20.12.1960

Städtepartnerschaft Karlsruhe - Nancy

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SWF-Reporter Werner Stenzel fährt von Karlsruhe in die französische Partnerstadt Nancy und produziert eine hörenswerte Feldstudie aus einem scheinbar unbekannten Land.

Dezember 1960, SWF-Reporter Werner Stenzel berichtet: Vier Stunden Autofahrt benötige man, um von Karlsruhe, über Kehl und die Rheinbrücke, nach Nancy zu gelangen. Eine „wunderbare“ Schnellstraße, gesäumt von Pappelreihen, vorbei an großen Wiesen und Feldern, die Dörfer und Nebenstraßen, wenig belebt und verlassen.

Die Stadt Nancy (1950-1960) (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die Stadt Nancy (undatiert, 1950-1960) picture-alliance / dpa -

Blick auf die Stadt Nancy

Der Reporter macht zunächst vor den Toren der Stadt halt. Bei der Capelle de Pauvre schaut er ins Tal hinab, auf den Rhein-Marne-Kanal und die Stadt. Die Häuser der Stadt seien niedrig, doch die Kirchtürme hebten sich ab. Im Osten liege die Industrie. Im Westen würde die Stadt moderner. Auf der „Hasenhöhe“ im Nordwesten soll eine Satellitenstadt mit 3500 Wohnungen entstehen, Platz für rund 18.000 Menschen. „Solche Häuser haben wir nicht in Deutschland.“
Werner Stenzel spricht in seiner Reportage mit einem Historiker, mit dem Leiter des Lothringischen Historischen Museums im Herzoglichen Palais und dem Bürgermeister der Stadt. Er geht auf den Schlachthof und auf den Markt. Es sei interessant, die Trödler zu sehen.

Über Stadt und Leute

„Was wir wegwerfen würden, wird hier noch gehandelt, einzelne Schuhe, zerbrochene Brillen. Die Händler versuchen Gewinn aus dem Altmaterial herauszuschlagen. Vögel, Tauben, künstliche Blumen. Mit allem wird gehandelt. So etwas findet man in Deutschland nicht. Der Markt in Nancy ist sehenswert.“

Dort beobachtet er auch die Menschen und beschreibt ihre Mentalität:

Sie sind typtische Lothringer von reservierter Haltung. Südfranzosen nennen sie kalt. Der Boden ist schwer und verlangt harte Arbeit. Viele kommen vom Land in die Stadt. Die Frauen sind ausgezeichnete Hausfrauen, aktiv, seriös, sparsam. Dabei besitzen sie eine gewisse Koketterie in der Kleidung. Die Abende verbringt man zuhause, am Wochenende angeln oder man fährt mit dem Auto spazieren. Sie sind verlässlich in ihrer Entscheidung. So ist auch der Beginn der Städtefreundschaft.

Die Städtepartnerschaft Karlsruhe - Nancy

Die Städtepartnerschaft von Karlsruhe und Nancy begann, so erzählt der Mit-Initator Dr. Vébert, 1956. Seitdem komme man zusammen. Zum „Blut spenden, nicht zum Blut vergießen“, Kriegsversehrte treffen sich, Sportvereine, Kirchen und Karnevalsgesellschaften, Bäcker, die Feuerwehr und Künstler. Freude und Stolz verspüre er und hoffe, dass die Freundschaft zwischen Nancy und Karlsruhe ein Beispiel sein wird für die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland.

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SWR