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Bienenseuche Imker fürchten "Amerikanische Faulbrut"

Auch Honig-Bienen können krank werden. Neben der bei der Imkerschaft gefürchteten Varroa-Milben-Infektion gibt es die seltene, aber hochansteckende Bienenseuche, die "Amerikanische Faulbrut".

Die Amerikanische Faulbrut ist für Bienen sehr gefährlich

Die Amerikanische Faulbrut ist für Bienen sehr gefährlich

Wenn irgendwo eine Bienenseuche ausbreitet, suchen die Veterinärämter oft wochenlang nach der Infektionsquelle. Denn einige Imker und Imkerinnen wissen nicht, dass sie ihre Bienenvölker amtlich registrieren müssen. Kommt es nämlich in einer Region zu einem Krankheitsausbruch, beispielsweise mit der bösartigen Amerikanischen Faulbrut, könnten einige Völker gerettet werden. Und die Heilungschancen stehen außerordentlich gut. Voraussetzung ist allerdings, dass die Seuche frühzeitig erkannt wird.

Christoph Otten, Leiter vom "Fachzentrum für Bienen und Imkerei" im rheinland-pfälzischen Mayen, erklärt, warum diese Krankheit ganze Völker ausrotten kann: Die amerikanische Faulbrut wird verursacht durch das Bakterium Paenibacillus larvae. Bereits kleinste Larven, die gerade aus dem Ei geschlüpft sind, werden unwiederbringlich damit infiziert durch die Futtergabe von Ammenbienen.

Aufräumen verschlimmert die Lage

Zurück bleibt dann nur eine zähflüssige, Kaffee-braune und hochinfektiöse Masse. Die Arbeiterinnen räumen die verseuchte Brutzelle leer und geben so die Faulbrut-Sporen an den Nachwuchs weiter.

Ein Finger zeigt auf eine Brutwabe, aus der bald Bienen schlüpfen werden

Ein Finger zeigt auf eine Brutwabe, aus der bald Bienen schlüpfen werden

Die amerikanische Faulbrut kommt nicht, wie es der Name vermuten lässt, aus Amerika, sondern es ist eine sehr alte Krankheit, mit der unsere Bienen schon seit Jahrtausenden zusammenleben. Aber die Bienen haben bisher nur zum Teil gelernt, mit dieser Krankheit umzugehen, darum muss der Mensch eingreifen.

Das Tückische an der Krankheit ist, dass die Bakterien-Sporen über Jahre konserviert bleiben können und erst in der Larve wieder aktiviert werden. In vielen Import-Honigen findet man zum Beispiel immer wieder Sporen dieses Bakteriums.

Meldepflicht laut Bienenseuchenverordnung

Da die Amerikanische Faulbrut hochansteckend ist, fällt die Krankheit unter die "Bienenseuchenverordung", und die Bienenhalter müssen ihre Völker bei den Behörden und bei der Tierseuchenkasse melden. Es gibt allerdings immer noch Imker und Imkerinnen, die ihrer Melde-Pflicht nicht nachkommen und so die Eindämmung der Seuche behindern können.

Die Bienensachverständige Gerti Reicheneder-Müller betreut, zusammen mit dem Veterinäramt, die Imkerschaft im Rhein-Sieg-Kreis. Regelmäßig werden die Imker und Imkerinnen über verschiedene Bienenkrankheiten aufgeklärt und bekommen Unterstützung, wenn ein Volk erkrankt.

Wird die Amerikanische Faulbrut an einem Bienenstand entdeckt, wird ein Sperrbezirk von mindestens einem Kilometer Radius eingerichtet. Es dürfen weder Bienen, Waben oder ähnliches in das Sperrgebiet gebracht werden oder das Gebiet verlassen. Auch müssen alle Bienenstände in diesem Bezirk untersucht und gegebenenfalls behandelt werden.

Futterproben fürs Labor

Die Sachverständige schaut sich vor Ort die Bienenwabe an und öffnet vorsichtig mit ihrer Pinzette eine verdächtige Brutzelle. Für das Labor in Mayen nimmt sie vom Futter-Vorrat am Rand der Wabe noch eine Probe. Darin findet man bei einem Faulbrut-Befall die meisten Sporen.

Wenn irgendwo eine Bienenseuche ausbreitet, suchen die Veterinärämter oft wochenlang nach der Infektionsquelle

Wenn irgendwo eine Bienenseuche ausbreitet, suchen die Veterinärämter oft wochenlang nach der Infektionsquelle

Unweit des Sperr-Bezirks in einem kleinen Waldstück hat Konrad Oelmann seine Bienenvölker gerade untersuchen lassen. Der Hobby-Imker erinnert sich noch gut an die Faulbrut vor ungefähr zehn Jahren. Aus seinem schönen Hobby wurde erst einmal eine arbeitsreiche Tragödie, wie er sagt. Doch Konrad Oelmann hatte Glück: Seine erkrankten Völker haben die Faulbrut überstanden und der Hobby-Imker konnte im nächsten Frühjahr wieder Honig ernten.

Bei der Faulbrut-Sanierung wird oft das sogenannte "offene Kunstschwarmverfahren" angewendet. Ziel dieser Behandlung ist die Reduzierung der Faulbrut-Sporen und der Erhalt des Bienenvolkes. Dabei wird eine Königin für wenige Tage in einen kleinen Käfig gesperrt und in eine sporenfreie Bienenkiste umgesiedelt.

Altes Zuhause verbrennen

Die verseuchten Waben werden verbrannt und die Bienen bauen in ihrem neuen Zuhause ein frisches Brutnest für die Königin. Meistens können so die wertvollen Bienenvölker gerettet werden.

Im Spätsommer räubern die Bienen benachbarte Völker aus und bringen unter Umständen auch die Faulbrut-Sporen mit. Auch in diesem Fall muss man den Stock achtsam prüfen.

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