Bitte warten...

Die Bettwanze Reisefreudiger Plagegeist mit Himbeerduft

Sie legen Geruchs-Fährten, um wieder nach Hause zu finden. In den USA werden sogar Hunde eingesetzt, um ihnen auf die Schliche zu kommen: Bettwanzen. Wenn es in unserem Schlafzimmer nach verrottenden Himbeeren riecht, könnte das übrigens ein erster Hinweis auf die Plagegeister sein. Bettwanzen saugen unser Blut, sind aber auch wahre Hungerkünstler. Und der Geschlechtsakt ist für sie ein traumatisches Erlebnis.

Sind sie auf diesem Globus unterwegs und schlafen öfter in Hotelbetten? Dann achten sie gut darauf, was Sie in Ihrem Koffer mit nach Hause bringen. Es könnte eine Bettwanze dabei sein. Zuerst bemerkt man sie vielleicht nicht, sinniert der Zoologe Prof. Dr. Paul Stevenson, der an der Leipziger Universität unterrichtet und Insekten erforscht.

Wanze aus dem Ei

Wanzenbisse

Lästig, aber harmlos: Wanzenbisse

Ihre Stiche erinnern an Mückenstiche und sind nicht sonderlich auffällig. Krankheiten übertragen sie nicht. Aber angenehm ist es trotzdem nicht, mit so ein paar Bettwanzen die Nacht zu verbringen. Tagsüber machen es sich die Tiere in einer Matratzenfalte oder im Bettkasten gemütlich. Warm und kuschlig sollte es sein. Bei 25 bis 30 Grad fühlen sie sich so richtig wohl. Dann vermehren sie sich gut und legen Eier, aus denen Mini-Bettwanzen schlüpfen.

Panzer im Wechselmodus

Bettwanze mit Klapprüssel

Bettwanze mit Klapprüssel

Auf dem Computerbildschirm von Paul Stevenson sieht man das Foto einer Matratze. Auf deren Unterseite sitzen unzähligen Bettwanzen. Die großen sind bräunlich, oval und vier bis sechs Millimeter lang. Wenn sie lange nichts gegessen haben sehen sie durchsichtig aus. Die jungen Bettwanzen sind bernsteinfarben. Der Chitin-Panzer ist bei den Großen genauso gut zu erkennen, wie bei den kleinen. Da dieser Panzer nicht mit wächst, häuten sich Bettwanzen mehrmals in ihrem Leben.


Traumatische Befruchtung

Traumatische Befruchtung

Traumatische Befruchtung

Sind sie ausgewachsen, können sie sich fortpflanzen. Der Geschlechtsakt der Bettwanzen ist sehr ungewöhnlich, erklärt der Zoologe, der selbst darüber erstaunt zu sein scheint. Die weiblichen Bettwanzen haben keine äußeren Geschlechtsorgane. Das männliche Tier sticht einfach in den Bauch des Weibchens und injiziert so seine Samen.

Das nennt sich traumatische Befruchtung. Das ist eine Besamung, die praktisch durch den Bauch geht. Und da werden dann die Spermien injiziert. Scheinbar ist es so, dass dieser Vorgang oder die Anwesenheit von den Spermien den Eireifeprozess steuert.


Jeden Tag ein Ei, sonntags auch mal zwei

Nach der Begattung legt das Weibchen Eier ab. Jeden Tag ein, zwei. So wie Hühner es tun. In ihrem ganzen Leben können sie mehrere hundert Eier legen. Je nachdem, wie viel Nahrung sie haben. Und die holen sie sich in der Nacht. Ein Tier kommt alle vier, fünf Tage um Blut zu saugen.

Blutsaugende Klapprüssel

Es hat so einen kleinen Rüssel, so genannte Stechrüssel. Dieser wird dann ausgeklappt. Am Ende diesen Rüssel sind kleine Zähne, mit denen die Bettwanze die Haut aufritzt und eine kleine Kanüle reinsticht, mit der sie ein Blutgefäß trifft. Dann saugt sich die Wanze voll, in ca. 5 bis 10 min, zieht ihren Rüssel zurück und haut dann wieder ab.

Spürhunde auf Wanzenjagd

Wanzen-Spürhund in den USA

Wanzen-Spürhund in den USA

In den USA gibt es sehr viele Bettwanzen. Dort sind sie eine regelrechte Plage. Kammerjäger würden in Hotels sogar mit Spürhunden arbeiten, die schon wenige Bettwanzen riechen, berichtet der Zoologe:
Viele Wanzen stoßen unangenehme Chemikalien aus und also ich hab sie selbst noch nicht gerochen, aber wenn das ein sehr starker Befall von Bettwanzen ist, dann soll es nach verrotteten Himbeeren riechen.

Schwarze Punkte auf hellem Holz

Der Leipziger Schädlingsbekämpfer Swen Fabisch arbeitet ohne Hunde. Bettwanzen zu finden wäre kein Problem, sagt er. Erst kürzlich wurde er in einem Leipziger Hotel fündig. Er entdeckt sie vor allem durch ihren Kot.

Ganze einfach findet man es immer, wenn es ein Holzgestell ist, mit hellem Holz, da haben sie so schwarze Punkte, die sehen aus, wie wenn sie mit so einem Filzstift auf ein Holz drauf tippen. Das verläuft dann ganz leicht. Solche Punkte haben sie an vielen Ecken. Das sind die Rückzugspunkte von den Bettwanzen.

Feinfühlige Antennen

Bettwanzen haben feine Antennen

Bettwanzen haben feine Antennen

Bettwanzen zu finden ist also kein Problem. Und wie findet die Bettwanze uns? Auf dem Computerbildschirm von Paul Stevenson ist das stark vergrößerte Bild einer Bettwanze zu sehen. Auffallend sind der Saugrüssel und zwei Antennen am Kopf des Tieres. Die sind zum Tasten und Riechen da.

Was die auch an die Antenne haben sind Rezeptoren für CO₂, also Kohlendioxid. Das ist sehr wichtig, weil wir atmen CO₂ aus. Und das ist meistens ein Indiz, dass sich da ein Säugetier in der Nähe befindet.

Hungerkünstler

Bettwanzen sind Hungerkünstler

Bettwanzen sind Hungerkünstler

Bettwanzen kommen eine gewisse Zeit mit sehr wenig Nahrung aus. Im Extremfall können sie ein ganzes Jahr hungern.

…und dann waren sie weg und das Bett wurde seit sechs, neun Monate nicht benutzt und dann kommt man da rein, legt sich das hin und dann ist die Wanze da und wartet und freut sich auf den neuen Menschen.

Der Mensch hingegen freut sich weniger auf die Bettwanze. Aber das scheint ihr egal zu sein.

Weitere Themen in SWR2