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Gegenstand des Fachs

In der Paläontologie geht es um ehemalige Lebewesen vergangener Erdzeitalter: Tiere, Pflanzen oder Menschen. In diesem Fall spricht man von Paläanthropologie.

Von diesen Lebewesen sind nur noch Fragmente erhalten, meist Knochen und Zähne – die härtesten Bestandteile des Körpers – aber auch Fossilien.

Voraussetzungen

  • Spaß daran haben, draußen im Gelände zu sein
  • Kommunikationsfähigkeit
  • soziale Kompetenz: Es sollte kein Problem sein, über Wochen mit anderen in einem Camp zu leben
  • interkulturelle Kompetenz: langfristige internationale Kooperationen müssen aufgebaut und die Kontakte nachhaltig gepflegt werden
  • Freude an praktischer Arbeit: Reifen wechseln, Auto reparieren usw.
  • Freude daran haben zu planen, zu publizieren, Projektanträge zu stellen, Gelder einzuwerben
Der Paläontologe Eberhard Frey und Studenten der Universität Heidelberg legen bei weit über 40 Grad die Knochen eines Hadrosauriers frei. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Paläontologe Eberhard Frey und Studenten der Universität Heidelberg legen in Mexiko bei weit über 40 Grad die Knochen eines Hadrosauriers frei picture-alliance / dpa -

Studieninhalte

Für das Studium der Paläontologie sollte man zunächst eine solide Grundbildung in Naturwissenschaften, insbesondere in Biologie mitbringen.

In Frankfurt/Main ist die Paläontologie integriert in die Geowissenschaften; an einigen Universitäten gibt es sie auch als eigenständiges Fach, z. B. in Tübingen und Bonn. Allerdings kann man Paläontologie nicht ohne die wichtigen Nachbarfächer studieren. Außer den Grundwissenschaften Mathematik, Physik, Chemie, Zoologie und Botanik sind das Geologie bzw. Mineralogie, also Fächer, die die Gesteine beschreiben und definieren. Außerdem die biologischen Fächer, z. B. Anatomie oder die Zoologie der Wirbellosen (Invertebrata). Die Vielfalt ist groß, und es gibt immer den Spannungsbogen zwischen der unbelebten und der belebten Natur. Diese beiden Aspekte werden in er Paläontologie zusammengeführt.

180 Millionen Jahre alte, versteinerte Ammoniten (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
180 Millionen Jahre alte, versteinerte Ammoniten picture-alliance / dpa -

Im Bachelor, einer Art Grundstudium, findet noch keine besondere Spezialisierung statt. Allerding kann die Bachelor-Arbeit in eine bestimmte Richtung ausgerichtet sein. Die Paläontologie ist im Wesentlichen ein wissenschaftliches Fach, und für eine langfristige Beschäftigung ist die Promotion ein Muss. Man fängt also mit einem Bachelor an, macht dann seinen Master und geht anschließend in die Promotion. Die ist auch die Voraussetzung dafür, überhaupt Gelder für die wissenschaftliche Arbeit beantragen zu können.

Berufsfelder

Meistens schließt sich der Promotion ein sogenanntes Postdoc an. Das sind wissenschaftliche Projekte, für die man für zwei bis drei Jahre an ein ausländisches Institut wechseln sollte.

Um später als Professor tätig zu sein, ist in Deutschland meist noch die Habilitation gefordert. Das bedeutet eine weitere Forschungsarbeit.

In anderen Ländern, und zunehmend auch in Deutschland, ist es aber vor allem wichtig, wie viel man in Fachzeitschriften publiziert. Es gibt sehr hochrangige Fachzeitschriften, wo es gar nicht so einfach ist, seine Arbeit dort unterzubringen. Es geht also um Publikationsleistung, denn man kann ja lange vor sich hin forschen: Wenn man nichts davon aufschreibt, hat keiner etwas davon.

An der Uni Hildesheim analysiert der Zoologe Carsten Witzel Zähne des 45.000 Jahre alten Wollnashorns "Sasha" (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
An der Uni Hildesheim analysiert der Zoologe Carsten Witzel Zähne des 45.000 Jahre alten Wollnashorns "Sasha" picture-alliance / dpa -

Eine andere, sehr interessante berufliche Möglichkeit ist die Arbeit in Museen. Der Kurator einer Sammlung kümmert sich um die Stücke, um ihre korrekte Beschriftung usw. Das eigentliche Ziel ist jedoch, sich einen Forschungsschwerpunkt aufzubauen, der diese Sammlung mit einbezieht. Die eigene Sammlung wird nie ausreichen; man wird immer Sammlungen aus der ganzen Welt brauchen, um Erkenntnisse zu gewinnen. Das bedeutet, man arbeitet nicht so sehr an einer Spezialsammlung, sondern an einem bestimmten Thema. Dazu orientiert man sich an einer konkreten Fragestellung, z. B.: "Wann sind die Menschen entstanden, wo haben sie gelebt, wie sind sie aus Afrika heraus expandiert, welche ökologischen Umstände herrschten?" oder "Wie haben sich Riffe in der Erdgeschichte gebildet?". Es gibt verschiedene Riffbildner; das ist ein Thema in der Paläontologie. Das können Riffe sein aus Korallen, aber auch Schwämme und Muscheln haben schon Riffe gebildet.

Es geht also um Fragen, wie früher einmal eine Landschaft oder ein Meer, also Lebensräume, ausgesehen haben. Und in Museen gilt es das zu vermitteln. Die Vermittlung von Wissen an die Öffentlichkeit ist ein wichtiger Aspekt der Museumsarbeit. Als Kurator entwickelt man daher die Inhalte einer Ausstellung so, dass diese Wissenvermittlung bestmöglich gelingt.

Das Skelett des "Elches vom Hansaplatz" im Neuen Museum in Berlin (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Das Skelett des "Elches vom Hansaplatz" im Neuen Museum in Berlin. Das Skelett wurde am 1956 bei U-Bahnbauarbeiten im Berliner Bezirk Tiergarten gefunden picture-alliance / dpa -

Friedemann Schrenk ist Professor für Paläobiologie der Wirbeltiere der Goethe Universität Frankfurt/M. und Sektionsleiter Paläoanthropologie am Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt/M. 

Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a.: Paläontologie und Paläoanthropologie Südsudans (in Kooperation mit University of Juba, Hessisches Landesmuseum Darmstadt), Human Palaeobiomics (in Kooperation mit New York University), The Role of Culture in the Early Expansions of Humans: Labor- und Geländearbeiten, in Kooperation mit Universität Tübingen (Langzeitprojekt. 

Bücher (Auswahl):
– Der Neandertaler. Beck'sche Reihe. 2016-
– Die Frühzeit des Menschen: Der Weg zum Homo sapiens. Beck'sche Reihe. 2016.
– Homo – Expanding Worlds: Originale Urmenschen-Funde aus fünf Weltregionen. (zus. mit O. Sandrock, S. Kaiser, R. Schmitz, R. Ziegler, D. Lordkipanidze) Theiss-Verlag. 2015.

(Nächster Studienkompass: 3. Juli 2016, 8.30 Uhr)

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