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Biohacking

Biohacking Genbasteleien in der Garage

Mehr als Spielerei?

Biohacking ist weltweit ein neuer Trend in der Forschungslandschaft - wie die Computerpioniere der 70er basteln Bio-Nerds in Garagen und Souterrains an Genen herum. Ralf Caspary im Gespräch mit Dipl.-Biologe Rüdiger Trojok vom KIT Karlsruhe.

Würden Sie sich als "Bio-Nerd" bezeichnen?
Naja, also Nerd ist immer ein wenig abschätzig gemeint, wenn man das Wort zum Geek abgrenzt, dann ist der Nerd derjenige, der nicht mit Menschen umgehen kann und der Geek derjenige, der Fachkompetenz hat und trotzdem noch mit Menschen umgehen kann. Ich wäre lieber ein Geek.

Haben Sie ihr Labor, falls Sie eines haben, in Ihrer Garage untergebracht?
Nein, ich habe es in meiner Wohnung – im Hinterzimmer.

Ich frage Sie beides, weil Sie angeblich gesagt haben: Wie die Computerpioniere der 70er Jahre, werden bald Bio-Nerds in Garagen und Souterrains an Genen herum experimentieren – stimmt das?
Ja, das gibt es schon, vor allem in den USA gibt es eine ganz andere Wissensgrundlage, die Leute in den USA machen das schon seit einigen Jahren aktiv und auch einigermaßen erfolgreich – es gibt auch schon erste Bastelkits zu kaufen.

Pipette und Phiolen

Privates Experimentieren mit Genen ist in Deutschland verboten

In Deutschland ist das ein bisschen anders, es gibt zwar auch hier einige Bastler, aber die beschäftigen sich eher mit Gerätebau und nicht mit Gentechnik, da das in Deutschland eben verboten ist.

Können Sie konkret sagen, was diese Biohacker in den USA entwickelt oder manipuliert haben?
Es gibt ein Projekt, bei dem ein Moos so genmanipuliert wurde, damit es nach Patchouli riecht und als Duftkissen in eine Zimmerpflanze eingesetzt werden kann. Außerdem gibt es für Bildungs- und Unterrichtszwecke kleinere Bastelkits, mit denen man zum Beispiel Hefe zum Leuchten bringen oder Bakterien bunt einfärben kann.

Sie haben jetzt schon mehrere Male das Verb „basteln“ benutzt. Ist das Biohacking harmlose Spielerei?
Ja und Nein, es kommt darauf an, was man dann damit macht. Man kann mit Bastelsets für Elektronik LEDs zum blinken bringen oder aber auch wirklich interessante Maschinen bauen und diese auch professionell einsetzen. Es kommt also ganz darauf an, was man letztendlich damit macht und auch was der Wissensstand und was die technischen Möglichkeiten sind, die man zur Verfügung hat.

Sie haben eben gesagt, in Amerika würden einige junge Leute auch versuchen an den Genen zu basteln – ist das nicht gefährlich, wenn man an dem genetischen Material bastelt?

Prinzipiell eigentlich nicht. Eine Hefezelle, mit der man noch ein Brot backen könnte, ist zunächst nicht gefährlich, damit kann jeder umgehen.

Genbaukasten

Experimentieren mit dem Genbaukasten ist nicht ganz ungefährlich

Wenn man nun in diese Zelle leuchtende Bakterien aus dem Meer einbaut, dann hat man einfach nur leuchtende Hefezellen, aber deswegen ist das noch nicht gefährlich.

Wo würde die Gefahr für Sie anfangen?
Wenn man an den menschlichen Körper geht. Ich würde es nicht befürworten, wenn man den Menschen umbaut, irgendetwas modifiziert oder injiziert. Aber wenn man nur kleinere dekorative Sachen macht, sehe ich darin kein Problem. Ich habe zuhause auch schon ein paar Bakterien umprogrammiert – man ist dabei aber sehr eingeschränkt, weil es nur wenig Ausnahmen gibt, die man nach dem Gentechnikgesetz in Deutschland umsetzen darf. Deswegen bin ich auch mehr mit Maschinentechnologie beschäftigt.

Kann man denn sagen, dass dieses Biohacking auch ein bisschen dazu dient, die etablierte Forschung, die in vielen Gebieten eingefahrene Routinen hat, zu ergänzen und vielleicht auch neue Impulse zu geben?
Ja, in diese Richtung wird gerade relativ viel diskutiert. Ich meine, Impulse geben kann man sicherlich immer, egal wer man ist und woher man kommt. Ersetzten wird man diese Forschung aber sicherlich nicht, das ist nicht der Sinn und Zweck des ganzen und auch nicht das Ziel. Ich glaube der transdisziplinäre Ansatz des Biohacking ist wichtig, damit befreit man sich aus den akademischen eingefahrenen Zwängen und man kann sich freier und kreativer betätigen. An diesen Grenzflächen zwischen den Disziplinen kommen gute Ideen zustande, ob man die in der Garage zu einem Produkt entwickelt ist dann aber eine ganz andere Frage.

Biohacker-Treffen im privaten Labor

Biohacker-Treffen im privaten Labor

Außerdem ist die Community ja noch klein. Weltweit würde ich sagen sind es vielleicht 10.000 Menschen, die sich damit beschäftigen, und in Deutschland ungefähr ein paar 100 – also eher eine kleine Szene.

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