Hinweis aus Tierversuch Beginnt Parkinson im Darm?

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von Ulrike Till

Der Zusammenhang zwischen Parkinson und der Darmfunktion ist bekannt. Trotzdem wird weiter gerätselt, was Parkinson auslöst. Eine aktuelle Studie stützt die Vermutung, dass Parkinson im Darm beginnt.

Viele Parkinson-Patienten haben auch Probleme mit der Verdauung. Häufig sind die Magen - Darm - Beschwerden schon Jahre vor dem ersten Muskelzittern aufgetreten. Deshalb stehen Darmbakterien schon seit längerer Zeit im Verdacht, bei der Entstehung von Parkinson zumindest mitzuwirken. Zumindest bei Labormäusen haben die Forscher nun eine Ausbreitung vom Darm ins Gehirn zeigen können.

Bei Labormäusen funktioniert die Verbreitung vom Darm ins Gehirn

Im Zentrum der Versuche stand das Protein Alpha Synuclein. Bei Parkinson-Patienten ist dieses Protein krankhaft verändert und lagert sich an zentralen Stellen des Gehirns ab. Die Wissenschaftler haben Mäusen gezielt winzige Fasern dieser falschgefalteten Proteine in das Muskelgewebe von Magen und Dünndarm gespritzt. Und zwar in höherer Dosis als bei früheren Experimenten. Nach sieben Monaten zeigten die Nager typische Parkinson-Symptome; außerdem waren viele Dopamin-Nervenzellen im Gehirn abgestorben.

Schädliche Proteine nutzen den Vagusnerv als Transportmittel

Die Forscher konnten dabei den Weg der schädlichen Proteine genau nachverfolgen: Sie sind über den Vagus-Nerv vom Darm ins Gehirn gelangt.

Schon 2003 hatte der  Neuroanatom Heiko Braak vermutet, dass bei Parkinson krankmachende Eiweiße über den Vagusnerv vom Darm ins Gehirn aufsteigen.

Eine Computeranimation eines menschlichen Darms. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Die Beteiligung des Darms bei der Krankheit Parkinson ist schon lange bekannt. Möglicherweise findet sich sogar der Auslöser im Darm. Thinkstock -

Kein endgültiger Beleg dafür, dass Parkinson im Darm entsteht

Beginnt die Parkinson-Krankheit also tatsächlich im Darm? Hirnforscher werten die Studio noch nicht als Beweis. Sie wenden ein, dass der Vagusnerv keine Einbahnstraße ist. Frühere Forschungen haben gezeigt, dass toxische Proteine auch den umgekehrten Weg nehmen können, vom Gehirn in den Darm.

Fraglich ist auch, inwieweit sich die Ergebnisse von der Maus auf den Menschen übertragen lassen. Denn bei den speziell gezüchteten Versuchstieren stagnierten die krankhaften Veränderungen im Gehirn oder bildeten sich nach einer Weile sogar zurück – beim Menschen dagegen werden die Schäden immer größer.

Nervensystem (Foto: SWR, SWR -)
Wo genau Parkinson herkommt, muss weiter erforscht werden. SWR -

Das Protein Alpha Synuclein spielt eine Schlüsselrolle bei Parkinson

Immerhin: Die jüngsten Experimente beweisen eindeutig die Schlüsselrolle des Proteins Alpha Synuclein. Warum es sich jedoch in einer Weise verändert, die zur Parkinson-Krankheit führen, ist noch nicht geklärt. Pestizide und bestimmte Viren stehen zwar im Verdacht, doch sind hier weitere Studien nötig.

Außerdem zeigt sich erneut die große Bedeutung des Vagusnervs. Bei Nagern mit durchtrenntem Vagusnerv blieben die gefährlichen Proteine im Darm und schafften es nicht ins Gehirn. Manchmal muss dieser Nerv auch bei Menschen durchtrennt werden – sie erkranken dann seltener an Parkinson.

Neue Therapien ergeben sich durch diese Erkenntnisse vorerst noch nicht. Denkbar ist aber, dass sich Parkinson über Eiweißspuren im Darm viel früher diagnostizieren und dann vielleicht auch rechtzeitig stoppen lässt.

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