Das Wort Bio mit einem Fragezeichen liegt zusammengestellt aus Paprika, Gurke, Möhren, Mandarinen und Äpfel auf einem Tisch, aufgenommen am 02.02.2015. (Foto: imago/Thomas Eisenhuth -)

Öko spart Geld Vom Nutzen des Biolandbaus

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Für Bioprodukte müssen wir mehr bezahlen. Aber: Der Biolandbau spart der Gesellschaft viele teure “Reparaturmaßnahmen” an der Umwelt.

Im Wasserturm Leipzig-Probstheida, einem stattlichen Ziegelmauerwerk, rauscht das Wasser. Sauberes Trinkwasser, ganz ohne Reinigung. Obwohl dort, wo das Wasser herkommt, Landwirtschaft betrieben wird.

In vielen anderen Regionen Deutschlands ist das Wasser nicht so sauber: Da gelangen zu viele Rückstände von Düngemitteln ins Grundwasser. Nitrate, die nachträglich teuer entfernt werden müssen. Doch die Stadt Leipzig kann sich eine Aufbereitungsanlage sparen, sagt Katja Gläß von den Leipziger Wasserwerken.

Eine Anlage zur Rohwasseraufbereitung zu installieren, das geht nur über einen zweistelligen Millionenbetrag pro Wasserwerk. Hinzu kommt der fortlaufende Betrieb dieser Anlage. Dies kann Konsequenzen für den Wasserpreis bedeuten.

Trinkwasser (Foto: © Colourbox.com -)
Konventionelle Landwirtschaft führt oft zu erhöhtem Nitratgehalt im Trinkwasser © Colourbox.com -

Teures Wasser oder teure Lebensmittel

Ein Kubikmeter Trinkwasser kostet in Leipzig ein Euro fünfundachtzig. Zum Vergleich: Die Wasserpreise reichen bundesweit von 1,40 Euro bis 2,60 Euro. Das Wasser in Leipzig ist also günstig. Der Grund für das günstige, da von Anfang an saubere Wasser, ist ein Biohof.

Er ist 750 Hektar groß und liegt im Leipziger Umland. Hier werden Getreide und Gemüse angebaut, außerdem gibt es eine kleine Rinderherde. Auch Landwirt Bernhard Wagner setzt Nitrate ein. Doch er weiß um die Schwierigkeiten.

Bernhard Wagner betreibt den Biohof mit dem sprechenden Namen: Wassergut Canitz. Hier gelangen keine Nitratrückstände ins Grundwasser. Wagner verwendet als Dünger nur Kuhmist, der auf seinem Hof anfällt. Somit kann er garantieren: Alle im Kuhmist enthaltenen Nitrate werden von den Pflanzen aufgenommen.

Initiative der Wasserwerke

In vielen Regionen Deutschlands ist das anders, und das kostet eben Geld. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hat errechnet, dass die Nitratentfernung die Jahreswasserrechnung um bis zu 62 Prozent erhöhen könnte. Wer bereit ist, etwas mehr Geld auszugeben, indem er Bioprodukte kauft, hilft also dabei, den Preis fürs Trinkwasser gering zu halten.

Robert Hermanowski vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau, ein sportlicher Mann mit ergrautem Kinnbart. Biolandbau geht pfleglich mit der Umwelt um und trägt wesentlich dazu bei, die Erde für die kommenden Generationen zu erhalten. Doch der Preis im Laden ist eben doch oft das stärkere Argument.

Gemüse und Obst aus Bio-Anbau (Foto: SWR, SWR -)
Bio ist oft teurer, aber in der Regel besser für die Umwelt SWR -

Deshalb ergreifen die Wasserwerke in Deutschland zunehmend die Initiative und nehmen Einfluss auf die Landnutzung. Wie in Leipzig: Das Wassergut Canitz ist eine Tochtergesellschaft der Wasserwerke Leipzig. Die leisten sich das große Grundstück, damit hier Biolandbau betrieben wird.

Wasserwerke bezahlen Landwirte

Auch die Stadtwerke München gehen ähnlich vor. Die Zusammenarbeit mit konventionellen Bauernhöfen bringt ebenfalls viel. Auch konventionelle Landwirte verzichten in der Zusammenarbeit auf einen Teil der Nitrat- also Stickstoffdüngung, rund um Leipzig, München und andernorts.

In Unterfranken bezahlen die Wasserversorger die Landwirte dafür, dass sie weniger Stickstoff düngen. Es geht um die sogenannte Spätdüngung im Weizenbereich. Wenn diese Düngung nicht erfolgt, ist das sehr gut für das Grundwasser, aber der Landwirt riskiert einen schlechteren Preis. Und das gleichen die Wasserversorger aus.

Tanker spritzt Gülle auf ein Feld (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Durch Düngung mit Gülle ist die Nitratbelastung des Grundwassers stark angestiegen. picture-alliance / dpa -

Dass Bio die Umwelt schont und langfristig hilft, enorme Kosten zu sparen, macht sich aber nicht nur beim Wasser bemerkbar. Im ökologischen Weinbau beispielsweise wird viermal weniger Boden abgetragen als in konventionellen Weingärten. Denn: Die Ökowinzer lassen die Kräuter und Gräser zwischen den Reben stehen. Der Bewuchs bremst die Regentropfen ab, die so weniger Erde wegspülen.

Ohne Bio kein Klima

Im intensiven Maisanbau macht sich die Bodenerosion besonders bemerkbar. Denn Mais wächst spät, der Boden ist lange Zeit unbedeckt. Mais wird allerdings auch für die Erzeugung von Biogas genutzt. Nicht immer ist das Vorzeichen Bio also eine Garantie für mehr Umweltschutz. Aber der Biolandbau verfolgt die richtigen Ansätze.

Auch beim Klima. Der Ökolandbau bietet grundsätzlich bessere Möglichkeiten, klimaschützend zu sein, da Ökobetriebe langfristig gesehen mehr Humus in den Boden einbringen. Und damit auch mehr CO2 binden und im Boden implementieren. So bleibt das Treibhausgas CO2 der Atmosphäre dauerhaft entzogen. Das wirkt der Klimaerwärmung entgegen.

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