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Winston Churchill gilt als einer der größten und umstrittensten Politiker des 20. Jahrhunderts. Als Soldat nahm er an Kolonialkriegen teil und verantworte als Marineminister im Ersten Weltkrieg ein militärisches Desaster. Als er 1940 Premierminister wurde, motivierte er die Briten zum entschlossenen Kampf gegen Hitler. Nach 1945 förderte er den demokratischen Wiederaufbau und die britisch-deutsche Aussöhnung wie kein anderer.

Dauer

Winston Leonard Spencer Churchill ist ein Kind des britischen Hochadels. Geboren wird er am 30. November 1874 in Blenheim Castle in der Nähe von Oxford, dem opulenten Stammsitz seiner Vorfahren, der Herzöge von Marlborough. Seit John Churchill, einem militärischen Genie des 18. Jahrhunderts, waren die Churchills in der britischen Geschichte nicht mehr besonders aufgefallen.

Winstons Vater Lord Randolph dagegen ist Ende des 19. Jahrhunderts ein bedeutender Politiker der Konservativen – und Finanzminister. Sein Sohn Winston ist sensibel und verletzlich. Wie alle Angehörigen der britischen Oberschicht muss er eine private Internatsschule besuchen. Dort gehören Prügelstrafen zur Erziehung. Winston Churchill schreibt in seiner Autobiographie über seine Schulzeit:

"Es prallte alles von mir ab. Wo nicht mein Interesse geweckt, meine Vernunft und Vorstellungskraft beteiligt waren, da wollte oder konnte ich nicht lernen."

Wnston Churchill

Churchill – ein missratener Sohn?

Die schulischen Leistungen Winston Churchills sind katastrophal. Doch in zwei Fächern glänzt der Einzelgänger: in Geschichte und englischer Literatur. Sie werden zu bestimmenden Elementen seines Lebens. Als er mit Ach und Krach den Abschluss schafft, ist der Vater zunächst ratlos, was er mit dem missratenen Sohn machen soll.

Er wird ein leidenschaftlicher Soldat und glühender Verfechter des Britischen Empire, dass Ende des 19. Jahrhunderts seine größte territoriale Ausdehnung erreicht. Bei seinen Kameraden gilt der junge Offizier als hilfsbereit und geradezu sentimental – aber auch als trinkfreudig, draufgängerisch und jähzornig. 1896 hält sich im Sudan ein muslimischer Staat unter der Führung eines Mahdis, eines selbsternannten Heilsbringers. Er entstand aus der ersten erfolgreichen Rebellion einer afrikanischen Bevölkerungsgruppe gegen den Kolonialismus und bedroht auch das unter britischer Verwaltung stehende Ägypten.

Kriegsberichterstatter Churchill

Als ein Expeditionskorps gegen die Dschihadisten zusammengestellt wird, meldet sich Winston Churchill freiwillig zu diesem Feldzug – obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits an einer Kampagne gegen Rebellen in Afghanistan teilnimmt. Mit Erlaubnis der Armee berichtet er über beide Kriege für britische Zeitungen. Doch in seinen Artikeln liefert er der Öffentlichkeit nicht das heldenhafte Bild, das sie gerne sehen will, erzählt Churchill-Biograph Peter Alter. Winston Churchill beschreibt stattdessen die Grausamkeit der britischen Armee gegen die sudanesischen Muslime ebenso schonungslos wie die Arroganz des Oberbefehlshabers Horatio Herbert Kitchener.

Als Winston Churchills Artikel 1899, ein Jahr nach Niederschlagung des Aufstandes, als Buch herauskommen, wird es sein erster Bestseller in einer langen Reihe schriftstellerischer Erfolge. Den Beginn seiner politischen Karriere bildet der Burenkrieg im Süden Afrikas, an dem er als Kriegsberichterstatter teilnimmt.

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