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„Body Shaming“ – Wie dicke Menschen diskriminiert werden

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"Dick sein" wird in Deutschland oft gleichgesetzt mit Trägheit, ungesundem Essverhalten, einer Charakterschwäche oder Disziplinlosigkeit. Gleichzeitig gelten weit über die Hälfte aller Deutschen als übergewichtig.

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Beleidigen, Mobben und Ausgrenzen übergewichtiger Menschen

Das Phänomen, einen Mensch aufgrund seines Äußeren abzuwerten, wird heute „Body Shaming“ genannt. Und „Fat Shaming“, das Beleidigen, Mobben und Ausgrenzen übergewichtiger Menschen gilt inzwischen als Hauptgrund für die körperliche Diffamierung. Es heißt, dicke Menschen seien weniger leistungsfähig, sie hätten kein Gesundheitsbewusstsein, ihnen fehlte es an Hygiene.

Die gesetzliche Ersatzkrankenkasse DAK kam nach einer Befragung 2016 auf eine sehr hohe Zahl an Menschen mit einer diskriminierenden Haltung gegenüber übergewichtigen Menschen im „XXL-Report – Meinungen und Einschätzungen zu Übergewicht und Fettleibigkeit“: „71 Prozent der Bevölkerung finden stark Übergewichtige unästhetisch. Jeder Achte vermeidet bewusst Kontakt zu Betroffenen.“

Diese Voreingenommenheit hat Folgen, wie Studien immer wieder zeigen. Kinder und Jugendliche mobben und hänseln andere, weil diese dick sind – und die Mobbingopfer nehmen daraufhin oft noch mehr zu. Betriebe stellen hochgewichtige Menschen nicht ein oder bezahlen sie schlechter. Das ganze Privatleben dicker Menschen ist eingeschränkt. Auch Medizinerinnen und Ärzte zeigen immer wieder ein sogenanntes "Fat Shaming" – sie möchten hochgewichtige Patienten kaum anfassen, untersuchen sie zögerlicher, übersehen oder ignorieren ihre eigentlichen Beschwerden.

Lizzo bei den Brit Awards 2020 in London (Foto: imago images, Matt Crossick via www.imago-images.de)
Für viele ein großes Vorbild: Lizzo bei den Brit Awards 2020 in London Matt Crossick via www.imago-images.de

Body-Mass-Index entscheidet über Körpernormen

Ab wann ein Körper offiziell als "dünn", "dick" oder "normal" gilt, kategorisiert der sogenannte Body-Mass-Index BMI. Das ist eine statistische Messgröße, die noch aus dem 19. Jahrhundert stammt: Körpergewicht durch Körpergröße zum Quadrat. Diese Zahl macht die menschlichen Körper vergleichbar.

1997 legte die Weltgesundheitsorganisation für alle fest – Kritiker sagen, im Einvernehmen mit der Pharmaindustrie: Menschen ab einem BMI von 25 sind "übergewichtig". In Deutschland werden demnach aktuell 67 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen generell als übergewichtig eingestuft, also über die Hälfte der Bevölkerung.

Fett ist mehr als nur ein Energiespeicher

Der Mediziner Jürgen Ordemann leitet das Zentrum für Adipositas und metabolische Chirurgie einer städtischen Berliner Klinik. Zu ihm kommen Frauen und Männer mit einem BMI über 30. Sie gelten als adipös, also fettleibig. Die vorherrschende Meinung zum Übergewicht hält Jürgen Ordemann für ein rückständiges Denken – verbunden mit Mythen, die nicht zu rechtfertigen sind. Denn Zellen im Fettgewebe speichern nicht nur Energie. Sie bilden auch Hormone und Entzündungsparameter, die sich im Körper ausbreiten, ins Gehirn gelangen und dort die Hunger- und Sättigungszentren beeinflussen. Viele Menschen merken dann zum Beispiel zu spät, dass sie satt sind und essen über das Maß hinaus, das ihrem Körper gut tut. Dieser Gefahr, sagt der Mediziner, sind eigentlich heutzutage alle ausgesetzt.

Komiker Dirk Bach bei einer Lesung auf der Frankfurter Buchmesse 2004 (Foto: imago images, imago/Hoffmann)
Er lachte über seine Kritiker: Komiker Dirk Bach bei einer Lesung auf der Frankfurter Buchmesse 2004 imago/Hoffmann

Leichtes Übergewicht erhöht die Lebenserwartung

Ein Appell an Medizin und Gesundheitswesen ist notwendig. Denn aktuelles Fachwissen kann ein diskriminierendes Verhalten verhindern. Zum Beispiel, dass ein leichtes Übergewicht die Lebenserwartung sogar erhöht, wie Studien in den USA und in Dänemark gezeigt haben. Und es fällt auf, dass es Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen besser geht, wenn sie mehr Körperreserven mitbringen.

Friedrich Schorb vom Institut für Public Health der Universität Bremen versucht in Deutschland mit Gleichgesinnten die sogenannten "Fat Studies" bekannter zu machen, die sich in den USA und in Großbritannien schon länger etabliert haben. Seit einigen Jahren befassen sich nun auch hierzulande vor allem Wissenschaftlerinnen aus der Psychologie, aus Gesundheit und Pflege, der Soziologie und Sozialen Arbeit und auch aus Kunst und Kultur damit, wie man die Diskriminierung dicker Menschen erforschen und enttarnen kann, um sie aufzulösen.

Beth Ditto bei einem Konzert von Gossip (Foto: imago images, Pedro Rocha via www.imago-images.de)
Für viele ein Vorbild: Beth Ditto bei einem Konzert von Gossip Pedro Rocha via www.imago-images.de

"Gewicht" als Diskriminierungsmerkmal im Gesetz verankern, um Rechte erstreiten zu können

Für Manche sind erfolgreiche Prominente wie die amerikanische Rocksängerin Beth Ditto oder die belgische Ärztin und ehemalige Gesundheitsministerin Maggie de Block gute Vorbilder. Daneben soll ein Schlagwort wie "Body-Positivity" helfen: Das gute Verhältnis zum eigenen Körper, ganz unabhängig davon, wie er aussieht. Doch dahinter, warnt Friedrich Schorb, lauert möglicherweise ein neues Dogma. Denn Begriffe wie "Body-Positivity" und "Body-Shaming" lenken mehr Aufmerksamkeit auf die Diskriminierung, Beleidigung und Ausgrenzung dicker Menschen – sie sorgen aber nicht dafür, dass sich dicke Menschen ihre Rechte erstreiten können.

Und dafür kämpft Natalie Rosenke. Sie ist seit 2015 Vorsitzende der „Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung e.V.“ – einer politischen Interessenvertretung in Berlin – und als Expertin gefragt. Rosenke will "Gewicht" als Diskriminierungsmerkmal in den Gesetzen auf Bundes- und Landesebene verankern. Rosenke hat zum Beispiel schon erreicht, dass sich die SPD-Politikerin Susanne Fischer im Land Berlin gegen das Gewichts-Stigma einsetzt. Denn die Aufgabe der Politik ist es, Opfern von Diskriminierung rechtliche Möglichkeiten zu geben, sich zu wehren. Und so kann man gleichzeitig auch aufzeigen, dass Gewichtsdiskriminierung genau das ist: Diskriminierung von Menschen.

Es ging um mein Leben Nicole Jägers Kampf mit dem Gewicht

Nicole Jägers Kampf mit dem Gewicht
Mit Nicole Jäger spricht Almut Engelien  mehr...

SWR2 Tandem SWR2

Gespräch Gegen Bodyshaming: Die Fettaktivistin Melodie Michelberger

Schon als Kind glaubte sie zu dick zu sein, kämpfte jahrelang dagegen an. Die Folge, Selbsthass und Magersucht. Heute fühlt sich Melodie Michelberger wieder wohl in Ihrem Körper, trotz omnipräsenten Selbstoptimierern und anhaltendem Diätenwahn. In Ihrem Buch „Body Politics" hat sie sich nicht nur mit ihrer eigenen Fettfeindlichkeit auseinandergesetzt.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Musikthema Bodyshaming in der Gesangsausbildung: Perfekte Stimme im falschen Körper?

Es ist ein offenes Geheimnis: Der Druck und die Erwartungen an den Körper und die Optik von Opernsänger*innen sind heutzutage immens groß. Ein prominenter Fall ist die Sopranistin Deborah Voigt, die kein Engagement bekam, weil sie nicht in das „little black dress“ passte. Daraufhin hat sie sich den Magen verkleinern lassen. Das Phänomen Bodyshaming ist im Opernbetrieb offensichtlich ein aktuelles Thema. Elisabeth Hahn wirft einen Blick auf das Thema Bodyshaming in der Gesangsausbildung.  mehr...

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Gesundheit Jugendlicher Körperkult – Hungern, pumpen, posten

Immer mehr Teenager sind unzufrieden mit dem eigenen Körper. Viele halten Diät oder treiben exzessiv Sport. Doch das kann gefährlich werden.  mehr...

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Psychologie: aktuelle Beiträge

Gesellschaft Kinderschutz – Signale der Gewalt erkennen

2020 wurden rund 5.000 Mädchen und Jungen körperlich misshandelt, 152 starben durch grausame Gewalt der Erziehungsberechtigten. Zu oft werden blaue Flecken und Knochenbrüche, Verbrennungen und Stichwunden nicht als Signale der Gewalt erkannt von all jenen, die in Kitas, Schulen, Arztpraxen und Jugendämtern mit Kindern zu tun haben. Doch nicht nur Fachkräfte sind angesprochen: Die ganze Gesellschaft muss sensibilisiert werden. Von Silvia Plahl | Mehr zur Sendung und Kontaktadressen für Hilfesuchende: http://swr.li/kinderschutz | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Twitter: @swr2wissen  mehr...

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Psychologie Zerstreut, abgelenkt, unaufmerksam – Verlieren wir die Fähigkeit zur Konzentration?

Unsere Aufmerksamkeitsspanne leidet durch Unterbrechungen, z.B. verursacht durch Social Media & Smartphones. Selbst wenn wir einer Unterbrechung nicht nachgehen, sie also erstmal aufschieben, driften die Gedanken zur unerledigten Aufgabe. In der Psychologie spricht man vom "Zeigarnik-Effekt". Die gute Nachricht: Aufmerksamkeit lässt sich trainieren. Auch durch bewusste Arbeitspausen – am besten ohne Bildschirm. Von Johanne Burkhardt | Mehr zur Sendung: http://swr.li/aufmerksamkeit | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Twitter: @swr2wissen  mehr...

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Psychologie Was ist Glück und wie können wir es finden?

Im aktuellen „World Happiness Report“ der WHO (http://x.swr.de/s/worldhappinessreport2021) ist trotz der Corona-Pandemie in einigen Ländern das Glücksgefühlt der Bürger*innen gestiegen. Deutschland verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr von Platz 17 auf Platz 7. Allerdings ist laut aktuellem Glücksatlas der Deutschen Post (http://x.swr.de/s/gluecksatlas2021) die Lebenszufriedenheit der Deutschen im Jahr 2021 auf ein historisches Tief gesunken. Was macht Menschen glücklich? Die Forschung sagt: materielle Sicherheit, gute soziale Beziehungen und Sinn im Leben. Möglicherweise kommen Umweltschutz und Naturerleben als vierter Baustein des Glücks noch hinzu. Von Maxim Flößer | Mehr zur Sendung: http://swr.li/glueck-erkennen-und-finden | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Twitter: @swr2wissen  mehr...

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Medizin und Gesundheit: aktuelle Beiträge

Parkinsontherapie Wie Tischtennis Parkinson-Patient*innen hilft

Wer an Parkinson erkrankt, hat häufig Probleme mit Bewegungsabläufen und Zittern. Ausgerechnet die schnelle Sportart Tischtennis kann hier wohl helfen. Ein Forschungsteam aus Köln begleitet das Training der Initiative “PingPongParkinson" wissenschaftlich.  mehr...

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Drogenpolitik Wie mit Drug-Checking illegale Drogen sicherer werden sollen

Mit dem neuen Koalitionsvertrag wird sich auch die Suchtpolitik in Deutschland ändern. Beim Drug-Checking können Konsumierende ihre illegalen Drogen auf gefährliche Inhaltsstoffe hin analysieren lassen. In Deutschland war das bisher nicht möglich, anders als in vielen Nachbarländern.
Martin Gramlich im Gespräch mit Psychiater Dr. med. Felix Betzler, Leiter der Spezialsprechstunde Partydrogen an der Berliner Charité  mehr...

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Biologie Vom Tier auf den Menschen: So werden Zoonosen erforscht

Menschliche Eingriffe in bestehende Ökosysteme und eine globalisierte Wirtschaft begünstigen die Verbreitung von Zoonosen, Infektionskrankheiten die zwischen Mensch und Tier übertragen werden können. Um gefährliche Erreger in Tieren frühzeitig erkennen zu können, ist eine weltweite Vernetzung der Tierforschung notwendig.  mehr...

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