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Er kann rechts von links unterscheiden, zeigt Schalter, Eingänge oder Parkbänke an und sucht auf Wunsch Briefkästen oder Ampeln. Ein Blindenführhund versteht 30 akustische Zeichen, und wenn Gefahr droht, etwa durch einen Ast in Kopfhöhe, leitet er den Blinden um das Hindernis herum. Dass beide ein Team werden, ist aber nicht selbstverständlich: Nach dem Kennenlernen entscheiden die Trainingswochen, ob die Zusammenarbeit funktioniert.

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Führhundtrainer ist kein anerkannter Ausbildungsberuf. Wer es werden möchte, sollte mit Tieren wie Menschen gut umgehen können. Der Trainer absolviert auch ein sogenanntes Mobilitätstraining für Blinde, lernt mit dem Langstock umzugehen, Umweltgeräusche einzuschätzen, sich zu orientieren.

Mit anderthalb Jahren müssen aber auch die Hunde einen sogenannten Wesenstest absolvieren. Nur drei oder vier von zehn Hunden bestehen den Wesenstest. Auf sie wartet im Anschluss noch ein Medizincheck beim Tierarzt.

Der untersucht das Skelett, das Herz, die Augen und das Blut der Tiere. Nur wenn der Hund völlig gesund ist, beginnt für ihn die eigentliche Ausbildung.

Katzen ignorieren

Zum Beispiel für Kuno: Auf der Straße zieht er noch ein bisschen nach links, dann wieder nach rechts, schnüffelt hier, schnüffelt dort. Ein fertig ausgebildeter Führhund tut das nicht. Sogar das Geschäft muss warten, wenn er das Geschirr trägt. Eine Frage der Sicherheit.

Wenn der Hund an einer Ampel am Straßenübergang hält, kann es vorkommen, dass Personen kommen und dem Hund etwas zu fressen geben. Oder wenn manche Leute mit Kindern kommen und fragen: Darf das Kind den Hund mal streicheln? Doch ist beides nicht erlaubt, denn der Hund soll nicht abgelenkt werden.

Mit nervigen Passanten bekommt es Kuno heute nicht zu tun. Aber die Welt hält auch so viele Herausforderungen bereit für einen Führhund in spe. Katzen zum Beispiel muss Kuno ignorieren lernen. Gerade hält sich eine unter einem Auto versteckt.

Kluge Hunde

Ausgebildete Führhunde kennen 30 akustische Befehle: Fuß, Platz, voran, rechts, links, such Bank, such Eingang, such Schalter ...

Hunde-Helfer im Slalom beim Training (Foto: SWR, SWR -)
Assistenzhunde werden eingeteilt einerseits in Blindenführhunde, Servicehunde für körperlich beeinträchtigte Menschen und Signalhunde, für die es auch wieder mehrere Gruppen gibt SWR -

In Österreich erforschen Wissenschaftler an einem extra Forschungsinstitut. wie Hunde die Welt sehen, wie sie mit dem Menschen zurechtkommen, wie sie lernen. Tierarzt Karl Weissenbacher und seine Mitarbeiter am Messerli Forschungsinstitut prüfen sämtliche Assistenz- und Therapiebegleithunde Österreichs. Was man darunter versteht, ist klar definiert – Österreich hat in diesem Punkt die fortschrittlichste Gesetzgebung Europas.

Viele Einsatzmöglichkeiten für gelehrige Führhunde

Die Assistenzhunde werden eingeteilt einerseits in Blindenführhunde, Servicehunde für körperlich beeinträchtigte Menschen und Signalhunde, für die es auch wieder mehrere Gruppen gibt.

Am Messerli Forschungsinstitut beschäftigt sich eine eigene Abteilung mit der komplexen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Geforscht wird unter einer klaren Prämisse: Der Hund oder das Tier kann nicht ein Roboter sein, sondern muss immer als Individuum gesehen werden, das respektiert gehört.

Nur etwa 200 bis 300 Blinde bekommen jedes Jahr einen Führhund; die Wartezeit beträgt bis zu drei Jahre. Es kommt jedoch vor, dass Halter und Hund nicht zueinander passen. Deshalb treffen beide sich Wochen vor dem eigentlichen Training zum Kennenlernen.

Doch es klingt paradox: Wenn Hund und Halter ein Team werden sollen, muss der Blinde gewissermaßen die Übersicht behalten, denn er muss immer noch sagen können, wo es eigentlich lang gehen soll.

SWR 2016

Medizin Ein Fortschritt: Therapie für Blinde

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