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Faszination Engel

Himmlische Heerscharen

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Meinungsforschungsinstitute haben in den letzten Jahren immer wieder ermittelt, dass bis zu 60 Prozent aller Deutschen nach eigener Angabe an Schutzengel glauben. Einer Umfrage der Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse (forsa) aus dem Jahr 2005 nach, glauben mehr Menschen an Schutzengel als an einen Gott. Die Sehnsucht, sich von geistigen Wesen beschützen und begleiten zu lassen, durchzieht die ganze Kultur- und Religionsgeschichte, wie diese kleine Engelskunde zeigt.

Meinungsforschungsinstitute haben in den letzten Jahren immer wieder ermittelt, dass bis zu 60 Prozent aller Deutschen nach eigener Angabe an Schutzengel glauben. Einer Umfrage der Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse (forsa) aus dem Jahr 2005 nach, glauben mehr Menschen an Schutzengel als an einen Gott. Die Sehnsucht, sich von geistigen Wesen beschützen und begleiten zu lassen, durchzieht die ganze Kultur- und Religionsgeschichte, wie diese kleine Engelskunde zeigt.

Engel, griechisch ággelos, beschreibt ein meist mit Flügeln gedachtes überirdisches Wesen, das als Bote Gottes wirkt. Schon das alte Ägypten und Babylonien kannten geflügelte Schutzgeister. Die Bibel berichtet von Engeln, die zwischen Himmel und Erde vermitteln. Im antiken Christentum herrschte zunächst ein volkstümlicher Engelsglaube. Als sich eine zentrale kirchliche Lehrautorität durchzusetzen begann, versuchte die Kirche jedoch Ordnung in die Engelwelt zu bringen.

Die christliche Tradition hat sich auf drei Erzengel festgelegt: Michael, Gabriel und Rafael. Gabriel ist der wohl bekannteste Botenengel. Schon im Buch Daniel des Alten Testaments wird er namentlich genannt. Zudem soll er Mohammed den Koran übermittelt haben. Im Lukas-Evangelium des Neuen Testaments wird Gabriel als Bote zu Maria geschickt, wie im Bild dargestellt.

Michael ist der "Kampfengel". Das Buch Daniel des Alten Testaments erzählt von dem Engelsfürsten Michael, der an der Seite des Volkes Israel kämpft. Im Neuen Testament bleibt Erzengel Michael an der Seite Gottes und wird zum Bekämpfer des Teufels.

Der Engel Michael ist zudem der Namensgeber der Engelsburg in Rom: Papst Gregor I. der Große soll über dem Grabmal die Erscheinung Michaels gesehen haben, der ihm das Ende der Pest verkündete. Heute erinnert die Statue des Engels auf der Spitze des Gebäudes an diese Legende.

Neben den Engelsboten waren und sind persönliche Schutzengel, die den Menschen helfen ihren Alltag zu bewältigen, im Volksglauben beliebt. Die Kirche hingegen hatte sich mit Schutzengeln bis ins 16. Jahrhundert schwer getan, da sie als heidnisches Relikt galten. Inzwischen gibt es sogar einen Schutzengel-Feiertag und Ende des 20. Jahrhunderts versicherte Papst Johannes Paul II., dass jeder Gläubige einen Engel als Beschützer und Hüter neben sich habe.

Heute versprechen zahlreiche "Engel-Medien" im Internet, Kontakte zu Engeln herzustellen und der zahlenden Kundschaft Botschaften und gute Ratschläge von ihnen zu übermitteln. In dieser neuzeitlichen Variante der Engelreligiosität sehen Theologen eine neue Erscheinungsform alten Glaubens. Und der bereits große Markt an Engelsehern, Engelritualen und Engelliteratur wächst weiter an.

Auch zahlreiche Maler, Musiker und Schriftsteller wurden von Engeln inspiriert. Weltberühmt und mittlerweile als eigenständiges Motiv verbreitet sind die Engel der "Sixtinischen Madonna" des italienischen Malers Raffael. Bands wie Abba mit ihrem Hit "I believe in Angels" oder Rammstein mit "Engel" besingen die überirdischen Wesen. Auch Heinrich Heine bezweifelte ihre Existenz in seinem Gedicht "Die Engel" nicht und bezeichnete sie als "Lichtgeschöpfe sonder Mängel".


Autor: Rolf Cantzen; Internetfassung: Annina Eberhardt