner Forschungen überzeugt von der Heilkraft des Harzes. Es könnte bei chronisch entzündlichen Krankheiten wie Rheuma oder Morbus Chron durchaus eine Alternative zu klassischen Medikamenten, beispielsweise Cortison, bieten. Doch noch ist Weihrauch in Deutschland als Medikament nicht zugelassen.

Verkauf von Weihrauch und Bokhur (Foto: SWR, SWR - Nadja Odeh)
Verkauf von Weihrauch und Bokhur SWR - Nadja Odeh

Weihrauch im Christentum

Als in der Blütezeit des Weihrauchhandels, vor mehr als 2.000 Jahren, die Weisen aus dem Morgenland kamen, um den neugeborenen Christus anzubeten, hatten sie natürlich das kostbare Harz im Gepäck. Während die Geschichte des Christentums mit Weihrauch beginnt, könnte man fast sagen, dass die des Weihrauchs und seiner Weltkarriere mit dem Christentum auch in gewisser Weise endet. Denn mit dem sich ausbreitenden Christentum erkalteten die Weihrauchbrenner in den Göttertempeln. Nie wieder sollte so viel Duftharz verbrannt werden wie vor der Geburt Jesu. Im Christentum gibt es keine Weihrauchopfer. Nur in der katholischen Kirche wird der Weihrauch in Weihrauchfässern, verzierten Behältnissen aus Messing, verbrannt und bei festlichen Kirchenprozessionen als Zeichen des Gebets vorangetragen.


Comeback als Parfüm

Früher mehr wert als Gold, hat der Weihrauch heute seine Bedeutung verloren. Im Sultanat Oman, das Weihrauch einst in die halbe Welt exportierte, wird er heute beinahe nur noch für den regionalen Markt geerntet. Und doch scheint das Duftharz ein kleines Comeback zu feiern. Französische Parfümhäuser wie Annick Goutal und Micallef haben jüngst exklusive, neue Düfte mit expliziter Weihrauchnote auf den Markt gebracht.

Parfüms mit Weihrauchnote (Foto: SWR, SWR - Nadja Odeh)
Parfüms mit Weihrauchnote SWR - Nadja Odeh
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